Naturschutz: Zwei Tiere streifen schon durch die Wälder zwischen Uelzen und Celle

Der Wolf ist zurück im Revier

Nun wird der Jäger der Nacht auch im Landkreis Lüneburg erwartet. Jäger bilden jetzt spezielle Berater aus, um den Bürgern die Angst vor dem "bösen Wolf" zu nehmen.

Lüneburg. Der Wolf ist wieder da und streift vermutlich auch durch die Wälder des Landkreises Lüneburg. Stefanie Becker, Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums, sagt: ,,Wir wissen, dass mindestens zwei Wölfe in den großen Wäldern zwischen Uelzen und Celle leben." Und da die Tiere in einer Nacht bis zu 60 Kilometer zurücklegen können, hat zumindest einer von ihnen den Weg in den Landkreis gefunden.

Mathias Holsten von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises berichtet: ,,Es gibt Leute, die einen Wolf westlich von Lüneburg gesehen haben wollen. Wir gehen zwar offensiv mit dem Thema um, verraten aber den Ort nicht. Denn wir wollen den Wolf in Ruhe lassen, weil er sehr störungsanfällig ist", erklärt er. Zudem fehle noch der hundertprozentige Beweis. ,,Es gibt kein Foto und keine brauchbaren Fußspuren." Mögliche Lebensräume für Wölfe im Landkreis Lüneburg seien die weiten und ruhigen Wälder wie etwa der Süsing im Südwesten oder die Carrenziener Dünen in Amt Neuhaus sowie die Truppenübungsplätze, sagt Holsten.

Die Rückkehr Isegrims kommt nicht überraschend. Umweltministerium, Jägerschaft und Naturschutzbehörden sind längst auf die Ankunft des einstmals ausgestorbenen und streng geschützten Raubtieres vorbereitet. Und so bildet die Jägerschaft Lüneburg Wolfsberater aus.

Einer von ihnen ist Kreismitarbeiter Mathias Holsten, ein anderer Wolfgang Baumgärtner, Jäger aus Bütlingen. Er erklärt, weshalb er sich vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie den Wolfsexperten in Brandenburg zum Berater ausbilden lässt. ,,Ich stehe der Rückkehr des Wolfs positiv gegenüber und möchte deshalb objektiv aufklären, den Bürgern die Angst nehmen." Er betont genauso wie Ministeriumssprecherin Becker, dass das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf nichts mit der Wirklichkeit zu tun habe, ein Mythos vom gruseligen Tier sei, den es zu versachlichen gelte. Baumgärtner: ,,Wenn ein Wolf bei uns in den Wäldern gesehen wird, heißt das nicht, dass die Menschen nicht mehr in den Wald gehen dürfen, weil es für sie gefährlich ist. Der Wolf ist ein so scheues Tier, das immer weg läuft, wenn Menschen in der Nähe sind." Es sei denn, er habe Tollwut, räumt der Jäger ein. ,,Aber die Tollwut gibt es in Deutschland nicht mehr." Niemand müsse Angst haben, unterstreicht auch Becker. ,,Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern."

Mathias Holsten ist beruflich für den Artenschutz im Landkreis Lüneburg zuständig - und damit auch für den Wolf. Sein Hobby ist die Jagd. Und so bringt er Beruf und Freizeit als Wolfsberater zusammen, versteht sich überdies als Bindeglied zwischen Naturschutzbehörde, Bürgern und Jägern. Die Ausbildung zum Experten bestehe auch darin, den Unterschied zwischen Hunde- und Wolfsspuren kennenzulernen. ,,Die Spurenanalyse ist die größte Herausforderung. Ein Wolf läuft wie auf einer geraden Linie, ein Hund stellt die Füße beim Laufen nebeneinander - linker und rechter Fuß sind in der Spur zu erkennen", erklärt er die unterschiedlichen Gangarten.

Stefanie Becker sagt, der Wolf bereichere die Arten- und biologische Vielfalt und sei deshalb so schützenswert. ,,Wir sollten glücklich sein, dass ein bislang ausgestorbenes Tier wieder zurückkehrt und ihm den nötigen Lebensraum geben." Dafür setze sich das Umweltministerium mit seinem Wolfschutzprogramm ein. ,,Ziel ist, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen." Dennoch droht Konfliktpotenzial - mit Schaf- und Ziegenzüchtern etwa. Becker: ,,Wenn ein Wolf in der Nähe vermutet wird, müssen Schafe und Ziegen nachts in den Stall oder die Weide mit einem Elektrozaun oder Flatterband gesichert werden." Zudem solle ein Schaden bei Nutztieren, den nachweislich ein Wolf angerichtet hat, künftig finanziell ausgeglichen werden.

Doch auch bei den Jägern gibt es nicht nur Freunde des Raubtieres. ,,Es wird in dem Moment Probleme geben, wenn der Wolf die Wildbestände reduziert", meint Baumgärtner. Denn Jäger jagen das gleiche Wild wie der Wolf. In einem Arbeitspapier bezieht der Vorsitzende der Jägerschaft Lüneburg, Torsten Broder, deutlich Stellung: ,,Es muss klar sein, dass wir Jäger im Wolf zwar einen direkten Konkurrenten sehen, ihn jedoch ohne Wenn und Aber in unseren Revieren akzeptieren. Alles andere würde uns in eine gesellschaftliche Außenseiterposition bringen und unseren Status als anerkannte Naturschützer gefährden." Er unterstreicht: ,,Die Jäger könnten die Verbreitung des Wolfs behindern, wollen dies aber nicht. Daraus folgt: Wir werden mit dem Wolf leben! Ob wir wollen oder nicht!" Im Übrigen: ,,Abschüsse von Wölfen sind illegal und wir distanzieren uns auf Schärfste von solchen Gesetzesverstößen." Auch wenn der Wolf Einzug in den Landkreis Lüneburg gehalten haben sollte, so glaubt Baumgärtner nicht, dass die Wälder zwischen Heide und Elbe rund um Lüneburg ein Revier seien, in dem sich das Raubtier breit mache.