Haupt- und Innenausschuss

Wie geht es mit dem Rettungsdienst im Herzogtum weiter?

| Lesedauer: 5 Minuten
Stefan Huhndorf und André Herbst
70 DRK-Retter demonstrieren vor der Sitzung des Haupt- und Innenausschusses in der Kreisfeuerwehrzentrale in Elmenhorst.

70 DRK-Retter demonstrieren vor der Sitzung des Haupt- und Innenausschusses in der Kreisfeuerwehrzentrale in Elmenhorst.

Foto: Stefan Huhndorf

Rund 70 DRK-Mitarbeiter protestieren vor der Sitzung. Einige von ihnen liebäugeln bereits mit einem Wechsel zu anderen Anbietern.

Elmenhorst. Sirenengeheul und Trillerpfeifen haben Politiker und Kreismitarbeiter am späten Montagnachmittag zur Sitzung des Haupt- und Innenausschusses in der Kreisfeuerwehrzentrale in Elmenhorst empfangen. Mit dramatisch formulierten Transparenten mahnten sie vor einer Zerschlagung des bisherigen Systems und einer Abkehr von der Tarifbindung. Grund: Die anstehenden Beratungen über die Neuausschreibung des Rettungsdienstes im Herzogtum Lauenburg und die Aufteilung des Bereichs in drei Rettungsbezirke.

Mehr als 70 Mitarbeiter des DRK kamen zu Demonstration und machten lautstark ihren Protest gegen die anstehende Entscheidung deutlich. Hauptkritikpunkt: Die Tarifbindung ist nicht Bestandteil der Ausschreibung.

Protest gegen Aufteilung des Bereichs in drei Rettungsbezirke

Wie berichtet, regt sich Protest bei den Rettern gegen die Aufsplittung des Rettungsdienstes in drei Bezirke (Nord, Mitte und Süd). Bislang wird der gesamte Rettungsdienst im Kreis Herzogtum vom DRK organisiert, der für diese Aufgabe 150 Mitarbeiter beschäftigt. Aktuell dürfte sich das DRK nur auf eines der drei Lose bewerben.

„Diese Verkleinerung der Bereich ergibt keinen Sinn. Bislang haben wir untereinander ausgeholfen, wenn Wagen eine Panne hatten oder Mitarbeiter fehlten. Das wird viel komplizierter, wenn mehrere Akteure im Kreis aktiv sind. Auch die Verwaltungskosten steigen“, warnte Mike Sommerfeld, Notfallsanitäter und Qualitätsmanagementbeauftragter des DRK.

„Andere Kreise wie Segeberg gehen einen anderen Weg. Dort hat auch das DRK bis vor kurzem den Rettungsdienst organisiert. Dann entschied man sich für die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein, die für fünf Kreise tätig ist. Also statt klein-klein, für eine größere Einheit“, ergänzt DRK-Betriebsrat Günther Stiewe.

Demonstranten wehren sich gegen „Leben in Altersarmut“

Was den Rettern besondere Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass bei der Ausschreibung die Tarifbindung keine Rolle spielt. In diesem Punkt seien die Verträge mit dem DRK vorbildlich. „Ein Rettungssanitäter verdient etwa 3300 Euro brutto. Aber wir bekommen noch vermögenswirksame Leistungen und eine betriebliche Altersversorgung dazu. Ich kann mich darauf verlassen, dass meine Rente für jedes, Jahr, das ich arbeite, um 20 Euro steigt. Wer das nicht hat, fällt nach einem arbeitsreichen Leben in Altersarmut“, sagte ein Protestler gegenüber Landrat Dr. Christoph Mager.

Im Gegensatz zu den Politikern, die es eilig hatten, durch das pfeifende Spalier der in Einsatzkleidung angetretenen Retter durchzukommen, nahm sich Landrat Dr. Christoph Mager Zeit, mit den Demonstranten zu diskutieren. Zwei Beamte des Polizeireviers Schwarzenbek waren während der Demonstration im Einsatz, um die ungehindertes Durchfahrt auf dem Lankener Weg zum Sitzungsort in der Kreisfeuerwehrzentrale sicher zu stellen.

Bürger in grßoer Sorge um den Rettungsdienst im Herzogtum Lauenburg

Derzeit wird die geplante Aufsplittung im Internet heftig diskutiert. Bürger sorgen sich, dass der Rettungsdienst nach einer Aufsplittung noch reibungslos funktioniert – zumal einige Retter bereits mit einem Wechsel zu anderen Anbietern liebäugeln und den Kreis verlassen könnten.

„Viele Mitarbeiter aus dem Süden stammen aus Hamburg und Niedersachsen. Für sie wäre es ein Leichtes in ihren Heimatorten beim DRK neue Jobs zu finden. Sie würden nicht zu einem anderen Anbieter wechseln, der keinen Tarif bezahlt, nur um weiter im Kreis zu arbeiten“, so Stiewe.

Landrat sieht für DRK Vorteil in gesplittetem Rettungsdienst

Landrat Dr. Christoph Mager mahnte im Gespräch mit den Demonstranten indes an, dass die Beratungen über die neuen Strukturen bereits seit fünf Jahren geführt würden, der Protest kurz vor der Entscheidung reichlich spät komme. Die Aufteilung in drei Lose sei für das DRK ein Vorteil. „Wenn es nur einen Bereich gäbe, auf den sich vielleicht fünf Anbieter bewerben, könnte das DRK am Ende völlig leer ausgehen. Drei Lose erhöhen die Chance“, so der Landrat.

Er hoffe, dass auf der nächsten Sitzung Ende Mai eine Entscheidung fallen könne, sagt Norbert Brackmann, Chef der CDU-Kreistagsfraktion und Vorsitzender des Haupt- und Innenausschusses. Zunächst hatte eine kreiseigene Gesellschaft die Ausschreibung übernommen, der Kreis als Träger des Rettungswesens hatte die Ausschreibung wiederholen müssen. Zuletzt hatte das DRK eine Verlängerung des Ausschreibezeitraums bis Ende April erzwungen.

Erst zwei Bewerber für den Rettungsdienst im Herzogtum sind bekannt

Wer sich bislang beworben habe, dazu könne er bis zum Ende des Verfahrens nichts sagen, so Brackmann: „Bis zum Bewerbungsschluss ist das eine Black Box.“

Ein offenes Geheimnis ist, dass neben dem DRK auf die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft den Hut in den Ring geworfen hat. Sie baut derzeit, wie berichtet, in Lauenburg eine neue Rettungswache. Dieser Bau habe mit der Ausschreibung des Rettungsdienstes nichts zu tun, so Brackmann, „wobei die Lose natürlich schon so geschnitten sein müssen, dass jeder für sich allein existenzfähig ist“.

„Das DRK hat es versäumt, Vorsorge zu treffen“

Die Kritik der DRK-Retter an den Ausschreibungsmodalitäten des Kreises spielt Brachmann an den DRK-Kreisverband zurück. „Die Verantwortlichen wissen seit fünf Jahren von anstehenden Änderungen. Doch sie haben es versäumt, entsprechend Vorsorge zu treffen, was etwa die Altersversorgung anbelangt.“

Dabei geht es laut Brackmann um mehrere Millionen Euro, für die das DRK keine Rücklagen gebildet habe. Wie das gelingen soll, bleibt unklar: Da für das Rettungswesen in Schleswig-Holstein das Kostendeckungsprinzip gilt, dürfte es für einen gemeinnützigen Träger schwierig bis unmöglich sein, eine solche Summe zu erwirtschaften.