Verein hilft

Corona hat auch Kinderheime in Indien fest im Griff

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Stefan Huhndorf
Ein Bild aus dem Jahr 2019: Die Armut war schon damals groß in Südindien, und diese Kinder aus einem Heim der Patengemeinschaft für hungernde Kinder in Sahms konnten auf eine glückliche Zukunft hoffen. Aktuell hat die Corona-Pandemie die seit 1965 währende Hilfsaktion der 850 Paten ausgebremst.

Ein Bild aus dem Jahr 2019: Die Armut war schon damals groß in Südindien, und diese Kinder aus einem Heim der Patengemeinschaft für hungernde Kinder in Sahms konnten auf eine glückliche Zukunft hoffen. Aktuell hat die Corona-Pandemie die seit 1965 währende Hilfsaktion der 850 Paten ausgebremst.

Foto: Patengemeinschaft

Die Pandemie erschwert die Arbeit der Patengemeinschaft Sahms. Schulunterricht über TV-Kanäle. Nachhilfe soll Defizite lindern.

Sahms.  Seit 56 Jahren sind die „Erben“ des Sahmser Postboten Adolf Klein aktiv. Inzwischen 850 Paten betreuen durch zweckungebundene Spenden etwa 700 Kinder in Heimen sowie 250 Familien und rund 160 Jugendliche in Ausbildung und Studium im Süden Indiens. Damit werden insgesamt gut 1800 Menschen auf dem Subkontinent unterstützt. 1965 hatte der Postbote aus dem Dorf nördlich von Schwarzenbek, der selbst elf Waisenkinder bei sich in Sahms aufnahm, die Patengemeinschaft gegründet. Die Corona-Pandemie stellt den Verein, der in Südindien 28 Heime und gemeinnützige Einrichtungen betreibt, nun vor große Herausforderungen. Die Vorsitzende Ulrike Lorenzen berichtet von ihren Erfahrungen aus den regelmäßigen Kontakten mit den Betroffenen.

In Indien: Kinder bekommen Nachhilfe, um die Schule zu absolvieren

„Wie bei uns ist auch in Indien die Pandemie schwer in den Griff zu bekommen. Die Schulen sind immer noch fast flächendeckend geschlossen, und der Unterricht wird weiterhin meist digital über Fernsehkanäle durchgeführt“, berichtet die Hamburgerin, die die Patengemeinschaft bereits seit 2017 führt. „Nun haben die Schulferien begonnen, und die Kinder, die in den Heimen waren, werden wieder nach Hause gehen. Die Ferien sind normalerweise sowieso im April und Mai, aber wir hoffen, dass sie wegen der Pandemie nicht verlängert werden. Die Kinder haben bereits wertvolle Schulzeit verloren“, so die Vereinsvorsitzende weiter.

Die Zeit, in der die Kinder im Heim waren, haben die von den Paten finanzierten Lehrer und Betreuer in Indien jedoch genutzt: Es gab verstärkten Nachhilfeunterricht in den Heimen. So sollen die großen Defizite gelindert werden, die durch die schwierige Unterrichtssituation entstanden sind. „Wenn die Kinder nun wieder längere Zeit zu Hause bleiben, werden die Familien der Heimkinder weiterhin über den Patenbeitrag finanzielle Unterstützung erhalten. So muss niemand hier Not leiden“, verspricht Ulrike Lorenzen. Auch in den Colleges und Universitäten gebe es kein einheitliches Bild: Einige böten Präsenzunterricht an, aber in den meisten Fällen werde online studiert. „Zusammenfassend kann man wieder nur feststellen, dass wir weiter warten müssen, wie sich die Situation entwickelt. Und genau wie bei uns wird in Indien große Hoffnung auf schnelle Immunisierung der Bevölkerung gesetzt“, so Lorenzen.

Auch neue Familien, die besonders unter den Folgen der Pandemie leiden, wurden in das Hilfsprogramm aufgenommen. Für den Ausbildungsfonds gab es ebenso neue Anmeldungen. „Auf diese Weise versuchen wir, in dieser schwierigen Zeit zu helfen“, berichtet die Vorsitzende.

Corona-Schutzimpfungen sind auch in Indien ein großes Problem

Bisher wurden laut Ulrike Lorenzen etwa 53 Millionen Impfdosen verabreicht. Allerdings leben auf dem Subkontinent auch rund 1,3 Milliarden Menschen. Der Impfstoff wird in Indien selbst hergestellt. „Auch einer unserer etwas älteren Kollegen wurde bereits zweimal geimpft und hat alles sehr gut überstanden. Seit dem 1. April können sich auch die über 45-Jährigen für eine Impfung registrieren. So werden hoffentlich bald alle unsere Kollegen geimpft sein, damit der Unterricht weitergehen kann“, sagt Ulrike Lorenzen.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Sie telefoniert regelmäßig mit den indischen Kollegen und erfährt aus erster Hand, wie sich die Situation vor Ort entwickelt. „Und jedes Mal frage ich, ob es bei den Menschen in unseren Hilfsprogrammen Krankheits- oder gar Todesfälle zu beklagen gibt“, so die Vereinsvorsitzende weiter. Zurzeit gebe es keine Meldungen über Erkrankungen, aber der Verein rechne damit, Familien extra zu unterstützen, die besonders unter der Pandemie gelitten haben. Das komplette Bild werde sich sicher erst beim Ende des Notstands ergeben.

Neuer Name und ein moderner Internetauftritt

Die Patengemeinschaft hat ihren Namen vor Kurzem von „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.“ in „Patengemeinschaft für Kinder in Indien e.V.“ geändert. Auch die Internetseite des Vereins (www.patengemeinschaft.de) hat ein neues, moderneres Erscheinungsbild erhalten. „Jetzt haben wir in einem zweiten Schritt auch unser Logo aktualisiert“, sagt die Vorsitzende.

Wer notleidende Kinder oder Familien in Indien unterstützen möchte, kann über den Verein Patenschaften übernehmen. Für ein Kind kostet das 30 Euro im Monat, für eine Familie 35 Euro. Es können aber auch Patenschaften für medizinische Eingriffe übernommen werden. Alle Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Vereins oder telefonisch bei der Vorsitzenden Ulrike Lorenzen unter der Rufnummer 040/86 62 48 84.