Patengemeinschaft

Hilfe, die sicher bei hungernden Kindern ankommt

Die Nienstedtenerin Ulrike Lorenzen bei einem Besuch in Indien.

Die Nienstedtenerin Ulrike Lorenzen bei einem Besuch in Indien.

Foto: Ulrike Lorenzen

Ulrike Lorenzen aus Nienstedten engagiert sich für Kinder in Indien. Patenschaft für ein Heimkind kostet 30 Euro im Monat.

Hamburg.  Internationaler Geist und globales Denken prägen Hamburgs Nimbus als Tor zur Welt. Traditionell endet freigebiges Handeln nicht an der eigenen Haustür. Ein hervorragendes Beispiel zielgerichteter, unkomplizierter Hilfsbereitschaft ist die „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.“. Seit 50 Jahren leistet dieser gemeinnützige, mit dem offiziellen Spendensiegel DZI ausgestattete Verein eine Menge Gutes. Im Blickpunkt steht der Süden Indiens. Statt vieler Worte ist Anpacken Trumpf.

Motor dieser 1969 von einem Postboten gegründeten Initiative ist eine couragierte Frau aus den Elbvororten: Von Nienstedten aus steuert die Vorsitzende Ulrike Lorenzen Seite an Seite mit ihren gleichfalls ehrenamtlichen Mitstreitern ein umfassendes Hilfspaket. „Unsere Aktion steht auf vielen Beinen und ist dadurch dauerhaft stark“, sagt die Betriebswirtin. Hauptberuflich betreibt die gebürtige Flensburgerin eine kleine Immobilienverwaltung.

Rund 900 Paten tragen dazu bei, dass Jahr für Jahr zwischen 500.000 und 600.000 Euro bedürftigen Kindern in den indischen Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu zugutekommen. Für die direkte Vergabe vor Ort sorgen zwei staatlich lizenzierte Partnervereine. Die Kontakte sind eng und persönlich. Regelmäßige Inspektionen und Reisen gehören dazu. In 20 Heimen, von denen die Hälfte in Eigenregie betrieben werden, leben mehr als 700 Kinder.

Patenschaft kostet 30 Euro im Monat

Die Patenschaft für ein Heimkind kostet 30 Euro im Monat. Die meisten Paten stammen aus dem Großraum Hamburg. Etwa 250 Familien erhalten wirtschaftliche Unterstützung – viele sind alleinerziehende Mütter. Da es an einem sozialen Netz mangelt, stehen diese Frauen sonst auf verlorenem Posten. Zudem wird 160 Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung ermöglicht. Ein Orthopädiezentrum, ein spezielles Frauenprojekt sowie helfende Hände für die Adivasi, einen Volksstamm der Ureinwohner, runden die vielfältigen Hilfsmaßnahmen ab.

„Die Kontakte werden intensiv und langjährig gepflegt“, sagt Frau Lorenzen bei einem Treffen im Café Elbwein in Groß Flottbek. „Vor zwei Jahren organisierte der Verein eine Ausstellung in der Rathausdiele. Zum 50. Geburtstag im Hotel Baseler Hof an der Esplanade schilderten die Kollegen aus dem mehr als 1,3 Milliarden Euro umfassenden Schwellenland in Südasien die unverändert akute Lage vor Ort. Zwar konnte die extreme Hungersnot in den vergangenen Jahrzehnten bekämpft werden, dennoch stehen viele Familien und Kinder im Abseits. Existenzielle Probleme bewogen den Postboten Adolf Klein während einer Indienreise Ende der 1960er-Jahre zur Gründung des Vereins.

900 regelmäßig zahlende Paten

Der Beamte aus Sahms im Kreis Herzogtum Lauenburg hatte während des Weltkriegs einen Arm verloren und gemeinsam mit seiner Ehefrau neben den beiden leiblichen Töchtern elf weitere Kinder adoptiert. Mit seinem selbstlosen, indes hartnäckigen Naturell bewegte er Menschen in seinem privaten Umfeld zur Patenschaft mit Hungernden in Übersee. Das pragmatische Handeln und der bodenständige Charakter dieser Organisation sprachen sich herum. Und da es 900 regelmäßig zahlende Paten gibt, steht die Aktion auf stabilem Fundament. „Dennoch gäbe es so viel mehr anzupacken“, weiß Ulrike Lorenzen. Damals wie heute wird das Geld den Heimen, Familien und Initiativen ohne Umwege zugeteilt. Neben einer Hilfskraft auf Minijob-Basis für die Verwaltung entstehen keine weiteren Kosten, sodass komplett ankommt, was gespendet wird.

Zum Segen des Projekts hatte Ulrike Lorenzen nach dem Auszug der zwei erwachsenen Kinder Energie und Zeit, als Vorsitzende aktiv zu werden. Früher war sie oft durch Asien gereist und wusste um die Nöte in Indien. Frau Lorenzen versteht es zwar, im Sinne der guten Sache offensiv zu handeln, in eigenen Belangen ist sie umso zurückhaltender. Erst im Laufe des Gesprächs vervollständigt sich das Bild einer Hamburgerin, der Müßiggang fremd ist. So organisierte sie mit weiteren Müttern die Mittagessen im Christianeum. Nach wie vor singt sie im „Alumni Chor“ dieses Gymnasiums. Am 22. September steht ein Auftritt in der Kirche St. Trinitatis in Altona auf dem Programm; und im Juni 2020 gastiert der Chor im Michel.

Führungen durch das Hamburger Rathaus

Unter dem Strich bleibt Freiraum, im Schnitt ein- bis zweimal pro Woche, Führungen durch das Hamburger Rathaus zu leiten. Von Ruhe- oder gar Stillstand kann keine Rede sein. Ihr Temperament, Kontakttalent und ihre Hilfsbereitschaft sind über die Elbvororte hinaus bekannt. „Bei Ulrike Lorenzen stehen positives Denken und Handeln im Einklang“, heißt es. Derzeit bereitet sie mit ihrem Team die Präsenz der Patengemeinschaft für hungernde Kinder während der „India Week“ der Hansestadt Ende Oktober vor.

Dazu gehören eine Ausstellung im Generalkonsulat Indiens am Großneumarkt sowie eine Vortragsveranstaltung im Rathaus. Referentin: Ulrike Lorenzen. Denn wenn es um herzhaftes Engagement für Menschen in Not geht, legt diese Frau ihre vornehm bescheidene Art ad acta. Credo: Sich regen bringt Segen. 70 Mitglieder und 900 Paten müssen ein halbes Jahrhundert nach der Vereinsgründung ja keinesfalls das letzte Wort sein. Für kleine Wunder war diese Initiative schon immer gut.