Neue Elbbrücke

Wohl der Haselmaus steht über Straßenbauprojekt

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Gabriele Kasdorff und Stefan Huhndorf
Eine erwachsene Haselmaus (Muscardinus avellanarius) schaut aus ihrem Nest in einer Baumhöhle. Der scheue Nager wurde im Jahre 2017 zum Wildtier des Jahres erklärt. Er könnte den Bau einer neuen Elbbrücke beeinflussen.

Eine erwachsene Haselmaus (Muscardinus avellanarius) schaut aus ihrem Nest in einer Baumhöhle. Der scheue Nager wurde im Jahre 2017 zum Wildtier des Jahres erklärt. Er könnte den Bau einer neuen Elbbrücke beeinflussen.

Foto: WILDLIFE/G.Lacz / picture alliance / WILDLIFE

In Lauenburg wird jetzt das Vorkommen des geschützten Nagers geprüft. Er könnte den Bau einer neuen Elbbrücke stark beeinflussen.

Lauenburg/Schwarzenbek. Sie haben große Knopfaugen, ein flauschiges Fell und stehen unter Schutz: Haselmäuse. Gar nicht selten sind sie allerdings auf der Trasse der Schwarzenbeker Ortsumgehung und am angrenzenden neuen Gewerbegebiet der Gemeinde Grabau an der B 207. Weil der genaue Bestand im Vorfeld des vor einem Jahr begonnenen Baus der Umgehungsstraße mit einem sogenannten Monitoring noch einmal überprüft werden sollte, hatte sich damals auch das Planfeststellungsverfahren verzögert. „Wir sind mittlerweile Experten für das Umsiedeln von Haselmäusen und Ameisen geworden“, sagte Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) bei Baubeginn. Auch die neue Elbbrücke bei Laulenburg könnte davon betroffen sein.

Trassen­variante der neuen Elbbrücke geht durchs Naturschutzgebiet

Während das Monitoring in Schwarzenbek abgeschlossen ist, steht dieses Verfahren in Lauenburg erst ganz am Anfang. Bisher steht nämlich längst nicht fest, wo die neue Brücke über die Elbe führen wird. Wie berichtet, hängt davon auch die Trassenführung für die geplante Ortsumfahrung der Hafenstraße (B 209) ab.

Im Planungskorridor westlich von Artlenburg bis östlich von Hohnstorf werden derzeit elf Trassenvarianten geprüft. Westlich könnte eine Trasse an eine künftige Nordumfahrung Lauenburgs anschließen. Doch diese würde mitten durch das Naturschutzgebiet zwischen Lauenburg und Schnakenbek führen – möglicherweise auch mitten durch den Lebensraum der geschützten Haselmaus.

Vorkommen soll untersucht werden

Doch ob das geschützte Nagetier in diesem Bereich tatsächlich heimisch ist, soll jetzt untersucht werden. Wer dieser Tage aufmerksam durch das Naturschutzgebiet zwischen Lauenburg und Schnakenbek wandert, wird vermehrt Holzkästen an den Bäumen bemerken. Das Erstaunliche: Diese Kästen besitzen vorn kein Einflugloch.

Revierförster Hannes Koopmann hat diese Kästen jedenfalls nicht angebracht. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) hat einen entsprechenden Auftrag erteilt.

Anders als die rund 160 hellen Holzkisten fallen die 560 dunklen Niströhren, so genannte Nesttubes, weniger auf. Beide zeichnen sich dadurch aus, dass sich das Einschlupfloch auf der Rückseite befindet, damit sich keine Vögel und andere Nutzer einnisten können.

Nistkästen sollen Aufschluss geben

Die Kästen werden an Standorten im Wald mit wenig Unterwuchs angebracht, vorn befindet sich eine Klappe. Die Röhren sind kleiner, habe eine schwarze Ummantelung und einen Einschub aus Holz, sie werden an den Waldrändern, Knicks, Feldgehölzen und Böschungen aufgehängt, überall dort, wo die Strauchschicht höher ist.

Insgesamt 160 Nistkästen und 560 Niströhren werden bis Mitte April im Bereich Schnakenbek bis Lauenburg bis an den Elbe-Lübeck-Kanal und die Lauenburger Elbmarschen aufgehängt, um ein eventuelles Vorkommen der scheuen Tiere im potenziellen Planungs­gebiet der nördlichen Lauenburger Ortsumfahrung nachzuweisen.

Die Nisthilfen werden alle zwei Monate kontrolliert. Im November sollen sie wieder abgehängt werden. Sollte sich herausstellen, dass hier Haselmäuse heimisch sind, könnte das Vorhaben der Elbquerung und der Umgehungsstraßen in dieser Trassenvariante wesentlich aufwendiger werden.

Am Anfang mussten die Haselmäuse in Schwarzenbek umziehen

Gleich zum Baubeginn des zweiten Teilabschnitts der Umgehungs­straße von Schwarzenbek stand der Tierschutz ebenfalls im Vordergrund. Waldameisenbauten wurden vorsichtig mit dem Bagger umgesiedelt, für Fledermäuse entsteht ein Leitsystem über die Fußgängerbrücke, damit sie die Trasse sicher queren können. Auch Bodenbrüter wurden mit flatternden Bändern entlang der Trasse auf andere Brutplätze verdrängt.

Schwieriger ist es mit den Haselmäusen. Sie hausen in den Knicks und halten Winterschlaf. Deshalb wurden im Frühjahr 2021 zwischen B 404 und B 207 Knicks verlegt, um die putzigen Nager zum Umzug zu bewegen. In diesem Bereich ist das offenbar ganz gut gelungen.

Ortsumfahrung Schwarzenbek verzögert sich

Hartnäckiger sind die Haselmäuse im weiteren Teilabschnitt zwischen der Bundesstraße 207 und der K 17, Grabauer Straße. Auch am angrenzenden neuen Grabauer Gewerbegebiet laufen die Umsiedlungsarbeiten. „Die Haselmäuse sind schwieriger zum Umzug zu bewegen als gedacht“, sagte Grabaus Bürgermeister Bernd Granzow am Rande des symbolischen ersten Spatenstichs Ende der vergangenen Woche.

Verkehrsminister Bernd Buchholz hatte die Zeremonie mit einem Jahr Verspätung nachgeholt, weil der Spatenstich zum Baubeginn im Frühjahr 2021 wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste. Dass die Umsiedlung der Haselmäuse nicht ganz so reibungslos laufe, wie geplant, räumte das Verkehrsministerium jetzt ein. Unter anderem wurde dementsprechend der Bauzeitenplan geändert.

Gingen das Ministerium und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr noch von einer Fertigstellung des 2,94 Kilometer langen und 19 Millionen Euro teuren Teilabschnitts im Jahr 2024 aus, so wird jetzt das Jahr 2027 angepeilt.

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