Corona

Tafel in Lauenburg stoppt Lebensmittelausgabe

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Ute Dürkop
Der Tafel-Vorstand mit den Einweg-Kartons: Reinhard Schmidt, Marion Neckel, Maria Halm, Friederike Betge, Bärbel Zeitz und Sabine Kaufmann (v.l.). Wegen der Corona-Situation bleiben die Kartons ab 3. Dezember leer.

Der Tafel-Vorstand mit den Einweg-Kartons: Reinhard Schmidt, Marion Neckel, Maria Halm, Friederike Betge, Bärbel Zeitz und Sabine Kaufmann (v.l.). Wegen der Corona-Situation bleiben die Kartons ab 3. Dezember leer.

Foto: Ute Dürkop

Nur noch eine Ausgabe – dann schließt die Lebensmittelausgabe bis 14. Januar. Zu viele Kunden halten die Hygieneregeln nicht ein.

Lauenburg. Erneut steht der Lauenburger Tafel ein Lockdown bevor. Am Freitag, 3. Dezember, werden bedürftige Lauenburger wegen der Corona-Situation zum letzten Mal in diesem Jahr mit Lebensmittelspenden unterstützt. „Wir haben lange überlegt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass die Ausgabe mindestens bis zum 14. Januar 2022 unterbrochen werden muss“, sagt Sabine Neumann, zweite Vorsitzende der in Lauenburg als Verein organisierten Tafel.

Entscheidung zum Schutz von Tafelkunden und Helfern vor Corona

Anders als in der Zeit von Januar bis Juni dieses Jahres ist die Einstellung der Tafelausgabe eine eigene Entscheidung des Tafelvorstands zum Schutz von Kunden und Helfern „in Anbetracht der täglich rasant steigenden Zahlen von Corona-Erkrankungen“, so die Vorsitzende Friederike Betge.

Diskutiert wurde darüber bereits auf der Mitgliederversammlung am 18. November, die konkrete Entscheidung fiel jedoch erst zu Beginn dieser Woche. „Am 14. Januar 2022 wird die Ausgabe, auch in Abhängigkeit von der Entwicklung der Corona-Pandemie, voraussichtlich wieder beginnen“, so Betge.

Geöffnet hat die Tafel nur noch am 26. November

Schon jetzt gelten an den Aus­gabetagen Schutzmaßnahmen: Geöffnet hat die Tafel nur noch einmal in der Woche, jeweils freitags von 10.30 bis 11.30 Uhr. Das Betreten des Aufenthaltsraums im Treffpunkt Moorring (ToM), in dem sich die Kunden vor Corona die Waren aussuchen konnten, ist nun nicht mehr möglich.

Was früher in Einkaufstüten von den Kunden eingepackt wurde, wird heute von den Tafelhelfern in von der bundesweiten Tafelstiftung zur Verfügung gestellte Einweg-Faltkartons gepackt.

Lebensmittel werden nur noch in Kisten fertig gepackt verteilt

„Wir treffen uns in einem kleinen Kreis seit Anfang Juni immer donnerstags und falten 110 Kisten für den Ausgabetag“, sagt Sabine Neumann. Sie koordiniert den reibungslosen Ablauf vom Abholen der Waren, der Einlagerung bis hin zur Einteilung des Helferteams und der Ausgabe. Ein meist 15-köpfiges Helferteam (mehr Menschen dürfen sich in dem relativ kleinen Raum nicht aufhalten) startet am Ausgabetag um 6.30 Uhr mit dem Sortieren der gespendeten Lebensmittel.

Alle 110 Kisten werden nach Möglichkeit mit gleichen oder ähnlichen Waren gepackt. Und natürlich wird darauf geachtet, dass auch Kisten ohne Schweinefleisch für muslimische Kunden vorrätig sind. Die Kunden tragen sich für die Ausgabe ein und bekommen eine Nummer. Wenn sie an der Reihe sind, reicht ihnen ein Helfer die Kiste durch das geöffnete Fenster.

Abstands- und Hygieneregeln werden nicht eingehalten

Soweit, so gut: Aber Sabine Neumann berichtet auch von der Uneinsichtigkeit vieler Kunden. „Wir weisen immer wieder auf die Abstandsregelungen hin, aber kaum einer hält sich daran. Ähnlich ist es mit der Maskenpflicht“, sagt die zweite Vorsitzende resigniert. Ebenso sei es bei der Verteilung von Obst.

„Es sind nicht alle, immer nur Einzelne, die durch ihr Verhalten für den Ausgabestopp sorgen“, betont Betge. Ein Nachfrage unter den Kunden ergab allerdings, dass nur wenige geimpft sind. Zwei Mal sei bereits ein mobiles Impfteam im Nachbarschaftstreff am Moorring 19 c gewesen, auf das die Tafelkunden auch hingewiesen wurden. „Zeitgleich zur Ausgabe auch eine Impfung anzubieten ist eine gute Idee, aber der Treffpunkt ist dafür nicht groß genug“, so Betge.

Kirche ist auch künftig wieder zur Hilfe bereit

Beim ersten und zweiten Lockdown war die evangelische Kirchengemeinde eingesprungen, hatte Lebensmitteltüten befüllt und kontaktlos vor die Haustür gestellt. Dabei hatten Tafelhelfer und Kirche zusammengearbeitet. Alle Spenden an die Tafel seien damals, so Betge, an die Kirche überwiesen worden.

Anders als bei der Tafel, die zwei Euro pro Ausgabetag erhebt, war der kirchliche Lieferdienst kostenlos. „Es war eine sehr anstrengende Zeit und nur zu schaffen, weil unsere Küster mit angepackt haben“, so Pastor Philip Graffam, der weiter zur Hilfe bereit ist, sollten sich genügend ehrenamtliche Helfer finden.

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