Lauenburg

Alte Knöpfe werden bei ihr zu schmucken Kostbarkeiten

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Andrea Weber
Goldschmiedin Daniela Toebelmann fertigt Schmuck aus alten Knöpfen. Ihre Werkstatt liegt an der Elbstraße.

Goldschmiedin Daniela Toebelmann fertigt Schmuck aus alten Knöpfen. Ihre Werkstatt liegt an der Elbstraße.

Foto: Andrea Weber

Goldschmiedin Daniela Toebelmann hat mit ihrem Laden „Flitter & Tand“ in Lauenburgs Altstadt eine kleine Attraktion geschaffen.

Lauenburg. Mitten in der Corona-Zeit eröffnete sie ihr Goldschmiedeatelier an der Elbstraße in Lauenburg. Ein Jahr später hat sie auch ihre Wohnung gefunden und überzeugt mit ungewöhnlichen Stücken und guten Ideen Besucher und Bewohner in der Altstadt in Lauenburg.

Im Sommer vergangenen Jahres, als die große Welt ganz still stand, geriet die kleine Welt von Daniela Toebelmann so richtig in Bewegung. In ihrer damaligen Bleibe in einem kleinen Dorf bei Winsen kam ihr alter, langgehegter Traum zu ihr zurück – der vom eigenen Laden.

Lauenburg: Daniela Toebelmann fertigt Schmuck aus alten Knöpfen

Einer der Gründe dafür war, dass es die Handwerkermärkte, auf denen sie bislang ihre Goldschmiedekunst präsentiert und verkauft hatte, nicht mehr gab. Plötzlich fehlten die Verkaufsflächen, aber auch Gespräche und Kontakte. Begegnung eben. So stöberte sie mal wieder im Internet und stieß auf das Ladengeschäft an der Elbstraße, Zufall eigentlich.

„Ich habe mich sofort in Lauenburg und den kleinen Laden verliebt“, erzählt sie. Und das änderte sich auch nicht, als sie persönlich in die Altstadt kam, um sich alles „in echt“ anzusehen.

Die ersten Geschäfte liefen durchs geöffnete Fenster

Drei Monate später, im Oktober, noch immer mitten in der Corona-Zeit, „feierte“ ihr Laden „Flitter & Tand“ Eröffnung. Wie sich alles entwickeln würde, wusste sie nicht. Täglich gab es neue Verordnungen, aber kaum Kundschaft. Die Wenigen, die vorübergingen aber, die blieben stehen.

Manche verguckten sich in die schönen Stücke, die im Fenster lagen. Vom geöffneten Fenster aus kam sie dann mit den Leuten ins Gespräch, verkaufte Ringe, Ketten und Ohrringe, nahm Aufträge entgegen. Trotz allem ein Beginn.

Im Sommer dieses Jahres lernte sie dann eine ganz andere Elbstraße kennen. Eine Flaniermeile, eine Radlerstrecke. Und ihr Lebenstraum nahm Fahrt auf.

Die Großmutter vererbte eine riesige Knopfsammlung

Kein Wunder, denn es lohnt sich, hier einzutreten. So viel Kreativität ist hinter den alten Mauern der Elbstraße 41 zu Hause. Allein die Materialien, die die Künstlerin verwendet und die auf kleinen Regalen und Tischen liegen. Knöpfe zum Beispiel. „Damit fing bei mir eigentlich alles an“, erzählt Daniela Toebelmann.

Schuld daran ist ihre Großmutter. Deren Faszination schlug sich in einer riesigen Knopfsammlung nieder. Und die gab sie ihren Enkelinnen zum Spielen. „Wir haben die stundenlang sortiert, gelegt, getauscht“, erinnert sich Daniela Toebelmann.

Eingefasst in Ring oder Kette entstehen ganz besondere Stücke

Die sind später bei ihre gelandet. Mehr als 20 Umzüge haben sie inzwischen mitgemacht. Daniela Toebelmann schwärmt von den Strukturen, den Farben, Größen, den Materialien. „Da steckt so viel Zeitgeist drin“, sagt sie.

Und zum Glück ist die Goldschmiedin fantasievoll genug, um ganz besondere Stücke daraus zu fertigen – entweder eingefasst in Ring oder Kette oder als Struktur oder Muster in Silber, das sie recycelt. Die schönste Geschichte erzählte ihr ein Silberknopf, der sie beim Blick aus dem Fenster an die Pflastersteine der Elbstraße erinnert. Dessen Muster verarbeitet sie zu breiten, schweren Ringen, mit denen sie schon viele Kunden davon überzeugen konnte.

Schon mit 16 Jahren stand ihr Berufswunsch fest

Überzeugen konnte sie schon immer. So wie die Goldschmiedin damals, die sie als 16-Jährige auf einer Party kennenlernte. Bei der stand sie kurze Zeit später vor der Tür und machte ihr klar, dass sie die neue Praktikantin sei. Sie blieb, lernte und ergatterte später einen der wenigen Ausbildungsplätze, der sie für dreieinhalb Jahre nach Haan bei Düsseldorf entführte.

Mit einem Stipendium in der Tasche studierte sie Kunst und beteiligte sich an diversen Kunstprojekten. Gradlinig verlief ihr Lebenslauf nicht. Daniela Toebelmann arbeitete als Bühnenbildnerin, Kellnerin und als Betreuerin einer Rollstuhlfahrerin. Immer war sie unterwegs.

Nach dem Laden nun auch eine Wohnung in Lauenburg

Jetzt scheint sie in Lauenburg angekommen. Nach dem kleinen Laden hat sie jetzt auch noch die passende Wohnung gefunden: Einmal durch den Flur, dann quer durch die alte Schmiedewerkstatt, hinein in einen ehemaligen Schuppen. Alles klein, alles im Werden.

„Für mich und meine Katze genau der richtige Platz“, sagt Daniela Toebelmann, die eigentlich sowieso in ihrem Beruf und in ihrer Werkstatt lebt. Und mit ihren Erinnerungen. An ihren Stiefvater, den sie „Herzensvater“ nennt, zum Beispiel. Der baute die schwebenden Schau-Kästen, die an Seilen von der Decke hängen. Auch die Großmutter ist bei ihr, auf einem alten Foto an der Wand.

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