Lauenburg

Werft will wachsen – was wird aus dem Maritimen Zentrum?

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Elke Richel
Die Hitzler-Werft in Lauenburg (Archivbild) will wachsen – und macht Stadtentwicklungsplänen damit einen Strich durch die Rechnung.

Die Hitzler-Werft in Lauenburg (Archivbild) will wachsen – und macht Stadtentwicklungsplänen damit einen Strich durch die Rechnung.

Foto: picture alliance

Die Hitzler-Werft möchte Flächen reaktivieren, die für die Stadtentwicklung vorgesehen waren. Das gefährdert Fördermittel-Zusagen.

Lauenburg. Es war die Nachricht im Juni vergangenen Jahres: Der Bund bewilligt 2,6 Millionen Euro für ein Maritimes Zentrum in Lauenburg. Eine weitere Million soll folgen. Geplant ist ein Quartier am Wasser für Wohnen, Wissenschaft, Kultur und Gewerbe.

Ankerpunkt ist das im alten Verwaltungsgebäude der Hitzler-Werft geplante „Maritime Innovation Centrum“ (MIC). Auf weiteren, von der Werft nicht mehr benötigten Flächen sollen auf privatwirtschaftlicher Basis Wohnungen entstehen. 2024 sollte das Maritime Zentrum eingeweiht werden – so der Plan.

Lauenburg: Hitzler-Werft will wachsen

Doch die Zeiten haben sich geändert: Die neuen Geschäftsführer Marek und Kai Klimenko haben große Visionen für die Lauenburger Traditionswerft. Das bedeutet auch, dass bisher brachliegende Flächen des Unternehmens reaktiviert werden könnten. Was auf der einen Seite eine gute Nachricht für den Standort Lauenburg ist, schickt auf der anderen Seite das Maritime Zentrum in die Warteschleife – zum zweiten Mal.

Im ersten Anlauf hatte sich Lauenburg bei der Jury für das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ nicht durchsetzen können. In ihrer Ideenskizze hatte die Stadt 19 Millionen Euro veranschlagt. Soviel war aber nicht mal für ganz Schleswig-Holstein vorgesehen. Umso größer die Freude darüber, dass es für den modifizierten Projektentwurf schließlich den Zuwendungsbescheid gab.

Eigentümer der Hitzler-Werft wollen ihre Pläne noch nicht verraten

Von einem erneuten Rückschlag für das Projekt mag Bauamtsleiter Reinhard Nieberg trotzdem nicht sprechen. Zwei Herzen schlügen da in seiner Brust. „Es ist gut, dass die Werft sich entwickelt, das Maritime Zentrum müssen wir aber neu planen“, sagt er. „Ich weiß, dass die Geschäftsführer der Werft vom Grundsatz her hinter den Plänen stehen. Wichtig ist es jetzt, die Fördermittelgeber davon zu überzeugen, dass wir doch mehr Zeit brauchen, als ursprünglich gedacht“, sagt er.

Über ihre genauen Pläne halten sich die neuen Eigentümer noch bedeckt. Allerdings ist die Bilanz der Werft seit der Übernahme durch das Vater-Sohn-Gespann im März dieses Jahres beachtlich. Bereits im April zogen sie einen Auftrag der Hamburg Port Authority an Land: Ein Planierschiff mit Plug-in-Hybrid-Motor, um den Hafen von Schlick zu befreien.

Im Juli begann der Bau des weltweit ersten federgelagerten Arbeitsschiffes, um schweren Seegang abzumildern. Außerdem entsteht auf der Werft derzeit eine Forschungsplattform für das Helmholtz-Zentrum in Geesthacht. Von Anfang an betonen die beiden Firmenchefs, dass die innovative Schifffahrt der Lauenburger Werft die Perspektive gebe.

Maritimes Zentrum: Elbschifffahrtsarchiv muss warten

Von der Zukunft in die Vergangenheit der Schifffahrt ist in Lauenburg nur ein kleiner Schritt. Das Elbschifffahrtsarchiv beherbergt eine europaweit beachtete Sammlung schifffahrtsrelevanter Zeitdokumente.

Im Maritimen Zentrum sollte dem Archiv endlich auch ein angemessener Rahmen gegeben werden. Doch daran ist vorläufig nun nicht zu denken.

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