Knicklandschaft

Warum auch Zweige mal geknickt sind

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Frauke Maaß
Die Wallhecken wurden angelegt, um im 18. Jahrhundert die Äcker und Wiesen der Bauern voneinander abzugrenzen. Heute leben in den Knicks rund 7000 verschiedene Tierarten.

Die Wallhecken wurden angelegt, um im 18. Jahrhundert die Äcker und Wiesen der Bauern voneinander abzugrenzen. Heute leben in den Knicks rund 7000 verschiedene Tierarten.

Foto: C. Kaiser / picture alliance / blickwinkel/C. Kaiser

Schleswig-Holstein ist von einem langen Knicknetz durchzogen. Besonders gut sichtbar ist dies bei Lankau im Herzogtum Lauenburg.

Lankau. Eine Wanderung durch eine Knicklandschaft? Das klingt für viele möglicherweise nichtssagend oder vielleicht sogar langweilig. Ist es aber nicht – zumindest nicht für die, die sich für die Natur in ihrer Region interessieren und diese bewahren wollen. Denn Knicks, wie die schmalen Strauchstreifen, die Äcker und Wiesen voneinander trennen, heißen, haben nicht nur eine wichtige Funktion für die Landschaft, sondern auch eine lange Geschichte.

Diese Landschaft erkunden und Geschichten hören, dafür bieten der Naturpark Lauenburgische Seen und der Fachdienst Naturschutz des Kreises Herzogtum Lauenburg am Sonnabend, 18. September, von 14 bis 17 Uhr eine Wanderung durch die Gemeinde Lankau an.

Knicklandschaft: Naturerlebnis mit Erklärungen und Geschichten

„Die historische Kulturlandschaft mit dem für Schleswig-Holstein prägenden Knicknetz ist nur noch an wenigen Orten im Kreis so gut sichtbar und erlebbar wie hier“, sagt Claudia Rösen vom Naturschutzpark. Gemeinsam mit Volker Rudolph vom Fachdienst Naturschutz wird sie über die Entstehung und Entwicklung der Knicklandschaft während der Tour referieren.

Rund 46.000 Kilometer dieser Wallhecken durchziehen heute vor allem die Mitte und die Ostküste von Schleswig-Holstein. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren es noch rund 80.000 Kilometer. Aber Straßenbau und der Einsatz großer landwirtschaftlicher Maschinen führten zum Abholzen vieler Knicks.

Ein Gesetz aus dem Jahr 1770 begründete das Knicksystem

Erst mit dem Landesnaturschutzgesetz sind die Wallhecken geschützt worden, die einen immensen ökologischen Nutzen haben. Sie schützen das Land vor Wind und Erosion und bieten zudem rund 7000 Tierarten einen einmaligen Lebensraum. Laut Nabu kommen auf einen Kilometer bis zu 1800 verschiedene Arten.

Angelegt wurden die Knicks nach dem sogenannten Verkoppelungsgesetz aus dem Jahr 1770. Bis dahin waren es meist Dorfgemeinschaften, die das Acker- und Weideland bewirtschafteten. Mit dem Gesetz wurde das Land in Parzellen aufgeteilt und einzelnen Bauern zur individuellen Nutzung zugewiesen. Diese musste nun ihre Äcker mit Wallhecken von den benachbarten Parzellen abgrenzen.

Beschnitt der Sträucher sorgte für schnelleres Wachstum der Knicks

Zur Bepflanzung der Wälle holten die Bauern Sträucher aus den Wäldern der Umgebung. Damit die Hecken schneller dicht wurden, wurden die Büsche alle paar Jahre seitlich angeschnitten und zu lange oder herausragende Zweige umgeknickt. Aus dieser Tätigkeit leitet sich die Bezeichnung Knick ab.

Die Veranstalter empfehlen dringend festes Schuhwerk und wetterangepasste Kleidung. Verpflegung muss bei Bedarf selbst mitgebracht werden. Bei schlechtem Wetter kann die Veranstaltung abgesagt werden.

Anmeldeschluss Freitag, 17. September, 12 Uhr

Aufgrund begrenzter Teilnehmerzahl gilt die Anmeldung für die Knickwanderung erst nach Erhalt einer Anmeldebestätigung als verbindlich. Anmeldungen bis Freitag, 17. September, 12 Uhr per E-Mail an roesen@kreis-rz.de oder telefonisch an 04541/86 15 37. Die Kosten betragen vier Euro. Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Parkplatz hinter dem Gemeindehaus in der Lankauer Dorfstraße.

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