Verein "Landvorteil"

Förder-Millionen vor allem für die öffentliche Verwaltung?

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Michaela Bierschwall: „Innovative Verwaltung ist nur eine von drei Säulen.“

Michaela Bierschwall: „Innovative Verwaltung ist nur eine von drei Säulen.“

Foto: WFL

Herzogtum Lauenburg: Nachbarkreise bewerben sich um gut sechs Millionen Euro Bundesmittel für die Entwicklung ländlicher Räume.

Ratzeburg.  Mit der Gründung des neuen Vereins „Landvorteil“ wollen Politiker aus den Nachbarkreisen Herzogtum-Lauenburg und Ludwigslust-Parchim gemeinsam dafür Sorge tragen, dass Millionen für die Förderung des ländlichen Raumes zielgenau vergeben werden. Wer auf die Vorlage für den heute tagenden Lauenburgischen Haupt- und Innenausschuss blickt, könnte jedoch den Eindruck gewinnen, das Geld solle vor allem in die Modernisierung öffentlicher Verwaltungen fließen. Dabei ist noch nicht entschieden, ob die Nachbarkreise zum Zuge kommen. Unter 40 Anträgen für Bundesmittel sollen etwa 20 ausgewählt werden. Die Entscheidung soll dieser Tage fallen.

Ländliche geprägte Kreise leiden unter starkem Bevölkerungsschwund

Auch wenn das Bevölkerungswachstum in Hamburgs Umland weiter höher ist als in der Metropole selbst, ländlich geprägte Kreise außerhalb der Metropolregionen leiden unter starkem Bevölkerungsschwund. Folgen: In der Fläche nimmt der Verlust lebenswichtiger Infrastruktur weiter zu. Schließen Läden, Schulen und Kitas, werden Buslinien ausgedünnt oder ganz eingestellt, verstärkt dies die Landflucht noch. Außer den Kreisen sind neben anderen deren Wirtschaftsförderungsgesellschaften, die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein und die Leuphana-Universität Lüneburg involviert.

Die Vorlage für die Politik nennt als Beispiel für mögliche Förderszenarien den Aufbau ländlicher Innovationssysteme, die regionale Wertschöpfungskreisläufe stärken, die „Ansiedlung und Verdichtung von Unternehmen für einen ausgewogenen Branchenmix und Wirtschaftswachstum“ sowie innovative Lösungen für die Daseinsvorsorge. „Die Lebensqualität in der Region soll gestärkt werden.“

Fördergeld solle nicht allein die Verwaltungsmodernisierung fließen

Präziser wird das Papier nur im Punkt innovative Verwaltung. Zunächst sollten interessierte Kommunen ausgewählt werden. Dann sollten Methoden und Ziele bestimmt werden, etwa die Digitalisierung oder das Tiny-Rathaus, „das zu den Bürger*innen kommt“. In der Umsetzung ist ein „gemeinsamer Evaluationsprozess zu Beobachtung und Auswertung“ gefordert.

Auf Nachfrage verweist die Kreisverwaltung an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft. WfL-Prokuristin Michaela Bierschwall widerspricht dem Eindruck, gut sechs Millionen Euro für die Stärkung ländlicher Räume sollten allein in die Verwaltungsmodernisierung umgeleitet werden. „Mit diesem Aufgabenfeld sind wir am weitesten. Wenn der Zuschlag kommt, wollen wir sofort Mittel beantragen, damit Geld noch vor der Bundestagswahl fließt.“

Innovative Verwaltung sei nur eine von drei Säulen: Ebenso gehe es um die Entwicklung von Innovationsräumen und um die Förderung von Unternehmensgründungen, um nachhaltige Entwicklungen zu forcieren. Bevor keine Entscheidung gefallen ist, halte man sich bedeckt, so Bierschwall. „Eine Idee ist, einen Infobus zu schaffen und über Land zu schicken, um die Menschen über die vielfältigen Möglichkeiten zu informieren.“

( he )

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