Hochwasserschutz

Länder solidarisch beim Schutz vor Hochwasser

| Lesedauer: 4 Minuten
Elke Richel
Schleswig-Holstein tritt dem Länderbund Hochwasserschutz bei. Gegenstand ist die Flutung der Havelpolder bei drohendem Elbehochwasser 

Schleswig-Holstein tritt dem Länderbund Hochwasserschutz bei. Gegenstand ist die Flutung der Havelpolder bei drohendem Elbehochwasser 

Foto: AG Havelpolder

Nach einem Kabinettsbeschluss will Schleswig-Holstein dem Bund beitreten. Zudem plant das Land einen besseren Schutz der Bevölkerung.

Lauenburg/Kiel. Wenn sich eine Hochwasserkatastrophe anbahnt, ist selten nur ein einziges Bundesland betroffen. So war es auch im Juni 2013, als das Elbehochwasser nach Angaben der Versicherungswirtschaft deutschlandweit Schäden in Höhe von rund 10 Milliarden Euro verursachte. In Folge dieser Katastrophe schlossen die Länder Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit dem Bund einen Staatsvertrag über den Ausbau der Zusammenarbeit für einen besseren Schutz vor Hochwasser.

Jetzt will auch Schleswig-Holstein diesem Bund beitreten. Das hat das Kabinett am Dienstag auf Vorschlag von Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) beschlossen. In dem Vertrag wird die Steuerung der Flutung der Rückhaltebecken (Polder) an der Havel im Fall eines Flusshochwassers geregelt. Die Flutung hat im Fall eines Hochwassers entscheidende Auswirkungen auf den Wasserstand der Elbe im Unterlauf – und damit auch auf Lauenburg.

Schleswig-Holstein will mit über Polderöffnung entscheiden

Und das ist im Ernstfall nicht unerheblich für den Pegelstand. Experten haben das mittlerweile genau berechnet. „Die Flutung des Havelpolders hat uns 2013 etwa 14 Zentimeter weniger verschafft“, weiß Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg.

Das Problem: Bisher hatte Schleswig-Holstein bei Elbehochwasser keinerlei Einfluss auf den Zeitpunkt der Öffnung des Havelpolders. Mit dem Beitrag zum Staatsvertrag würde sich das ändern. „Der Vertrag regelt, wer über die Öffnung der Überschwemmungsflächen entscheidet und wie die Folgekosten verteilt werden.

Kehrseite der Medaille: Land wird auch an den Folgekosten beteiligt

Für Schleswig-Holstein folgt aus dem vorgesehenen Beitritt zum neuen Staatsvertrag die Einräumung eines direkten Stimmrechtes für die Entscheidung über die Flutung“, so der Umweltminister. Die Kehrseite der Medaille: Das Land wird auch an den Folgekosten im festgelegten Rahmen beteiligt.

Die Havelpolder wurde von der DDR bereits in den 1950er-Jahren als Ausgleich für verlorene Überflutungsflächen der Elbe geschaffen. Für Schäden, die sich aus der bewusst herbeigeführten Überflutung ergeben, werden die Eigentümer finanziell entschädigt. „Bei den Anliegern der Elbe handelt es sich um eine Solidargemeinschaft. Es ist daher nur gerecht, wenn sich Schleswig-Holstein an den zu tragenden Gesamtkosten einer Flutung im angemessenen Umfang beteiligt“, meint Albrecht. Über den Beitritt zum Staatsvertrag muss nun der Landtag entscheiden.

Rückblick auf die Ereignisse an der Elbe im Juni 2013

Beim Hochwasser 2013 wurden die Havelpolder erst zum zweiten Mal seit ihrer Schaffung geflutet. In Auswertung des Hochwasserereignisses an der Elbe im Juni 2013 wurde seitens der Koordinierungsstelle die Frage aufgeworfen, ob die organisatorischen und technischen Abläufe in Bezug auf die erreichte Kappung und den Wasserrückhalt optimal waren. Dabei wurde festgestellt, dass es Verbesserungsbedarf in den Abläufen und beim Flutungsprozess gibt.

Diese Fragestellung sollte im Rahmen eines mit allen Beteiligten abgestimmten Projektes beantwortet werden. Das Projekt „Optimierung der Nutzung der Havelpolder“ verfolgt das Ziel, das Potenzial der vorhandenen Polder und des Rückhalts in der Unteren Havel, den sogenannten Havelschlauch, besser zu nutzen.

Mehr Geld für Kommunen zur Vorsorge bei Hochwasser

Im Projekt wird auch untersucht, ob eine differenziertere Steuerung der Wehre in Verbindung mit optimierten Polderöffnungen eine Steigerung des Rückhaltevermögens bewirken und damit eine noch stärkere Absenkung des Hochwasserscheitels der Elbe erreicht werden kann. Eine weitere zu untersuchende Fragestellung ist, wie der Flutungsprozess abgelaufen wäre ohne den Einfluss des Deichbruches bei Fischbek.

Ein weiterer Beschluss, den das Kabinett am Dienstag getroffen hat, könnte auch für Lauenburg bedeutsam sein. Für die stärkere Berücksichtigung klimabedingter Anpassungen beim Schutz vor Starkregen und Hochwasser plant das Land ein Paket zum Bevölkerungsschutz. Außerdem sollen Kommunen bei ihrer Aufgabe der Risikovorsorge unterstützt werden.

Bereits am 11. August informierte Albrecht den Umwelt- und Agrarausschuss über den Stand der Hochwasservorsorge in Schleswig-Holstein. Demnach sei neben der Fortschreibung des Generalplans Küstenschutz auch ein Generalplan Binnenhochwasserschutz in Vorbereitung.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg