Ruhestand

Lauenburgs Polizeichef Ulf Clasen sagt Tschüs

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Elke Richel
Lauenburgs Polizeichef Ulf Clasen geht in den Ruhestand. Er freut sich darauf, mit seiner Frau im Wohnwagen zu reisen. Auch neue sportliche Aktivitäten will er für sich entdecken.

Lauenburgs Polizeichef Ulf Clasen geht in den Ruhestand. Er freut sich darauf, mit seiner Frau im Wohnwagen zu reisen. Auch neue sportliche Aktivitäten will er für sich entdecken.

Foto: Elke Richel

Nach 44 Dienstjahren geht es für Lauenburgs Polizeichef Ulf Clasen in den Ruhestand.

Lauenburg.  Wenn Polizeichef Ulf Clasen an einem freien Tag durch Lauenburg spaziert, dann wird er an jeder Ecke angesprochen. Kein Problem für ihn – freier Tag hin oder her. „Mich hat es noch nie gestört in der Stadt zu wohnen, in der ich auch arbeite. Ich mag es, wenn die Leute auf mich zukommen“, sagt er. Vermutlich wird sich das auch nicht ändern, wenn sich der Hauptkommissar jetzt nach 44 Dienstjahren in die Ruhestand verabschiedet.

Sein winziges Büro in der Lauenburger Polizeistation hat der 60-Jährige schon fast ausgeräumt. Am 31. August ist sein letzter Arbeitstag. „Ein komisches Gefühl“, sagt er. An seinen ersten Arbeitstag in der Lauenburger Wache kann er sich noch genau erinnern. 31 Jahre alt war er damals, seine ersten Sporen hatte er sich nach der Ausbildung zuvor in Uetersen verdient. Den Abschluss für den gehobenen Dienst hatte es auch schon in der Tasche.

„Ein komisches Gefühl“ überkommt den Polizeichef bei dem Wort Ruhestand

Trotzdem waren die meisten seiner Kollegen viel älter. Er, der Neue, bekam gleich die Leitung des Ermittlungsdienstes übertragen. „Das kann man mit heute überhaupt nicht vergleichen. Wir hatten damals noch viel mehr Zeit für jeden Vorgang. Unsere Berichte hämmerten wir in die Schreibmaschine“, erinnert er sich. Mittlerweile habe er sich auch mit Kollege Computer angefreundet, soweit es eben sein muss.

Überhaupt habe der Verwaltungskram im Laufe der Jahre zugenommen. Natürlich vor allem, nachdem er 2016 die Leitung der Lauenburger Dienststelle übernahm. Bereut hat er diesen Schritt trotzdem nicht. „Ich habe mich ja nie hinter meinem Schreibtisch versteckt, sondern bin mit den Bürgern in Kontakt geblieben. Nur so kann ich mir Polizeiarbeit überhaupt vorstellen“, sagt er.

So mancher Lauselümmel von damals ist heute gestandener Familienvater

Hat man als Polizist Erfolgserlebnisse? „Klar. Wenn ich sehe, dass aus so manchen Lauselümmeln von damals, gestandene Familienväter geworden sind. Das ist eine Bestätigung dafür, dass man jungen Leuten eine Chance geben muss. Allerdings müssen sie auch lernen, dass ihr Handeln Konsequenzen hat“, sagt er.

Daran werde aus seiner Sicht auch die Polizeiarbeit gemessen. „Für den Bürger ist es oft nicht zu verstehen, dass ein gefasster Täter schon am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß ist. Etwa, weil keine Fluchtgefahr vorliegt oder die Beweise nicht ausreichen.

Ein dickes Fell braucht der Polizist

Wir hören dann oft: Warum habt ihr den wieder laufen lassen? Dabei entscheiden wir das ja gar nicht“, sagt er. Gerade jüngere Kollegen würden sich das dann oft zu Herzen nehmen. Sein Rat in diesem Fall: „Im Laufe der Jahre muss man sich ein dickes Fell wachsen lassen.“

Die Polizei, dein Freund und Helfer – Für Ulf Clasen ist das keine abgedroschene Phrase. Zu jungen Leuten hat er einen guten Draht. Das führt dazu, dass man zu ihm auch mit ungewöhnlichen Anliegen kommen konnte. Vor vier Jahren hatte die Lauenburger Tanzformation G-Breaker sich in einem neuen Metier versucht: Es ging um einen Videoclip gegen Drogenkonsum unter Jugendlichen.

Mehr Aufmerksamkeit für die Opfer von Straftaten

Als der Manager der Gruppe fragte, ob die Lauenburger Polizei mitspielen würde, ließ sich Ulf Clasen nicht lange bitten. Nach kurzer Rücksprache mit der vorgesetzten Stelle mimten der Polizeichef und ein Kollege authentisch zwei Ermittler, die einem Dealer auf die Schliche gekommen waren. „Das war Öffentlichkeitsarbeit einmal anders“, sagt Clasen lachend.

Bei aller Berufserfahrung: Es gab auch für Ulf Clasen immer wieder Momente, die ihm besonders an die Nieren gingen. „Schlimm ist es, wenn man als Polizist Angehörigen eine Todesnachricht überbringen muss“, sagt er. „Oder wenn man genau weiß, dass sich das Opfer einer Straftat wohl nie mehr ganz erholen wird.“

Lauenburger Dienststelle ist „schäbig und baufällig“

Überhaupt müsse diesen Menschen viel mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Viele Jahre lang engagierte er sich deshalb ehrenamtlich im Weißen Ring, einem Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern.

Was wünscht sich Ulf Clasen in Zukunft für seine Kollegen? Er muss nicht lange überlegen. „Dass sie in Zukunft in besseren Räumlichkeiten arbeiten können. Es gibt wohl keine Dienststelle im Land, die so schäbig und baufällig ist“, sagt er. Seit fünf Jahren will die Raiffeisenbank als Eigentümerin das Gebäude an der alten Wache abreißen und durch einen Neubau ersetzen.

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