Klima-Aktivisten

Robin Wood macht mit Floß in Lauenburg fest

| Lesedauer: 3 Minuten
Aktionsfloß von Robin Wood macht in Lauenburg fest. Ute Bertrand und Alexander Gerschner gehören seit Jahren zur Stammbesatzung. Sie wollen für eine für eine echte Energiewende werben.

Aktionsfloß von Robin Wood macht in Lauenburg fest. Ute Bertrand und Alexander Gerschner gehören seit Jahren zur Stammbesatzung. Sie wollen für eine für eine echte Energiewende werben.

Foto: Elke Richel

Für eine echte Energiewende wirbt Robin Wood mit einer Floßfahrt von Berlin nach Hamburg. Zwischenhalt: Lauenburg.

Lauenburg. Das hat am Mittwochabend so mancher Anwohner oder Spaziergänger nicht schlecht gestaunt: Am Schiffsanleger vor dem Rufer-Platz hatte ein hölzernes Floß festgemacht. Die in blaue Shirts gekleidete Crew rollte Stoffbanner aus und baute eine kleine Bühne auf.

„Mit Rückenwind für eine echte Energiewende“ – die Aufschrift auf dem Floß war schon von weitem zu lesen. Die Akteure der Umweltorganisation Robin Wood hatten Lauenburg „geentert“, und das bereits zum fünften Mal.

Robin Wood: Umweltorganisation plädiert für eine echte Energiewende

Am 26. Juli begann die diesjährige Aktionsfahrt in Berlin. Über Spree, Havel und Elbe steuerten die Umweltaktivisten das selbstgebaute Floß, das sie liebevoll Robina Wald nennen. Heute Abend endet die diesjährige Aktionstour planmäßig in Hamburg. In jedem Jahr steht die Floßfahrt von Robin Wood unter einem besonderen Motto.

„Diesmal geht es uns um eine echte Energiewende, die ihren Namen auch verdient“, sagte Sprecherin Ute Bertrand bei ihrer Ankunft in Lauenburg. Statt endlich den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie entschieden voranzubringen, würde die Bundesregierung Erdgas und Holzbiomasse als angeblich klimafreundliche Lösungen präsentieren. „Das ist eine krasse Täuschung der Bürger“, so die 55-Jährige überzeugt.

Super-GAU von Tschernobyl als Schlüsselerlebnis

Im nächsten Jahr wird die Organisation Robin Wood 40 Jahre alt. Etwa 50 Mitglieder von Greenpeace gründeten im November 1982 die Umwelt- und Naturschutzorganisation. Sie wollten nicht länger nur die in der internationalen Greenpeace-Zentrale geplanten Aktionen umsetzen, sondern eigene Aktionen starten.

Ute Bertrand ist seit 1986 dabei. „Mein Schlüsselerlebnis war der Super-GAU von Tschernobyl. Das war eigentlich soweit weg, aber die Auswirkungen waren bis zu uns zu spüren. Die Strahlung wurde in unseren Lebensmitteln gemessen. Da wurde mir klar: Alles was auf der Erde mit der Umwelt passiert, betrifft uns alle“, erzählt die Umweltaktivistin.

Von Ökospinnern zu kompetenten Gesprächspartnern

Ute Bertrand ist dabeigeblieben. Mittlerweile ist sie als Sprecherin eine der wenigen festangestellten Mitarbeiter der Organisation. Die meiste Arbeit wird von den ehrenamtlichen Mitgliedern erledigt, so auch die Planung der jährlichen Aktionsfahrt auf dem Holzfloß.

Wie Alexander Gerschner aus Lüneburg richten die meisten Crewmitglieder ihren Jahresurlaub nach dem Tourenplan der Robina Wald. Der 56-Jährige macht seit Jahren die jeweils dreiwöchige Tour mit. Geschlafen wird meist in Jugendherbergen. Überall, wo das Floß anlegt, versucht die Crew mit möglichst vielen Leuten ins Gespräch zu kommen. „Das hat sich im Laufe der Jahre schon verändert. Als ich 1999 zum ersten mal mit auf Tour war, waren wir für viele die Ökospinner, die nichts besseres zu tun haben. Mittlerweile sieht man uns als kompetente Gesprächspartner“, hat er festgestellt.

Konzert mit der Tüdelband und dem Trio Strom & Wasser

Nicht überall wo Robin Wood mit dem Floß anlegt, gibt es Aktionen an Land, mindestens jedoch einen Infostand. Nach Lauenburg hatten die Umweltschützer gleich zwei Bands gelotst, die auf dem Rufer-Platz ein kleines Konzert boten. Seit 12 Jahren ist die Hamburger Tüdelband unterwegs. Popmusik auf Plattdeutsch ist ihr Markenzeichen, aber auch traditionelle Lieder. Den Gassenhauer „An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband“ konnten die Passanten textsicher mitsingen.

Die Band Strom&Wasser aus Kiel schlug andere Töne an: Mal laute, mal nachdenkliche – aber in jedem Fall gesellschaftskritische. „Wald statt Asphalt“ heißt ihr erfolgreichster Titel des Jahres 2020.

( er )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg