Folgen des Lockdowns

Streetworker aus Schwarzenbek schlägt Alarm

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Markus Prochnow, Streetworker in Schwarzenbek, schlägt Alarm, fordert die Stadt zum Handeln auf. Treffpunkte, bezahlbare Wohnungen und Betreuung in schwierigen Lebenssituationen fehlen.

Markus Prochnow, Streetworker in Schwarzenbek, schlägt Alarm, fordert die Stadt zum Handeln auf. Treffpunkte, bezahlbare Wohnungen und Betreuung in schwierigen Lebenssituationen fehlen.

Foto: Stefan Huhndorf

Corona hat die schwierige Lage der Jugendlichen deutlich verschärft. Streetworker aus Schwarzenbek fordert Stadt zum Handeln auf.

Schwarzenbek.  Es fehlt jungen Leuten an Treffpunkten, bezahlbaren Wohnungen und an Betreuung in schwierigen Lebenssituationen. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation noch massiv verschärft. Diese Bilanz zog der Straßensozialarbeiter Markus Prochnow am Dienstagabend im Sozial- und Kulturausschuss.

Familiäre Streitigkeiten seien so weit eskaliert, dass einige ältere Jugendliche das Elternhaus verlassen hätten und auf der Straße leben würden. Außerdem habe der Anteil von psychisch kranken Jugendlichen zugenommen, und auch der Drogenkonsum sei angestiegen, so die Beobachtung des Streetworkers.

Streetworker beobachtet die ständig wachsenden Probleme in Schwarzenbek

Ein Brennpunkt ist und bleibt der Stadtteil Nordost, in dem 2300 Menschen aus 28 Nationen leben. „Wir haben gute Angebote im Jugendtreff an der Hans-Böckler-Straße. Das ist für die Jugendlichen aus Nordost zu weit entfernt. Es fehlen Angebote im Holzhaus an der Cesenaticostraße. Ich wünsche mir eine Wiederbelebung dieser Örtlichkeit“, betonte Prochnow.

Die Stadt hatte das Holzhaus als zweiten Jugendtreff wegen der Konsolidierung aufgegeben. Es fungierte zuletzt nur noch als Veranstaltungsort für die Familienbildungsstätte, ist wegen des Lockdowns durch die Corona-Pandemie aber seit Monaten ungenutzt.

Zusätzliche Hilfe für Jugendliche im sozialen Brennpunkt Nordost gefordert

„Das Holzhaus könnte die Situation in Nordost entspannen. Dafür wäre aber auch zusätzliches Personal erforderlich. Wichtig wäre auch bezahlbarer Wohnraum nach dem Vorbild der Hamburger Ausbildungsheime, in denen Studenten und Azubis günstige Wohnungen finden. Das müsste allerdings pädagogisch betreut werden. Sonst hätten wir da nur eine neue Drogenhochburg“, so der Straßensozialarbeiter.

Außerdem fehlen Treffpunkte mit Unterständen zum Wetterschutz in den einzelnen Stadtteilen. Eine Forderung, die die Stadtjugendpflege in den vergangenen Jahren wiederholt gestellt hatte, die aber wegen der Finanzprobleme immer wieder vertagt wurde.

Mit „Bordmitteln“ könnte Schwarzenbek bereits einiges für die Jugendlichen erreichen

Am wichtigsten ist dem Streetworker ein Unterstand im Sierrepark sowie im Stadtpark. Außerdem müsste der Basketballplatz am Holzhaus als Spielfläche und Treffpunkt ertüchtigt werden. Das kann die Stadt mehr oder weniger mit „Bordmitteln“ und über einen Nachtrag im Haushalt schultern.

Prochnow bräuchte aber auch einen Erzieher oder Sozialpädagogen als Mitstreiter, um Problemjugendliche zu betreuen. Außerdem müsste das Holzhaus wiederbelebt werden. Das ist nicht so einfach realisierbar.

( sh )

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