Im Ernstfall

Hochwasserschutz in Lauenburg kommt nicht voran

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Peter Willbrandt (links) und Jörg Sönksen von der Betroffenengemeinschaft Hochwasser machen Druck beim Landesumweltministerium.

Peter Willbrandt (links) und Jörg Sönksen von der Betroffenengemeinschaft Hochwasser machen Druck beim Landesumweltministerium.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Acht Jahre nach dem Hochwasser hat noch nicht einmal die Planung für den Schutz begonnen. Betroffene schreiben Protestbrief.

Lauenburg.  Die Bilder vom verheerenden Hochwasser im Westen Deutschlands weckten bei den Bewohnern der Lauenburger Altstadt böse Erinnerungen. Zwar kostete das Elbehochwasser 2013 zum Glück keine Menschenleben, doch die Schäden gingen in die Millionenhöhe. Schlimmer noch: Nach acht Jahren hat noch nicht mal die Planung des Hochwasserschutzes in Lauenburg begonnen, der die Altstadt im Ernstfall schützen würde.

Hochwasserschutz in Lauenburg kommt weiterhin nur schleppend voran

Der Betroffenengemeinschaft Hochwasser ist jetzt der Geduldsfaden gerissen. Zusammengefunden hatte sich die Gruppe unmittelbar, nachdem sich die Elbe wieder in ihr Flussbett zurückgezogen hatte. Ziel sollte es sein, den seinerzeit von den Politikern versprochenen Hochwasserschutz für die Altstadt in der Planung und Realisierung konstruktiv zu begleiten. Doch davon kann bisher keine Rede sein. „Mit der Fertigstellung des Hochwasserschutzes ist frühestens zum Ende dieses Jahrzehntes zu rechnen, also 16 Jahre nach der Katastrophe“, rechnet Sprecher Jörg Sönksen vor.

Betroffenengemeinschaft fordert Land zu zügigem Handeln auf

Die Betroffenengemeinschaft hat jetzt einen Protestbrief an Landesumweltminister Jan Phillip Albrecht (Grüne) geschrieben. „Mit großer Sorge und Anteilnahme haben wir die Nachrichten über die Flutkatastrophe in Teilen Nordrhein Westfalens und Rheinland Pfalz verfolgt. Die schrecklichen Ereignisse zeigen erneut, dass in der herrschenden Zeit des globalen Klimawandels jederzeit und überall Starkregenereignisse zu schlimmsten Überschwemmungen und Hochwasser führen können“, heißt es darin. Die Lauenburger Altstadt könne also jederzeit wieder von einem dramatischen Hochwasser getroffen werden.

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2013 hatten Politiker aus Bund und Land den Lauenburgern versprochen, schnellstmöglich einen wirksamen Hochwasserschutz zu errichten. Daran erinnert die Betroffenengemeinschaft in ihrem Brief an den Minister. „Leider sind die Planungen des Hochwasserschutzes für die Lauenburger Kernaltstadt auch nach acht Jahren immer noch in einem Frühstadium. So läuft nach so langer Zeit gerade mal die Ausschreibung für die Planung des Hochwasserschutzes für die Altstadt. Die Forderungen an Albrecht sind konkret: „Es ist erforderlich endlich den Hochwasserschutz für Lauenburg mit höchster Priorität voranzutreiben.“ Projektverantwortliche müssten dazu zwingend mit entsprechenden Kompetenzen über Personaleinsatz und Geldmittel ausgestattet werden.

Altstadt von Grimma vollständig vor Hochwasser geschützt

Dass es auch anders gehen kann, zeigt ein Beispiel aus Sachsen. Der Freistaat reagierte nach dem Flutjahr 2002 und stellte für alle Gewässer erster Ordnung Hochwasserschutz-Konzepte auf – so auch für die Mulde. Seit 2019 ist die Altstadt von Grimma geschützt, nach zwölf Jahren Bauzeit. Es wäre sogar schneller gegangen, aber die erneute Flut 2013 kippte den Zeitplan.

In die zwei Kilometer lange Schutzmauer von Grimma wurden die historischen Häuser integriert. Die Dichtwand reicht bis zwölf Meter in die Erde. In Grimma wurden 57 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert, finanziert vom Freistaat Sachsen, vom Bund und vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

( er )

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