Auszeichnung

Fährt Lauenburgs autonomer Bus Deutschen Ingenieurpreis ein?

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Elke Richel
Im autonom fahrenden Kleinbus ist ein Begleiter an Bord, der jederzeit per Joystick eingreifen kann

Im autonom fahrenden Kleinbus ist ein Begleiter an Bord, der jederzeit per Joystick eingreifen kann

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Das fahrerlose Shuttle aus Lauenburg ist für den Deutschen Ingenieurpreis nominiert. Die Entscheidung fällt im September.

Lauenburg. Jetzt sieht man das fahrerlose Shuttle wieder gemächlich seine Runden durch Lauenburg drehen. Zwar dürfen Fahrgäste coronabedingt immer noch nicht wieder mitfahren, aber das Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Hamburg (TUHH) ist deswegen keineswegs zum Erliegen gekommen. Im Gegenteil: Dieses Jahr gehört das Projekt TaBuLa (Testzentrum für autonome Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg) zu den nominierten Projekten für den Deutschen Ingenieurpreis in der Kategorie „Neue Mobilität“.

TaBuLa ist bereits seit Januar 2018 aktiv. Im vergangenen Jahr erfolgte unter dem Namen TaBuLa-Log eine Weiterentwicklung des Forschungsprojektes. Diesen sperrigen Namen verwendet aber niemand für den kleinen Transportroboter. Die interne Verwaltungspost soll künftig „Laura“ ausfahren. Das steht für „Lauenburgs Roboter Auslieferung“. In einem ersten Schritt transportiert „Laura“ die Post zwischen Schloss, Museum, Touristinformation und Bücherei hin und her. Dazu fährt der kleine Roboter zeitweise im autonomen Shuttle mit. Die beiden „verständigen“ sich über digitale Signale.

„Laura“ soll künftig Medikamente und Einkäufe nach Hause bringen

Das hört sich nach einer Spielerei an, hat aber einen wissenschaftlichen Hintergrund: Wenn sich die autonom fahrenden Busse im ländlichen Raum durchgesetzt haben, werden sie nicht immer ausgelastet sein. Dann kann ein Transportroboter an Bord gehen, um Medikamente oder Einkäufe ins Haus zu bringen.

Aktuell steckt das Thema Transportroboter noch in den Kinderschuhen. Manchmal übernehmen die Projektbetreuer die Rolle von „Laura“. Sie lassen sich vom Shuttle von Einrichtung zu Einrichtung fahren und stellen fest, wie viel Post anfällt und die Touren am besten zu legen sind.

Die Forscher wollen noch einen zweiten Transportroboter entwickeln – mit größeren Abmaßen. Die Entwicklung ist aber nur die eine Seite. Da sich „Laura“ und später auch das andere Modell zeitweise im öffentlichen Straßenraum bewegen, muss jeweils der TÜV grünes Licht geben, was manchmal den Zeitplan ordentlich durcheinanderwirbelt.

Der Bund stellt für die Weiterführung des Projektes 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Ursprünglich sollte bereits im Juni dieses Jahres in Lauenburg Schluss sein für TaBuLa und das Nachfolgeprojekt. Doch inzwischen ist entschieden, das Experiment bis mindestens Ende dieses Jahres weiterzuführen.

Das Forscherteam der TUHH setzt große Hoffnungen auf die Vergabe des Deutschen Ingenieurpreises am 17. September. „Das wäre ein tolles Dankeschön für alle Beteiligten, die sich für dieses Reallabor engagieren“, sagt Projektkoordinator Matthias Grote. Der Preis steht auch dieses Jahr unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU).

Ausgewähltes Ankerprojekt beim Weltkongress in Hamburg

Im Oktober dieses Jahres wird das Zusammenspiel zwischen dem Shuttle „TaBuLa“ und dem Transportroboter „Laura“ sogar internationale Beachtung finden. Hamburg richtet den Weltkongress zu „Intelligent Transport Systems“ (ITS) aus, und die Lauenburger Forschungsarbeit ist eines der ausgewählten Ankerprojekte. Auf dem Fachkongress diskutieren Experten den Entwicklungsstand intelligenter Transportsysteme.

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