Wanderweg

Granitstufen verlegt: Lauenburgs Torflager wieder zugänglich

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Frauke Maaß
Hobby-Ornithologe und Pflanzenkenner Hans-Dieter Zerbe vor dem Torflager Kuhgrund 2 am Oberstleutnantweg. Wo heute die Granitstufen liegen, befand sich bis zum Sommer 2018 eine alte, morsche Brücke.

Hobby-Ornithologe und Pflanzenkenner Hans-Dieter Zerbe vor dem Torflager Kuhgrund 2 am Oberstleutnantweg. Wo heute die Granitstufen liegen, befand sich bis zum Sommer 2018 eine alte, morsche Brücke.

Foto: Frauke Maaß / BGZ

Sturmschäden aus dem Jahr 2018 sind endlich beseitigt. Wo früher eine Brücke auf historische Pfade führte, ist jetzt ein Treppe.

Lauenburg. August 2018: Ein Gewittertief zieht über Lauenburg hinweg. Platzregen, Orkanböen und Blitze führen in kurzer Zeit zu einem Ausnahmezustand in der Schifferstadt und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. An 50 Einsatzorten werden Schäden gemeldet. Auch der Elbhang bleibt nicht von dem Unwetter verschont. Ein Opfer: Die bereits morsche Brückeam Torflager Kuhgrund wird von einem Wurzelballen angehoben, der Weg dorthin ist nicht mehr zugänglich – und damit ist das interglaziale Torflager, eine geologische Rarität, nicht mehr zu erreichen.

Gut zwei Jahre hat es gedauert, bis eine Lösung gefunden worden ist. Statt einer Brücke hat die Stadt Lauenburg nun Granitstufen verlegt, die den Weg wieder durchgängig begehbar machen.

Sturmschäden endlich beseitigt: Torflager am Kuhgrund wieder passierbar

Dass der Wiederaufbau so lange gedauert hat, lag an ungeklärten Zuständigkeiten. Denn weil es ein Naturschutzgebiet ist, habe die Stadt die Pflegeverpflichtung vor längerer Zeit an die Kreisforsten abgegeben. „Aber am Ende konnte alles geklärt werden“, sagt Hans-Dieter Zerbe.

Der Lauenburger Hobby-Ornithologe, Pflanzenkenner und begeisterte Wanderer ist regelmäßig und zu jeder Jahreszeit im Naturschutzgebiet Hohes Elbufer unterwegs. Er kennt den naturbelassenen Uferweg, die dortigen Pflanzen und Vogelstimmen wie seine Westentasche und will seine Faszination mit mir teilen. Das Torflager sei ein Fund, den sich die Stadt nicht aus der Hand nehmen lassen sollte.

Naturbelassener Uferweg schlängelt sich rund acht Kilometer weit

Vom Sportplatz der Jugendherberge aus beginnt nach ein paar Metern bergab der naturbelassene Uferweg. Der schmale Pfad schlängelt sich rund acht Kilometer bis Grünhof-Tesperhude am Elbufer durch die üppige Vegetation. Hier wird nichts gepflegt, zurückgeschnitten oder gefällt. Die Natur sucht sich ihren Weg, umgestürzte Bäume sind mit Efeu überwuchert und von Schlingpflanzen umhüllt. Besonders am frühen Morgen, wenn der Wanderer noch allein unterwegs ist, entfaltet die Wildnis ihren Zauber.

Ob ich denn das Rotkehlchen gehört hätte? Oder die Mönchsgrasmücke? Kleiber? Das will Hans-Dieter Zerbe wissen. Ich verneine. Meine ornithologischen Kenntnisse gehen gegen Null. Immer wieder bleibt der 82-Jährige stehen, lauscht, erklärt. Vogelliebhaber kommen auf dem naturbelassenen Uferweg auf ihre Kosten. Durch die Ruhe, die abseits vom Straßenlärm herrscht, sind die Vogelstimmen klar und konzentriert zu hören.

Verschiedene, auch essbare Kräuter wachsen am Wegesrand entlang

Verschiedene Kräuter wachsen am Wegesrand, Brennnesseln, Scharbockskraut, Giersch. Ist das nicht Unkraut? Vielleicht in sorgsam gepflegten Gärten, sagt Zerbe. Er sammelt die frischen hellgrünen Blätter der Giersch und genießt sie wie Petersilie auf Kartoffeln. „Probieren Sie mal!“ Klar, warum nicht? Ich stecke mir mutig eine Handvoll in den Mund, kaue vorsichtig. Ja, schmeckt erstaunlich gut!

Jeder Meter des Elbuferweges liegt Hans-Dieter Zerbe am Herzen. Aber besonders das Torflager Kuhgrund hat es ihm angetan. Auf Höhe des Elbkamps teilt sich der untere Elbuferweg. Wir gehen bergauf und betreten den Oberstleutnantweg, einen idyllischen Pfad, der unterhalb der malerisch am Hang gelegenen Häuser und oberhalb des Elbuferweges verläuft.

Das Torflager speichert Regenwasser und gibt es tropfenweise ab

Benannt wurde der Weg nach Georg Brinkmann, der 1924 in Lauenburg gestorben ist und ein Ehrengrab auf dem Friedhof hat. Er stammte aus einer alten Offiziersfamilie und ging 1891 als Oberstleutnant in den Ruhestand. Jeden Morgen soll er durch den Glüsinger Wald geritten sein und gab so dem Weg seinen Namen.

Nur wenige Meter nach dem kleinen Torflager Kuhgrund 1 öffnet sich ein dunkles Halbrund im Hang. Von den frisch verlegten Granitstufen gibt es einen direkten Blick auf das Torflager, das wie eine klaffende Wunde Richtung Elbe liegt und unablässig tropfenweise Wasser abgibt. „Der Torf speichert Regenwasser wie ein Schwamm und gibt es immer wieder ab“, erläutert der Hobby-Wissenschaftler.

Torflager ist rund 100.000 Jahre alt und zwischen zwei Eiszeiten entstanden

„Das Torflager ist rund 100.000 Jahre alt und zwischen den beiden letzten Eiszeiten entstanden, darum der Fachausdruck interglazial“, sagt er weiter. Aus absterbendem Material von Bäumen und Büschen habe sich in den Jahren 126.000 bis 115.000 vor unserer Zeitrechnung eine zwei bis drei Meter dicke Schicht gebildet, die später von riesigen Gletschermassen zusammengepresst wurde. 2,0 bis 2,5 Meter dick liegt das Torf nun im Elbhang.

„Es ist eine geologische Attraktion, die es so im norddeutschen Raum nicht noch einmal gibt“, sagt Zerbe, der im Sturm-Sommer 2018 eine erste Exkursion zum Torflager geplant hatte – die dann nicht zustande gekommen ist. Aber er hofft, dass Naturwanderungen in Kleingruppen bald wieder möglich sein werden. Wer Interesse an einer Führung hat, kann sich bei ihm unter 04153/21 37 melden.

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