Lauenburg

Gibt die Stadt Lauenburg das alte Industriegleis auf?

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Elke Richel
Die Gleisanlage für das Lauenburger Industriegebiet war vor 20 Jahren zum letzten Mal in Betrieb..  

Die Gleisanlage für das Lauenburger Industriegebiet war vor 20 Jahren zum letzten Mal in Betrieb..  

Foto: Elke Richel

Um die Planung der Umgehungsstraße nicht zu blockieren, kommt jetzt auch eine Aufgabe der Planungshoheit der Anlage infrage.

Lauenburg. Dornengestrüpp wuchert, die Gleise sind rostig: Dass hier schon lange kein Zug mehr gefahren ist, sieht auch ein Laie. Tatsächlich ist das Stammgleis für das Lauenburger Industriegebiet 2001 zuletzt benutzt worden. 1968 war es vom damaligen Wirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein genehmigt worden. 4300 Meter Gleis mit neun Weichen und drei Bahnübergängen – was soll aus ihnen werden? Darum ging es jetzt erneut im Bauausschuss.

„Die Stadt Lauenburg ist als Betreiberin für den sicheren Betrieb zuständig. Doch dieser Verpflichtung kommen wir zurzeit nicht nach“, erklärte Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Die Eisenbahnaufsicht habe bereits diverse Mängel gerügt, es bestehe dringender Handlungsbedarf. Trotzdem kostet die alte Anlage die Stadt noch eine beträchtliche Summe jährlich.

Gebühren für den Anschluss an die Bahnstrecke Lüneburg-Büchen

Da sind zum einen die Gebühren für den Anschluss an die Bahnstrecke Lüneburg-Büchen, die mit etwa 3500 Euro zu Buche schlagen. Zum anderen fallen laufende Unterhaltungskosten an. Die Aufwendungen dafür sind in den vergangenen Jahren zwar nach und nach reduziert worden, liegen aber immer noch bei etwa 9000 Euro im Jahr.

Drei Alternativen hatte der Ausschuss Ende 2019 bereits erörtert. Erstens: ein planrechtliches Verfahren für den Rückbau. Es würde die Stadt jedoch einen siebenstelligen Betrag kosten. Zweitens die Entwidmung, also eine Rückgabe des Planungsrechtes.

Auch wenn die Anlage verrotten würde, ein Betrieb sei theoretisch denkbar

„Damit würden wir uns für sehr lange Zeit die Möglichkeit nehmen, das Gleis wieder zu reaktiveren“, gab Nieberg damals zu bedenken. Die Verwaltung plädierte darum für die dritte Möglichkeit: die Stilllegung.

„Auch wenn die Anlage weiter verrotten würde, wäre ein Betrieb zumindest theoretisch weiter denkbar. Die Wiederherstellung der Anlage würde aber Investitionen in Millionenhöhe erforderlich machen. Dem müssten sich dann spätere Generationen widmen“, hieß es in der Vorlage.

Land erwartet Bereitschaft zur Entwidmung der Gleisanlage

Diese Beschlussvorlage lag jetzt fast unverändert wieder auf dem Tisch. Allerdings schlug die Verwaltung nun vor, auch eine Entwidmung – und damit die Aufgabe der Planungshoheit – nicht mehr auszuschließen.

Mit dieser Lösung hatten sich die Politiker vor zwei Jahren schwer getan. Zurzeit lohne sich der Einsatz des Gleises zwar nicht, aber das könne sich ja ändern, so der allgemeine Tenor damals. Vor allem aus klimapolitischen Gründen wollte man die Gleisanlage unbedingt behalten. Und das, obwohl eine Befragung durch die Stadt ergeben hatte, dass keines der größeren Unternehmen im Industriegebiet mittel- oder langfristigen Bedarf für die alte Gleisanlage sieht.

Trassenvarianten, die über die bahntechnischen Anlagen führen

Die 2019 verworfene Variante der Entwidmung wird nun wieder aktuell. Denn das ungenutzte Industriegleis könnte eine Rolle bei der Ortsumgehung Ost (B 209) spielen. „Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr erarbeitet derzeit die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren für eine Ortsumgehung im Zuge der B 209 Ortslage Lauenburg.

Dabei gibt es auch Überlegungen Trassenvarianten über die heutigen bahntechnischen Anlagen des Industriestammgleises zu führen. Dies ist allerdings nur dann denkbar, wenn das Planungsrecht für diese Anlage aufgegeben würde“, hieß es in der neuen Vorlage. Diesem Argument wollte sich die Politik nicht verschließen. Einstimmig beschloss der Ausschuss, die Gleisanlage planungsrechtlich aufzugeben, für den Fall, dass die Umgehungsstraße genau diesen Trassenverlauf nehmen würde. Eine Anbindung des Lauenburger Industriegebietes an das Schienennetz der Bahn wäre damit auch zukünftig vom Tisch.

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