Familienbildungsstätte

Nachfrage sinkt: Keine Lust mehr auf Online-Kurse

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Frisch renovierte Räume, aber keine Besucher: Kerstin Möller ist seit vier Monaten Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Lauenburg.

Frisch renovierte Räume, aber keine Besucher: Kerstin Möller ist seit vier Monaten Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Lauenburg.

Foto: Frauke Maaß / BGZ

Familienbildungsstätte in Lauenburg nimmt „digitale Müdigkeit“ wahr und muss hohe Verluste schultern. Kursprogramm stockt.

Lauenburg. Seit vier Monaten ist Kerstin Möller im Amt als Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Lauenburg. Am 2. November startete sie mit viel Elan in ihre neue Tätigkeit, wurde aber sofort vom „sanften Lockdown“ ausgebremst. Vom ersten Tag an war ein normales Arbeiten nicht möglich.

Dass nur wenige Wochen später der harte Lockdown kommen sollte, der mit weiteren Verordnungen einherging, war nicht abzusehen.

Kursteilnehmer leiden durch Homeoffice an „digitaler Müdigkeit“

Hat die Einarbeitung unter diesen erschwerten Bedingungen überhaupt funktionieren können? „Ja“, sagt Kerstin Möller. „Ich bin ganz toll aufgenommen worden und habe von allen viel Unterstützung erfahren“, sagt sie, aber natürlich hätte sie sich die ersten Monate ein wenig unkomplizierter gewünscht, weniger holprig.

Es wäre angenehmer gewesen, nicht gleich die Herausforderung der Pandemie stemmen zu müssen. Statt die Arbeit und normalerweise mehr als 100 Angebote der Einrichtung pro Jahr zu managen, musste sie anfangs vorwiegend Termine kurzfristig absagen oder verschieben.

Der gemeinsame Austausch im persönlichen Kontakt fehlt

Sie bedauert auch, dass das Team aktuell nicht zusammenkommen kann. „Es ist ein großer Unterschied, ob wir als Team vor Ort sind, gemeinsam Iden entwickeln und uns austauschen, oder jeder allein im Homeoffice oder allein hier im Büro sitzt“, gesteht Kerstin Möller.

Ihr fehlte der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern, zu den Kursusleitern, aber auch zu den Teilnehmern.

Von 137 geplanten Angeboten konnten 73 stattfinden

Und in der Tat: Von Trubel und Lebendigkeit ist in den Räumlichkeiten an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße derzeit nichts zu spüren. Wo sich sonst Menschen aller Generationen die Klinke in die Hand geben, herrscht Ruhe. Nur ab und an wird der frisch gestrichene Gruppenraum für eine Zoom-Veranstaltung genutzt.

Der Blick auf das vergangene Jahr sei frustrierend, sagt Kerstin Möller, von 137 geplanten Angeboten konnten gerade 73 stattfinden. Das sei nicht nur bedauerlich für die Kursusleiter, denen das Honorar fehle, und für die Teilnehmer, die auf ihre Kurse verzichten müssten, sondern bedeute auch ein großes finanzielles Defizit für die Evangelische Familienbildungsstätte.

Verluste durch Rettungsschirm des Landes abgemildert

Zwar konnten die Verluste des zweiten Quartals durch Mittel aus einem Rettungsschirm des Landes Schleswig-Holstein abgemildert werden, aber die Mindereinnahmen seien nicht wieder aufzuholen, berichtet die Leiterin.

Die Familienbildungsstätte wird zu 60 Prozent aus Teilnehmergebühren finanziert, der Rest stammt aus projektbezogenen Fördermitteln sowie Zuschüssen der evangelischen Kirchengemeinde Lauenburg als Träger.

Angebote finden sich stets aktuell auf der Homepage

Seit November ist das Programm für das erste Halbjahr 2021 auf dem Markt, und eigentlich schon wieder veraltet, beklagt die 48-Jährige. Bislang konnte bis auf die wenigen Online-Angebote kaum ein Kursus stattfinden.

Darüber hinaus war es auch wegen des Lockdowns schwierig, die gedruckten Programme wie üblich in der Stadt zu verteilen. „Wer sich über unsere Angebote informieren möchte, sollte immer auf die Homepage gucken. Da sind alle Informationen aktuell“, schlägt Kerstin Möller vor.

Die Aufbruch- und Abenteuerstimmung ist verflogen

Anfang Februar hat der erste online-konzipierte Delfi-Kursus mit vier Teilnehmern begonnen. „Der läuft gut“, sagt Kerstin Möller. Aber generell stellt sie bei den Teilnehmern eine gewisse digitale Müdigkeit fest. „Wer tagsüber durch den Job schon drei Zoom-Konferenzen mitgemacht hat, der hat abends häufig einfach keine Lust mehr, sich wieder vor den Computer zu setzen“, gibt sie zu.

Und das könne sie verstehen. „Wir alle, Mitarbeiter und auch unsere Teilnehmer, vermissen die Kurse in Präsenz“, sagt sie. Die Aufbruch- und Abenteuerstimmung, die noch im ersten Lockdown geherrscht habe, sei vorbei.

Familienbildungsstätte bewirbt sich um Zertifizierung

Dennoch: Kerstin Möller wirkt nicht resigniert. Im Gegenteil. Der Elan, mit dem sie in den Job gestartet ist, ist noch immer vorhanden. Die Buchhorsterin wartet nur auf den Moment, in dem sie wieder ein wenig Normalität in die Räumlichkeiten einzieht, Babygeschrei und Kinderlachen zu hören ist. Ihre Ideen von mehr generationsübergreifenden Angeboten liegen in der Schublade parat.

Bis es soweit ist, beschäftigt sie sich gemeinsam mit ihren beiden Mitarbeiterinnen Bettina Wörschke und Reinhild von Fintel-Tödter mit der Zertifizierung, für die sich die Familienbildungsstätte bei der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie (EAF) angemeldet hat: Arbeitsabläufe müssen protokolliert und dokumentiert, Strukturen überdacht, Maßnahmen zur Verbesserung erarbeitet, ein Qualitätshandbuch erstellt werden.

Auf diese Weise lernt Kerstin Möller vieles von ihrer neuen Tätigkeit zwar nur theoretisch kennen, aber dafür umso intensiver.

( fram )

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