Bahnverkehr

Grüne fordern mehr Züge zwischen Büchen und Lüneburg

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André Herbst
Akku betriebene, emissionsfreie Regionalzüge des Typs Flirt sollen in Schleswig-Holstein nach und nach alte Dieselzüge ablösen.

Akku betriebene, emissionsfreie Regionalzüge des Typs Flirt sollen in Schleswig-Holstein nach und nach alte Dieselzüge ablösen.

Foto: Stadler Pankow GmbH Berlin

Mit Einführung der neuen Akku-Züge 2022 sollen die alten Diesel helfen, die Taktfrequenz auf alle 30 Minuten zu verdoppeln.

Büchen/Lüneburg. Den Bahnverkehr einen deutlichen Schritt voranzubringen, das fordern die Grünen im Kreis Herzogtum Lauenburg und im niedersächsischen Landkreis Lüneburg. Schon deutlich bevor im Jahr 2030 der sogenannte Deutschlandtakt der Bahn Realität werden soll, machen sich die Kreistagsfraktionen gemeinsam dafür stark, die Taktfrequenz auf der Strecke Lüneburg–Büchen zu verdoppeln.

Die Idee: Da die Verkehrsgesellschaft Nah.SH die Bahnleistungen für den ­Osten Schleswig-Holsteins neu ausgeschrieben hat und angesichts des bevorstehenden Einsatzes von emissionsfreien Akku-Zügen auf der Trasse soll bereits von 2022 an die Zugfrequenz auf dieser Nord-Süd-Verbindung deutlich erhöht werden.

Grüne fordern 30-Minuten-Takt zwischen Büchen und Lüneburg

„Für uns ist wichtig, das Fahrgäste aus dem Landkreis Lüneburg gute Anschlussverbindungen in Richtung Berlin und Ostseeküste nutzen können“, sagt Petra Kruse-Runge, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Lüneburger Kreistag. Büchen und Lüneburg als Umsteigebahnhöfe bieten gleich mehrere Vorteile. Das Nadelöhr Hamburger Hauptbahnhof ließe sich auf diese Weise vermeiden, zudem ist die Strecke, je nach Fahrziel, erheblich kürzer.

Ein Problem bisher: Misslingt der Umstieg wegen nur weniger Minuten Verspätung eines Fernzuges, müssen Bahnkunden in Büchen etwa eine Stunde auf den nächsten Anschluss warten. Mit verdoppelter Taktfrequenz ließe sich „die Wartezeit auf wenig Minuten verkürzen“, so Kruse-Runge.

Derzeit halten in Büchen täglich 19 IC, ICE und EC

Für ihr Pendant im Lauenburgischen, Grünen-Fraktionschef Oliver Brandt, liegen die Vorteile von zusätzlichen Zugverbindungen auf der Hand. „Büchen ist der einzige Fernverkehrshalt in unserem Kreis. Mit einer besseren Anbindung des Regionalverkehrs wird diese Funktion gestärkt.“ Auf der Strecke Hamburg–Berlin verkehren nach dem neuen Fahrplan täglich 60 statt 46 Züge. Derzeit halten in Büchen täglich 19 IC, ICE und EC. Im Sommer dieses Jahres sollen zwei weitere Fernzüge hinzukommen.

Die Vielzahl der Züge auf der Ost-West-Achse ist anderseits ein Problem. Über die derzeit die Strecke kreuzenden Regionalzüge in Nord-Süd-Richtung hinaus ist kein Raum für weitere, bestätigt Nah.SH-Sprecher Dennis Fiedel. Wer in Büchen keinen kostspieligen Brücken- oder Tunnelbau beabsichtigt, muss eine andere Lösung finden, soll die Taktfrequenz nicht nur zwischen Lüneburg und Büchen erhöht werden, sondern bis nach Lübeck.

„Die Strecke war in den letzten Sommermonaten 2020 stark ausgelastet“

Als ersten Schritt plädieren die Grünen aus den beiden durch die Elbe getrennten Nachbarkreisen für eine verdoppelte Frequenz zwischen der niedersächsischen Universitätsstadt und dem Bahnkreuz Büchen. Damit werde zugleich die Anbindung Lauenburgs verbessert wie auch die Erreichbarkeit Lüneburgs für Studierende aus dem Kreisgebiet.

Brandt hat zudem auch Ausflügler und Urlauber im Blick: „Die Strecke war in den letzten Sommermonaten 2020 – trotz Corona – stark ausgelastet, insbesondere an den Wochenenden.“ Und im Rahmen des Deutschlandtakts sei für diese Strecke bis zum Jahr 2030 ­ohnehin eine Halbstundenverbindung geplant. Als ersten Schritt machen sich die Grünen auch in Nord-Süd-Richtung für zusätzliche Züge im Berufsverkehr stark. Brandt: „Zwischen Büchen und Hamburg gilt zwischen 6 und 9 Uhr morgens sowie von 16 bis 18 Uhr bereits ein Halbstundentakt.“ Später könne dann auch die Verbindung nach Lübeck verbessert werden. Die Kosten dafür hat Nah.SH schon einmal überschlagen. Etwa zehn Millionen Euro im Jahr würde demnach die Taktverdichtung zwischen Lüneburg und Lübeck kosten.

Büchen als Kopfbahnhof? Bahnsteig müsste verlängert werden

Zwei Faktoren sollen helfen, die Kosten im Griff zu behalten. Mit dem Zulauf der modernen, umweltschonenden neuen Akku-Züge werden die alten Diesel ersetzt. Es sei denn, sie blieben für die Erhöhung der Taktfrequenz zunächst weiter im Einsatz, wie die Grünen ganz pragmatisch rechnen.

Damit in Zukunft einmal Bahnkunden im 30-Minuten-Takt zwischen Lüneburg und Lübeck verkehren können, sollen die Fahrgäste in Büchen umsteigen. Zumindest diejenigen, die die zusätzlichen Verbindungen nutzen, die die Fernbahngleise nicht queren können. Diese Regionalzüge sollen aus dem Norden wie dem Süden kommend jeweils in Büchen enden. Damit dies funktionieren kann, soll ein Bahnsteig verlängert werden. Brandt: „Dann kann dort ein Regionalzug stoppen, während ihn die Fernzüge zwischen Hamburg und Berlin passieren können.“

Die Idee wird auch von Nah.SH akzeptiert. „So lange in Büchen keine Möglichkeit besteht, die Hauptstrecke Hamburg–Berlin kreuzungsfrei zu queren, könnten zusätzliche Züge nur getrennt auf den Abschnitten Büchen–Lübeck und Büchen–Lüneburg verkehren“, sagt Sprecher Dennis Fiedel. Da in Büchen ohnehin relativ viele Leute umsteigen, sei das vertretbar. „Diese Züge würden dann jeweils in Büchen enden – Büchen wäre dann ein Kopfbahnhof.“

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