Klimaschutz

Frist für den Austausch alter Kaminöfen läuft bald ab

Friedrich Haese, Inhaber der Ofenschmiede Schwarzenbek, verzeichnet eine Umsatzsteigerung von 50 Prozent.

Friedrich Haese, Inhaber der Ofenschmiede Schwarzenbek, verzeichnet eine Umsatzsteigerung von 50 Prozent.

Foto: Frauke Maaß (FMG) / BGZ

Ältere Feuerstellen müssen bis Ende dieses Jahres ausgetauscht werden. Nachfrage nach Holzfeuerstätten in der Region stark gestiegen.

Schwarzenbek/Lauenburg. Die Kaminofenbranche gehört zu den wenigen, die von der Corona-Pandemie profitiert. „Sonst ist meist der Herbst die Jahreszeit, in der sich die meisten Kunden für einen Ofen interessieren“, sagt Friedrich Haese, Inhaber der Ofenschmiede Schwarzenbek. Aber in diesem Jahr hat die Hochsaison bereits im Mai begonnen. „Das ist auch der Pandemie geschuldet“, vermutet er. Die Menschen konnten nicht verreisen, vieles hatte geschlossen und es wurde vermehrt renoviert und umgebaut. „In dem Zusammenhang haben sich viele für den Einbau eines Kaminofens entschlossen“, weiß er. Schon jetzt verzeichnet Haese eine Umsatzsteigerung um 50 Prozent.

Aber nicht allein die Pandemie ist Grund für die steigende Nachfrage. Viele Kunden müssen bis 31. Dezember ihre Holzfeuerstätte austauschen oder nachrüsten lassen. Schornsteinfeger Sönke Hinrichsen ist gemeinsam mit seinem Kollegen Thies Brandt für die Region in und um Lauenburg zuständig, gleichzeitig führen beide das Geschäft Feuer & Handwerk in der Elbstadt. „Wir haben vielen Ofenbesitzern mitteilen müssen, dass sie ihren Kaminofen austauschen oder zumindest nachrüsten müssen“, sagt Hinrichsen.

Heizen mit Holz ist weitaus weniger klimafreundlich als bekannt

Hintergrund: Im Rahmen der Energiewende schreibt der Gesetzgeber vor, alte Holzfeuerstätten, die nicht mehr den aktuellen Grenzwerten und Wirkungsgraden entsprechen, auszutauschen, nachzurüsten oder stillzulegen. Heizen
mit Holz gilt gemeinhin als ökologisch. Das stimme aber nur bedingt, wendet Sönke Hinrichsen ein.
„Vor allem alte Anlagen sind regelrechte Feinstaubschleudern“, berichtet er. Nach Informationen des Umweltbundesamts stoßen die soge­nannten Kleinfeuerungsanlagen in Deutschland jährlich bis zu 18.000 Tonnen Feinstaub in die Atmosphäre.

„Wer sich bis jetzt noch nicht um einen Austausch seines alten Ofens gekümmert hat, steht unter Zeitdruck“, sagt Friedrich Haese. Kamine, die zwischen 1985 und 1994 hergestellt worden sind, müssen bis Ende dieses Jahres ausgetauscht oder durch Einbau eines Feinstaubfilters nachgerüstet werden. Für Öfen, die zwischen 1995 bis 2010 eingebaut worden sind, gibt es eine Frist bis Ende 2024. Wobei sowohl Friedrich Haese als auch Sönke Hinrichsen von einer Nachrüstung abraten.

Die Kosten für eine Nachrüstung sind häufig teurer als ein neuer Ofen

„Die modernen Öfen haben eine weitaus bessere Brenntechnik, womit sie nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch wesentlich effizienter heizen“, sagt Haese. Wer nur einen Filter einbauen lässt, reduziert zwar den Ausstoß von Feinstaub, genießt aber nicht die Vorteile der Neuerungen. „Der Innenraum alter Öfen ist in der Regel mit Schamottsteinen ausgekleidet, die die Wärme aufsaugen“, erläutert Haese. In den modernen Kaminöfen hingegen würden Thermoplatten verwendet, die die Hitze zurück in den Feuerraum strahlten, zudem sei die gesamte Luftzuführung überarbeitet worden. „Alles zusammen führt zu einer deutlich höheren Temperatur im Ofen mit der Folge, dass das Holz effizienter verbrennt“, sagt er. Die Emissionen seien dadurch bis zu 85 Prozent niedriger als bei Altgeräten. Ein Neukauf lohne sich also allemal, zumal die Kosten für den Filtereinbau meist höher seien als ein neues Gerät.

Allerdings ist derzeit wegen der erhöhten Nachfrage mit enormen Lieferengpässen zu rechnen. Haese: „Bis zu 14 Wochen dauert es bei einigen großen Herstellern mittlerweile, bis die Ware vor Ort ist und eingebaut werden kann.“