Traditionsverein

Männerchor von 1842 verschwindet von der Bühne

Weihnachtliche Konzerte, wie hier in der Maria-Magdalenen-Kirche, gehörten zur Tradition des Lauenburger Männerchores von 1842.

Weihnachtliche Konzerte, wie hier in der Maria-Magdalenen-Kirche, gehörten zur Tradition des Lauenburger Männerchores von 1842.

Foto: Chor

Lauenburger Männerchor hat Auflösung bekannt gegeben. Ein Abschlusskonzert fällt Corona zum Opfer. Die Gründe für die Aufgabe.

Lauenburg.  Eigentlich hätte es noch ein Abschiedskonzert geben sollen, doch Corona macht einen Strich durch die Rechnung. Also ist es ein sang- und klangloser Abschied eines großen Traditionsvereins: Der Lauenburger Männerchor von 1842 gibt seine Auflösung bekannt.

„Es hat keinen Zweck mehr. Wir waren hoffnungslos überaltert. Ich war mit meinen 64 Jahren das jüngste Mitglied. An musikalischen Nachwuchs für unseren Chor war leider nicht zu denken“, bedauert der erste Vorsitzende Wolfgang Lattki. Im hohen Alter und mit zuletzt nur noch 15 Mitgliedern sei es eben nicht mehr möglich, einen vierstimmigen Männergesang auf die Bühne zu bringen. „Wir haben uns schweren Herzens entschlossen, den Chor aufzulösen, ehe man uns auspfeift“, sagt Lattki mit einer Spur Galgenhumor in der Stimme. Es selbst war über 30 Jahre lang Mitglied im Chor.

Männerchor von 1824 hatte zahlreiche Auftritte

Neujahrsempfänge, Konzerte in der Maria-Magdalenen-Kirche oder Veranstaltungen zum Volkstrauertag – auf den Lauenburger Männerchor von 1842 war immer Verlass, wenn es um das musikalischen Rahmenprogramm ging. Und damit jeder Ton immer saß, hieß es üben, üben, üben.

Doch wer denkt, während der Proben wurde immer nur gesungen, der irrt. Oft machten Anekdoten aus der langen Geschichte des Chores die Runde – niedergeschrieben in der Chronik. So wie die Geschichte vom Sängerfest aus dem Jahre 1877. Es wurde aus der Veranstaltung ein Überschuss von 539,55 Mark erzielt, und man beschloss, dieses Geld als Grundstock zu nehmen, um eine Uhr für den Schlossturm zu stiften. Insgesamt 1356,70 Mark waren durch Auftritte zusammen gekommen. Am Ende hat es doch nicht ganz gereicht, und die Stadt musste den Rest zuschießen.

Bürgermeister verhängte einst eine Strafe gegen die Sänger

Am 20. Januar 1879 traf die in Hildesheim gebaute Uhr in Lauenburg ein. Der Männerchor holte das Prachtstück mit Musikbegleitung vom Lauenburger Bahnhof ab. Es gab eine feierliche Übergabe an die Stadtoberen.

Sieben Jahre später ist der Lauenburger Männerchor dann allerdings in Ungnade beim Bürgermeister gefallen. Die Sangesbrüder hatten sich zu jener Zeit im Hause des Bierbrauers Bruns an der Elbstraße zu einer Geburtstagsfeier eingefunden, bei der sie ihre Kehlen mit reichlich Gerstensaft befeuchteten, sangen und spielten. Das war eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre nicht der Bürgermeister höchstpersönlich Nachbar der fröhlichen Runde gewesen.

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Am nächsten Tag verhängte er 10 Mark Strafe gegen den Chor. Dagegen legte der Verein vor Gericht Widerspruch ein und gewann. Gesang am schönen Sommerabend dürfe nicht als ruhestörender Lärm aufgefasst werden, befand der Richter.

Strenge Regeln zur damaligen Zeit

1842 – Lauenburg steht seit fast 30 Jahren unter dänischer Herrschaft – wird der Lauenburger Männerchor von 1842 von einem „honorigen Kreis Lauenburger Bürger“gegründet. Aufgenommen wurde, wer dem „gebildeten bürgerlichen Stand“ angehörte. 1879 wurden Strafgelder eingeführt. Wer unentschuldigt bei den Proben fehlte, wurde mit zehn Pfennig Strafgeld belegt, wer zu spät kam, musste fünf Pfennig in die Kasse zahlen. Jedes Jahr wurden „Caritative Konzerte“ gegeben, mit deren Erlös arme Kinder unterstützt wurden. er