Kunsthandwerk

An der Elbstraße gibt es ein neues Goldschmiedeatelier

In ihrem Atelier Flitter & Tand fertigt Daniela Toebelmann auf der Grundlage historischer Knöpfe individuelle Schmuckstücke.

In ihrem Atelier Flitter & Tand fertigt Daniela Toebelmann auf der Grundlage historischer Knöpfe individuelle Schmuckstücke.

Foto: Tomaszewski

Designerin Daniela Toebelmann eröffnet ihr Atelier Flitter & Tand an der Elbstraße. Wie sie aus wertlosen Gegenständen Schmuck macht.

Lauenburg.  „Flitter & Tand“ steht auf dem Ladenschild, das an einem schmiedeeisernen Halter am Haus in der Elbstraße 41 hängt. Ins Deutsche übersetzt versteht man darunter zwar hübsche und schimmernde, aber wertlose Gegenstände. „Finden Sie das nicht unfair dem Schmuck gegenüber fragen mich die Leute oft“, erzählt Daniela Toebelmann, die Inhaberin des neuen Goldschmiedeateliers. Darüber kommt sie oft mit Besuchern ins Gespräch. Doch für die Kunsthandwerkerin bemisst sich der Wert eines Gegenstandes nicht unbedingt an seinem Preis. „Sind es nicht oftmals die kleinen Dinge, die dem einen wertlos erscheinen, dem anderen aber eine ganze Welt bedeuten?“, fragt sie dann zurück.

Im Goldschmiedeatelier an der Elbstraße entsteht Schmuck

Bereits während des Studiums beschäftigte sich die heute 38-Jährige gern mit den vermeintlich kleinen Dingen des Alltags – Knöpfe zum Beispiel. Die findet sie auf auf Flohmärkten, auf Internetplattformen und in Tschechien, der Hochburg für historische Glasknöpfe. „Mit den Strukturen alter Knöpfe zu arbeiten ist für mich wie ein Spiel mit dem Design vergangener Zeiten“, schwärmt sie. Gefasst in einem Ring oder als Abformung der filigranen Struktur entstehen so ungewöhnliche Schmuckstücke.

„Manchmal finde ich Knöpfe auf dem Markt und kann es kaum erwarten, sie zu Hause abzuformen“, begeistert sich die Kunsthandwerkerin. So entstehen silberne Ringe, Ohrringe und Kettenanhänger als Wiedergeburt der zum Teil 100 Jahre alten Knöpfe.

Daniela Toebemann stellte auf vielen Kunsthandwerkermärkten aus

Vier Jahre lang war Daniela Toebelmann deutschlandweit auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs. Es seien spannende Jahre gewesen, sagt sie. Mit dabei immer ihre Großmutter. Die ist mittlerweile in Rente gegangen, aber noch heute würden die Leute nach ihr fragen. Ein Jugendbild der Großmutter hängt in ihrem Lauenburger Atelier.

Das denkmalgeschützte Haus an der Elbstraße 41 stammt aus dem Jahr 1604. Handwerk hat dort Tradition, wenn auch längst nicht so filigran wie von Daniela Toebelmann. Ab 1925 entzündete nämlich der Lauenburger Schlossermeister Wilhelm Meinke an der Adresse sein Schmiedefeuer.

Erster Berufswunsch als Kind war Glasbläserin

Daniela Toebelmann wollte nicht immer Schmuckdesignerin werden. „Mein erster Berufswunsch als Kind war Glasbläser, die ich im Urlaub in Dänemark gesehen habe. Es war die Faszination, dass mit Feuer etwas entsteht“, erzählt die gelernte Goldschmiedin. Auf einer Party lernte sie später Ulrike Klerner vom Schmuckatelier in Lüneburg kennen und war nach einem langen Gespräch völlig fasziniert vom Umgang mit Edelmetallen: „Eigentlich wollte sie keine Auszubildende, aber ich habe immer wieder hartnäckig nachgefragt.“

Von da an durfte sie in Klerners Atelier immer wieder mit Edelmetallen und Edelsteinen experi­mentieren. Daheim baute Daniela Toebelmann sich einen eigenen Arbeitstisch auf, um sich auch dort im Goldschmieden auszuprobieren. Nach der Ausbildung zur Goldschmiedin, die sie schließlich in der Nähe von Düsseldorf absolvierte, studierte Daniela Toebelmann Bildende Kunst in Kassel und im norwegischen Bergen.

In Lauenburg will die Kunsthandwerkerin sesshaft werden

Auf Kunsthandwerkermärkten vertrieb die Designerin ihre Schmuckstücke zunächst. Allerdings: So spontan und unabhängig, wie sich das im ersten Moment anhört ist die Sache nicht. „Es gibt sehr unterschiedliche Märkte und nicht überall passt das eigene Angebot“, erzählt sie. Stets zwischen November und Januar hat sie Bewerbungen geschrieben und das laufende Jahr verplant.

In Lauenburg will sie nun sesshafter werden. Aber warum zieht es eine geborene Lüneburgerin ausgerechnet an die Elbe? „Ich finde Lauenburg authentischer als Lüneburg“, gesteht sie. Von dem historischen Haus in der Elbstraße hatte sie Fotos im Internet gesehen und sich in die Atmosphäre der Altstadt verliebt.

Atelier an der Elbstraße Donnerstag bis Sonntag geöffnet

In den ersten Tagen nach der Eröffnung steckten viele Besucher den Kopf in die Ladentür. Die individuellen Schmuckstücke, die sie fertigt, kommen offenbar an. Künftig möchte Daniela Toebelmann in ihrem Laden auch Kurse anbieten. Die entsprechenden Arbeitsplätze hat sie bereits geschaffen.

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Wer selbst einmal schauen und stöbern möchte: Das Atelier in der Elbstraße 41 hat Donnerstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet.