DLRG

Lauenburg: Rettungswache kommt – aber wer bezahlt?

| Lesedauer: 4 Minuten
Elke Richel
Die DLRG-Wache an der Lütauer Chaussee könnte erweitert werden, um dort zwei Rettungswagen zu stationieren.

Die DLRG-Wache an der Lütauer Chaussee könnte erweitert werden, um dort zwei Rettungswagen zu stationieren.

Foto: BGZ

Bis Freitag lief Bewerbungsfrist für interessierte Investoren für eine neue Rettungswache in Lauenburg. DLRG hat Bauantrag eingereicht.

Lauenburg. Es war eine gute Nachricht beim Neujahrsempfang in diesem Jahr: In Lauenburg wird eine neue Rettungswache gebaut. Verkündet hatte die Nachricht Norbert Brackmann. Der saß nicht nur als CDU-Bundestagsabgeordneter, sondern auch als stellvertretender Landrat sowie als Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) auf der Bühne.

Vor zwei Jahren war die Empörung in Lauenburg und Büchen groß: Ein Gutachten empfahl, die Rettungsnebenwachen in beiden Kommunen nicht weiter zu betreiben. Der Standort in Basedow reiche aus, um beide Orte und die Region in Notfällen zu versorgen.

Kreis will Rettungswachen in Lauenburg und Büchen erhalten

Der Kreis Herzogtum Lauenburg – der für die Notfallversorgung verantwortlich ist – sieht das allerdings anders: Er will die beiden Standorte erhalten und streitet zurzeit mit den Krankenkassen über die Übernahme der Mietkosten für die neue Rettungswache. Im Oktober 2019 zog der Kreis vor dem Schiedsgericht in dieser Frage allerdings den Kürzeren. „Jetzt wird die Sache vor dem Verwaltungsgericht entschieden“, sagte Brackmann bereits im Januar gegenüber unserer Zeitung. Beschlossen hatte diesen Schritt der Innenausschuss des Kreises, dessen Vorsitzender Brackmann ist.

Gegen den gelegentlich vorgebrachten Vorwurf, Brackmann würde sich für die Interessen seiner DLRG in die Waagschale werfen, wehrt sich der Politiker: „Ich bin zwar Mitglied, aber in keiner Leitungsposition. Die Entscheidung im Innenausschuss wurde mit den Stimmen von CDU, Grünen und der SPD getroffen“, sagt er. Jens Meyer, Chef der SPD-Fraktion im Kreistag, ist Brackmanns Stellvertreter im Innenausschuss und gibt ihm Rückendeckung: „Wir sind zwar nicht in in derselben Partei, aber in Sachen Rettungswache ziehe ich mit Norbert Brackmann an einem Strang“, stellt er klar.

Noch keine Entscheidung über Investor und Kostenübernahme

Auch nach neun Monaten hat das Verwaltungsgericht noch keine Entscheidung getroffen, wer für die Mietkosten der neuen Rettungswache aufkommen muss. Verliert der Kreis, bleibt er auf den Kosten sitzen. Davon geht Brackmann allerdings nicht aus. Nach seiner Einschätzung müsste der Standort Basedow mit Millionenaufwand massiv ausgebaut werden, um die dort sowie in Lauenburg und Büchen fahrenden Rettungswagen aufnehmen zu können.

Die Gemeinde Büchen hat bereits Nägel mit Köpfen gemacht und auf eigenes Risiko für 2,4 Millionen Euro eine neue Rettungswache gebaut. In Lauenburg könnte es jetzt auch ganz schnell gehen, denn die Politik hatte für den Standort an der Lütauer Chaussee bereits 2017 Baurecht geschaffen. Dort betreibt die DLRG bereits ein Fahrzeugdepot für ihre Ehrenamtlichen. Sie plant, gegenüber dieser Fahrzeughalle die moderne Rettungswache zu errichten. „Der Architekt hat den Komplex bereits im Zusammenhang geplant“, erklärt Brackmann.

DLRG ist optimistisch, Zuschlag zu erhalten

Allerdings: Noch ist überhaupt nicht klar, ob die DLRG vom Kreis den Zuschlag erhält, die Rettungswache in Lauenburg zu errichten. Am vergangenen Freitag lief die Bewerbungsfrist potenzieller Investoren ab. Nach Informationen unserer Zeitung soll es mehr als einen Interessenten gegeben haben. Kreissprecher Karsten Steffen will das nicht bestätigen. „Die eingereichten Unterlagen werden jetzt gesichtet und eingehend geprüft“, sagt er.

Bei der DLRG ist man aber offenbar optimistisch, den Zuschlag zu erhalten. „Wir haben auf der Grundlage der Pläne bereits den Bauantrag gestellt, damit wir nicht so viel Zeit verlieren und gleich loslegen können, wenn wir den Zuschlag erhalten“, sagt DLRG-Bezirksleiter Hans-Dieter Struck.

Zahl der Krankentransporte ist gestiegen

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Kai Steffens von der Kreisverwaltung vor der Lauenburger Politik über die Entwicklung des Rettungsdienstes berichtet: So haben sich die Zahlen der Herzinfarkte und Schlaganfälle in Schleswig-Holstein zwischen 2009 bis 2016 kaum verändert, auch bei den schweren Unfällen gab es keinen deutlichen Anstieg in diesem Zeitraum.

Lesen Sie auch:

Immer mehr Notrufe in Lauenburg – Rettungsdienst ist überlastet

Wohl aber bei den Rettungseinsätzen: 2010 waren es noch rund 9500, im Jahr 2018 bereits 16.800. Auch die Zahl der Krankentransporte ist gestiegen: von 13.000 auf 16.500. Für Betroffene aus Lauenburg zieht Brackmann daraus eine klare Konsequenz: „Die vorgeschriebene Rettungsfrist beträgt zwölf Minuten. Allein die Anfahrt aus Basedow beträgt schon sechs Minuten, die im Zweifel über Leben und Tod des Betroffenen entscheiden könnten.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg