Wochenmarkt

Heidi und Horst Otte sagen Lauenburg Tschüs

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Horst Otte und seine Frau Heidi nehmen Abschied vom Lauenburger Wochenmarkt. 51 Jahre lang gab es hier Pflanzen aus den Familienbetrieb in Kirchwerder

Horst Otte und seine Frau Heidi nehmen Abschied vom Lauenburger Wochenmarkt. 51 Jahre lang gab es hier Pflanzen aus den Familienbetrieb in Kirchwerder

Foto: Dürkop

51 Jahre lang gab es Pflanzen und Schnittblumen aus dem Familienbetrieb auf dem Lauenburger Wochenmarkt. Nun ist Ruhestand angesagt.

Lauenburg.  Blumen in allen Farben, Pflanzen für Terrasse und Balkon – für die Besucher des Lauenburger Wochenmarktes war Horst Otte 51 Jahre lang dafür die erste Adresse. Jetzt hat er der Stadt und seinen Kunden Tschüs gesagt. Zum Abschied verteilten Horst Otte und seine Frau Heidi – wie kann es anderes sein – Rosen an die treuen Kunden.

Horst Otte war erst 19, als er den großen Sprung wagte. Ihm war klar geworden, dass die Familiengärtnerei in den Vierlanden nur eine Überlebenschance hat, wenn er ein neues Stadtbein findet. „Wir hatten die Alternative, selbst auf dem Großmarkt unsere Pflanzen und Blumen anzubieten oder auf die Wochenmärkte zu gehen“, erzählt der heute 70-Jährige.

Mit nagelneuem Führerschein zum Lauenburger Wochenmarkt

Horst Otte hatte gerade seinen Führerschein in der Tasche, da machte er sich mit Blumen und Tapeziertisch im Auto auf den Weg nach Lauenburg – das war 1969. Die Freundlichkeit des jungen Mannes und die Qualität seiner Pflanzen kamen so gut bei den Besuchern des Wochenmarktes an, dass er bald viele Stammkunden hatte.

Durch den Erfolg ermutigt, bauten Horst Otte und sein Vater, der ihn bis zu seinem 95. Lebensjahr unterstützte, zusätzlich noch einen Marktstand in Bramfeld auf. Dort und in Lauenburg waren nicht nur Vater und Sohn, sondern später auch Ehefrau Heidi dienstags und freitags sowie mittwochs und samstags mit ihrem farbenprächtigen Verkaufsstand anzutreffen.

Horst Otto musste schon früh im Betrieb mit anpacken

Zwar brachten die beiden Marktstände dem Familienbetrieb mehr Umsatz, aber die Arbeit in der Gärtnerei musste ja trotzdem getan werden. Neben den vier Tagen auf den Wochenmärkten keine leichte Aufgabe. Das meiste, was der Familienbetrieb in den vergangenen 51 Jahren in Lauenburg verkaufte, kam aus eigenem Anbau in der Gärtnerei in Kirchwerder. Nur die Schnittblumen bezog Horst Otte zuletzt vom Großmarkt.

Für Horst Otte bedeutet der Abschied von Lauenburg ein Stück mehr Freiheit. Schon als kleiner Steppke hatte die Arbeit in der Gärtnerei seinen Lebensrhythmus geprägt. Zeit zum Fußballspielen, wie andere Jungs sie hatten, gab es für ihn nicht. Schon früh musste er im elterlichen Betrieb mit anpacken. „Nach der Schule war klar, dass ich in den Familienbetrieb einsteige. Damals gab es keinen Lehrvertrag. Ich bin für drei Jahre zur Berufsschule gegangen und habe dann in der eigenen Gärtnerei gearbeitet“, erzählt er.

Jetzt endlich Zeit für die zweite Liebe, den HSV

Ende der 70er-Jahre heiratete Horst Otte seine Heidi, und damit war das Gespann auf dem Wochenmarkt komplett. Zwei Kinder hat das Paar. Tochter Tanja Andresen hat die Liebe zu Blumen zu ihrem Beruf gemacht und wurde Floristin. Sohn Nils ist bei der Feuerwehr. Beide Kinder wollen den Familienbetrieb nicht übernehmen, auch wenn sie immer gern ausgeholfen haben. „Gärtnerei und Wochenmarkt sind nicht meine Welt“, erzählt Tanja Andersen.

Heidi Otte schaut etwas wehmütig auf die Zeit zurück. „Der Lauenburger Markt hat eine sehr familiäre Atmosphäre“, schwärmt sie. Zum Abschied hatten die anderen Marktbeschicker eine Palette mit ihren Angeboten zusammengestellt. Für Horst Otte gibt es allerdings einen Grund, sich über den Abschied vom Wochenmarkt zu freuen. Er ist HSV-Fan und übrigens gar nicht böse, dass die Mannschaft jetzt in der 2. Liga spielt. Etliche Spiele sind am Sonnabendmittag – und da hat er ja nun endlich Zeit.

( du )

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