Lauenburg

Horst Eggert: Das „Gedächtnis der Schifferstadt“ wird 85

Horst Eggert vom Heimatbund und Geschichtsverein stellt auf diesem Bild die Motive für den Kalender 2019 vor.

Horst Eggert vom Heimatbund und Geschichtsverein stellt auf diesem Bild die Motive für den Kalender 2019 vor.

Foto: Karin Lohmeier / BGZ/Karin Lohmeier

Der langjährige Geschichtsvereinsvorsitzende kennt auch die Geschichten hinter den Fassaden der Lauenburger Altstadt.

Lauenburg. Wer wissen möchte, wer wann und wo früher in Lauenburg gelebt hat, wählt die Telefonnummer von Horst Eggert. Auch welche Geschichten sich hinter den historischen Fassaden in der Altstadt verstecken, schüttelt der Heimatforscher nur so aus dem Ärmel. Heute wird Horst Eggert, das „Gedächtnis“ der alten Schifferstadt, 85 Jahre alt.

Nicht selten hilft er uns aus der Patsche, wenn wir einen Artikel aus früheren Jahrzehnten unserer Zeitung suchen. Sein Archiv ist eine wahre Fundgrube, wenn es darum geht, historische Ereignisse aus heutiger Sicht zu beleuchten. Horst Eggert war zehn Jahre lang der Chef des Heimatbundes und Geschichtsvereins. 2017 stellte er sich nicht mehr zur Wahl, sein Herz schlägt aber noch immer für die Lauenburger Heimatgeschichte. Und die kann er so spannend erzählen wie kein anderer – immer mit einem Augenzwinkern.

Mit wem vergnügte sich der Herzog in der Grotte des Fürstengartens?

Wenn Horst Eggert Geschichten erzählt, würzt er sie gern mit pikanten Anekdoten. So wie die von der Grotte im Fürstengarten. Ist es belegt oder tut er Herzog Franz II. etwa Unrecht? Der soll nämlich anno 1583 nicht nur seiner Gemahlin den ehemaligen Lustgarten geschenkt haben, sondern sich auch in der dort befindlichen Grotte mit Gespielinnen getroffen haben.

Besonders wenn der 85-Jährige einen Schwank aus seiner Jugendzeit erzählt, muss man sich manchmal die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischen: „Als ich Kind war, gab es einen Goldfischbrunnen vor dem Schloss, um den herum Lilien wuchsen“, erinnert er. Die Lauenburger Kinder seien oft um diesen Brunnen herumgelaufen und hätten eine Lücke in den dichten Pflanzen gesucht. „Wir wollten die Goldfische füttern, aber das wollte Herr Simoneit nicht, der war damals Hausmeister im Schloss“, so Eggert.

Lausbubengeschichten aus Eggerts Jugendtagen

Das Rondell mit der Rotbuche sei in seinen Kindertagen auch größer als der jetzige Steinkreis gewesen, erinnert er sich. „Daneben befanden sich kleine, bunte Blumenbeete und große Granitkugeln im Rasen.“ Und weil es der kleine Horst früher offensichtlich faustdick hinter den Ohren hatte, erinnert er sich an diese Schmuckelemente besonders.

„Ein paar Freunde und ich hatten plötzlich einen Einfall: Wir schnappten uns die schweren Kugeln und rollten sie den Wallweg herunter“, erzählt er. Ein Heidenspaß! Dumm nur, dass die Jungen bei ihrem Streich beobachtet wurden. Und so lernte der kleine Horst schon damals, wie beschwerlich der Aufstieg über den Wallweg aus der Unterstadt ist – besonders dann, wenn man dabei eine große, schwere Steinkugel vor sich herrollen muss. Aber auch wenn Eggert meist einen Schalk im Nacken hat, kann er auch ganz schön wütend werden. Besonders, wenn jemand aus seiner Sicht schluderig mit Zeugnissen der Lauenburger Geschichte umgeht.

Warum die Raths-Apotheke jetzt in Altona ist

Dass die Stadt das Inventar der alten Raths-Apotheke an der Elbstraße an das Altonaer Museum verlor und später die Einrichtung des Findorff-Hauses an ein Museum in Bremervörde ging, ärgerte ihn sehr. Apothekerin Margarete Lammers (1915-2008) hatte einst ihrem Schwiegervater versprochen, auf die 1736 gegründete Apotheke „gut achtzugeben“, und 1997 die Inneneinrichtung dem Altonaer Museum geschenkt, das auch die kulturhistorische Entwicklung der Elbregion abbildet. Seither gibt es an der Museumsstraße 23 regelmäßige Vorführungen in den wiederaufgebauten Apothekenraum.

Eggert hätte dies aber viel lieber in Lauenburg gesehen und das gesamte Haus an der Elbstraße 64 zur Außenstelle eines Museums gemacht. Wenn er auch den Wechsel der Einrichtungen nicht verhindern konnte, so doch wenigstens, dass die historische Osterwold-Halle nach ihrer Sanierung in Elbsalon umbenannt wurde.

Höchste Auszeichnung der Stadt für den Heimatforscher

Beim diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt erhielt Horst Eggert für seine Verdienste um die Lauenburger Stadtgeschichte den „Rufer“, die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat. Wir würden ihm zum Geburtstag gern die „Goldene Feder“ unserer Zeitung überreichen, aber leider hat diesen Preis noch niemand erfunden. So bleibt uns nur, zu sagen: Alles Gute zum 85. Geburtstag, lieber Horst Eggert!