Prozess vor Amtsgericht

Rache ist süß: Lauenburgerin mischt Giftpralinen an

Melanie B. (links) wollte sich an ihrem Ex-Partner und dessen neuer Freundin mit vergifteten Pralinen rächen. Mit ihrer Rechtsanwältin verfolgt sie die Verhandlung.

Melanie B. (links) wollte sich an ihrem Ex-Partner und dessen neuer Freundin mit vergifteten Pralinen rächen. Mit ihrer Rechtsanwältin verfolgt sie die Verhandlung.

Foto: grunwald

Aus Rache für die Trennung bereitete eine Lauenburgerin Giftpralinen für ihren Ex und dessen Freundin zu. Jetzt stand sie vor Gericht.

Lauenburg/Schwarzenbek. Selbst gebackene Rumkugeln mit Tabak- und Rattengiftfüllung und Muffins mit der gleichen Geschmacksrichtung – im Amtsgericht Schwarzenbek ging es am Montag nicht sehr appetitlich zu. Angeklagt wegen vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung war die 39-jährige Melanie B. (Name geändert) aus Lauenburg. Sie soll die vergifteten Rumkugeln und Muffins gebacken und als Geschenk an die 38-jährige Corinna A. und deren Lebenspartner Nico W. (30) geschickt haben.

Kuchen mit Tabakfüllung: Rezept kommt aus dem Internet

Hintergrund der Tat war offenbar ein Eifersuchtsdrama. Nico W. und die Angeklagte waren bis vor drei Jahren ein Paar, sie haben zwei gemeinsame Söhne, sieben und neun Jahre alt. Dann trennte sich Nico von Melanie, er lebt jetzt mit der 38-jährigen Corinna A. zusammen. Melanie hat das Sorgerecht für die Kinder, der Vater darf sie zweimal wöchentlich sehen. „Ich war krank vor Wut, fühlte mich verletzt und gedemütigt“, sagte Melanie gestern bei der Verhandlung. „Ich wollte mich rächen und suchte nach einer Möglichkeit, den beiden einmal richtig weh zu tun“.

Gemeinsam mit einer Freundin habe sie im Internet schließlich ein Rezept gefunden, wie man bei Menschen Durchfall und Übelkeit verursachen könne: Selbstgebackener Kuchen mit Tabak-Füllung. „Rattengift war aber nicht dabei, ich hatte noch nie im Leben mit Rattengift zu tun und habe das Zeug auch nie gekauft“, beteuerte sie vor Gericht.

Unbeteiligte Frau wird zum Opfer – Intensivstation

Melanies Söhne wurden schließlich beauftragt, den Gift-Kuchen zu ihrem Vater und dessen neuer Partnerin Corinna zu bringen. Zufällig war auch Corinnas 52-jährige Tante bei dem Paar zu Besuch. Nico W. kostete von dem Rumkugeln und spuckte den Bissen gleich wieder aus. „Das Zeug schmeckte wie betrunken in Asien“, berichtete er.

Auch die Tante aß eine Rumkugel und litt sofort unter schweren Vergiftungssymptomen. Die Gastgeber riefen den Rettungswagen, die Tante musste im Geesthachter Johanniter-Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt werden. Von der Polizei befragt, legte Melanie sofort ein Geständnis ab.

Weiter ungeklärt: Wie kam das Rattengift in die Rumkugeln?

Was aber war mit dem Rattengift? In den Rumkugeln war es eindeutig enthalten, das ergab das vom Gericht bestellte toxikologisches Gutachten. Also womöglich doch ein Mordversuch? „Die Menge war nur gering, daran hätte ein Mensch kaum sterben können“, so Staatsanwältin Katharina Rothensee. Sie beantragte 16 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Das Urteil fiel mit elf Monaten auf Bewährung noch niedriger aus. „Es war nicht gut, dass Sie die Kinder in die Sache mit hineingezogen haben“, bemerkte Richter Jan-Hendrik Labuska noch.