Büchen

Ein Ort der West-Ost-Begegnung und Hilfe

Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission bei ihrer Arbeit auf den Gleisen des Bahnhofs Büchen.

Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission bei ihrer Arbeit auf den Gleisen des Bahnhofs Büchen.

Foto: Verband der Ev. Bahnhofsmission in der Nordkirche e.V.

In einem Buch ist die Arbeit der Bahnhofsmission Büchen, die von 1993 bis 1995 Reisende aus dem Osten betreut hat, erarbeitet worden.

Büchen. „Es spielten sich so einige ergreifende Szenen hier ab, viele Tränen sind geflossen“, sagt Jens-Peter Andresen. Der ehemalige Pastor der Büchener Kirchengemeinde hat von Beginn seiner Amtszeit 1973 an die Arbeit der Bahnhofsmission begleitet, die von 1953 bis 1995 in Büchen anfangs Spätrückkehrer aus Kriegsgefangenschaft und Aussiedler aus Osteuropa, später Reisende aus der ehemaligen DDR Willkommen hieß und betreute.

Heute erinnert nur noch wenig an die Zeit, als Büchen für viele Menschen das „Tor zur Freiheit“ war, wie es auf einem Mahnmal auf dem Bahnsteig geschrieben steht. Das Gebäude, in dem sich die Räumlichkeiten der Bahnhofsmission und des Bundesgrenzschutz befunden haben, ist längst abgerissen, das zweite Gleis, was stillgelegt war, wieder in Betrieb.

Die Historie des ehemaligen Grenzorts als Durchgangsstation für Heimkehrer- und Aussiedlertransporte und als zentrales Drehkreuz für Millionen Interzonenreisende sowie die Arbeit der Bahnhofsmission sind jetzt in einem Buch aufgearbeitet worden. Es lässt die Zeit wieder aufleben, in der sich viele Einwohner ehrenamtlich engagiert haben.

Die Mission sollte eine Willkommenskultur etablieren

Die Bahnhofsmission Büchen wurde 1953 gegründet, als in Hamburg der Kirchentag stattfand. Rund 10.000 Besucher wurden damals in Büchen empfangen und verpflegt. „Von 1955 bis 1959 kamen dann rund 250.000 Kriegsgefangene und Spätheimkehrer aus Osteuropa, die von hier aus weiter nach Friedland geschickt werden sollten“, berichtet Heinz Bohlmann von der Gemeinde Büchen. Eine Aufgabe der Mission war, im Auftrag des Bundes eine Willkommenskultur zu etablieren, um sich positiv von der DDR abzugrenzen, die die Bahnhofsmissionen 1956 verboten hatte.

„Jeder Zug wurde mit Posaunenchor begrüßt“, sagt Bohlmann. Es wurden Kaffee ausgeschenkt und Lebensmittel verteilt. Wer erst am nächsten Tag weiterfahren konnte, hatte die Möglichkeit, in der Bahnhofsmission zu übernachten. „Es wurde rund um die Uhr gearbeitet“, sagt Pastor Andresen. 40 bis 50 Ehrenamtliche unterstützen die Missionsleiterinnen wie Friedegart Belusa und später Helga Winterberg.

Die Arbeit auf den Gleisen beinhaltete auch Seelsorge

Aber die Arbeit endete längst nicht mit einer Banane oder einem Stück Brot – der seelsorgerische Teil nahm die Mitarbeiter häufig stark in Anspruch. „Die Arbeit auf den Gleisen war auch belastend“, sagt Andresen. Die Menschen hatten Angst vor dem Grenzübergang, wussten nicht, was sie hier erwartet. Büchen erreicht zu haben, war für viele ein Aufatmen“, sagt er. Dennoch waren intensive Gespräche wichtig, die über Heimweh und Orientierungslosigkeit hinweghelfen konnten.

Wesentlich ergreifender als die Zugeinfahrten waren die Abschiedsszenen. „Viele, die hier ihre Verwandten im Westen besucht hatten, wussten nicht, ob es eine Wiedersehen geben würde. Es flossen viele Tränen!“ Es sind emotionale Szenen, wie sie sich heute manch einer kaum noch vorstellen kann.

1995 wurde die Arbeit der Mission eingestellt. Die Grenze war offen, die Arbeit dort überflüssig geworden. Noch immer fahren die Züge von Hamburg nach Berlin über Büchen, auch die Strecke Lübeck-Lauenburg-Lüneburg hat hier ihren Halt. Heute sind es Pendler, die hier ein- und umsteigen. Der Bahnhof Büchen bleibt ein Knotenpunkt.

Buchtipp: Bahnhofsmission Büchen, Ein Spalt im Eisernen Vorhang, Jann-Thorge Thöming, Verlag Peter Lang.