Lauenburg

Genossen geht die Kita-Reform nicht weit genug

Die SPD-Landesvorsitzende Serpill Midyatli hat sich in Lauenburg kritisch mit der Kita-Reform auseinander gesetzt.

Die SPD-Landesvorsitzende Serpill Midyatli hat sich in Lauenburg kritisch mit der Kita-Reform auseinander gesetzt.

Foto: Dürkop

Bildung sollte gebührenfrei sein, ist die Meinung von Serpill Midyatli, die sich in der Lauenburger Kindertagesstätte Wabe umgeschaut hat.

Lauenburg. Die Kindertagesstätte Wabe in Lauenburg hatte jetzt Besuch von der Landesvorsitzenden der SPD, Serpil Midyatli. Die Politikerin wollte der Einrichtung aber nicht nur zum zweiten Platz des Deutschen Kita-Preises 2020 gratulieren. „Ich spreche derzeit mit Vertretern aus Kommunen und Kindertagesstätten sowie Eltern über die Kita-Reform, die die Jamaika-Koalition auf den Weg gebracht hat“, sagte sie auf einem Pressetermin nach ihrem Besuch in der Wabe-Kita.

Bundesweit fehlen 191.000 Erzieher an Kitas und Schulen

Dabei habe sie immer wieder festgestellt, wie groß der Redebedarf zur Reform ist. So geht es auch Andrea Milewski, Leiterin der Wabe-Kita. Ihr brennt vor allem der Fachkräftemangel auf den Nägeln. „In der Reform ist eine Aufstockung des Personalschlüssels vorgesehen, aber woher das Personal dafür kommen soll, ist nicht geklärt“, so Milewski. Eine aktuelle Statistik des Bundes belegt, dass bis 2025 etwa 191.000 Erzieher für Kitas und Grundschulen fehlen. „Es gibt Mitarbeiter, die zwar keine entsprechende Ausbildung haben, aber schon lange in Kitas arbeiten.“

Die SPD-Landesvorsitzende plädiert vor dem Hintergrund des Erziehermangels dafür, dass erworbene Fachkenntnisse dieser Mitarbeiter unter Abstimmung mit der Einrichtung anerkannt werden. Es sei auch nicht nachvollziehbar, warum die Findungsgruppe zwei Jahre lang hinter verschlossenen Türen an der Reform getüftelt hat, ohne im Vorwege eine Ausbildungsinitiative zu starten. Schließlich sei der Fachkräftemangel lange bekannt.

Höhe der Elternbeiträge ist seit August begrenzt

Kern der Kita-Reform ist die Deckelung der Gebühren. Die Höhe der Elternbeiträge ist seit August 2020 begrenzt – auf maximal 141 Euro pro Monat für eine fünfstündige Betreuung von drei- bis sechsjährigen Kindern. Bei Kindern bis drei Jahren sind es 180 Euro. Eine achtstündige Betreuung soll künftig nicht mehr als 288 Euro kosten.

„Wenn jeder Kita-Platz gleichviel kostet, werden sich die Eltern nicht an den Kosten orientieren, sondern an dem Angebot der Kita. Bei uns müssen Eltern jetzt allerdings 40 Euro mehr zahlen, weil wir bisher unter dem Deckelungsbetrag gelegen haben“, so die Kita-Leiterin.

„Eine von der SPD in der vergangenen Legislaturperiode angestrebte Befreiung von der Beitragspflicht der Kita-Gebühren, ist auf der Strecke geblieben“, bedauerte Midyatli. Gemeinsam mit den SPD-Kreistagspolitikern Jens Meyer und Manfred Borner, sowie den Lauenburger SPD-Stadtvertretern Heide Harris und Jörg Sönksen, bekräftigte sie das Ziel ihrer Partei: Von der Kita bis zur Hochschule müsse Bildung grundsätzlich gebührenfrei sein.

Beitragsregeln unterscheiden sich von Land zu Land

Die gesetzlichen Beitragsregelungen für Kitas sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Berlin hat zum 1. August 2018 als erstes Bundesland Kita-Gebühren komplett abgeschafft. In Hamburg ist seit August 2014 für alle Kinder ab Geburt bis zur Einschulung eine Betreuung bis zu fünf Stunden täglich samt Mittagessen beitragsfrei.