Lauenburg

Hier steht tatsächlich eine Straßenbahn im Garten

Um das rostanfällige Schmuckstück zu schützen, haben Helga und Dr. André Peylo aus Lauenburg ein Holzhaus um die Straßenbahn bauen lassen. Der Innenraum der Tram ist 20 Quadratmeter groß.

Um das rostanfällige Schmuckstück zu schützen, haben Helga und Dr. André Peylo aus Lauenburg ein Holzhaus um die Straßenbahn bauen lassen. Der Innenraum der Tram ist 20 Quadratmeter groß.

Foto: Denise Ariaane Funke

Den Wagen kaufte das Ehepaar Peylo aus Lauenburg vor etwa 15 Jahren und richtete Büro und Laden darin ein. Kaufpreis lag bei 5000 Mark.

Lauenburg.  Die meisten Gärten werden von bunten Beeten und Sträuchern geschmückt. Ganz anders bei Familie Peylo in Lauenburg: Dort steht eine 14 Tonnen schwere Straßenbahn im Vorgarten.

Der Holzfachwirt und Sachverständige Dr. André Peylo und seine Frau Helga beherbergen seit etwa 15 Jahren den elf Meter langen und 2,10 Meter breiten Wagen, der ursprünglich für den Jena Nahverkehrsgesellschaft unterwegs war. Mit dem Prachtstück hat sich der Straßenbahnfan einen Traum erfüllt und gleichzeitig ein ruhiges Plätzchen zum Arbeiten geschaffen. In der 20 Quadratmeter großen Tram hatte der heute 54-Jährige sein Sachverständigenbüro eingerichtet und für seine Frau Helga ein Lädchen. Inzwischen steht das gute Stück im Trockenen. Der Grund: Die Tram ist ziemlich rostanfällig. Deswegen hat Peylo um das Gefährt ein Holzhaus bauen lassen, in dem er nun sein Büro hat. In der ehemaligen Linie 1 verkauft Helga Peylo Lederpuschen, Wolle und Spielzeug für Babys und Kleinkinder.

22 Sitzplätze und Platz für bis zu 60 stehende Gäste

Aber der Reihe nach. Nur wenige Tage, bevor die Tram von einem Schwertransportunternehmen auf einem Achtachser von Jena nach Lauenburg gebracht wurde, war sie noch in Betrieb. Gebaut wurde die Bahn in Folge der DDR-Mangelwirtschaft damals als Rekonstruktion der Tatra Straßenbahn aus Prag. Dazu wurde 1974 auf den Achsen eines Triebwagens von 1924 das Gehäuse neu drauf gebaut. Für die damaligen DDR-Verhältnisse war die Bahn modern, da der Fahrer sitzen konnte. 22 Sitzplätze und Platz für bis zu 60 stehende Fahrgäste bot die Bahn.

Eine Fahrt war dennoch alles andere als bequem. Die Achsen befinden sich direkt unter dem Gehäuse, „das

muss damals ganz schön gerumpelt und geruckelt haben“, schmunzelt der Straßenbahnliebhaber. „Gesehen hatte ich die Straßenbahn zuvor nicht. Als Liebhaber weiß man aber, wo welche Bahn noch in Betrieb ist. Als ich erfuhr, dass ihre Tage gezählt sind, habe ich zugeschlagen“, erinnert sich der Holzfachwirt. 5000 Mark hat er damals für das Schmuckstück investiert. „Der Plan, das Büro und den Laden darin zu errichten, war eine ausgesprochen praktische Lösung, damals waren unsere beiden lebhaften Töchter noch klein und ich hatte mein Büro in unserer Doppelhaushälfte. Da war der Waggon die optimale Lösung“, erinnert sich der Sammler. In die Karten gespielt hat ihm damals zum einen, dass es in Lauenburg eine Sonderregelung gibt, die die Kombination von Gewerbe und Wohnraum gestattet und das Lauenburg eine ehemalige Grenzstadt zur DDR war. „Es gab damals ein oder zwei Treffen mit den zuständigen behördlichen Stellen, der Antrag ist dann aber anstandslos durchgegangen“, berichtet André Peylo. Blut und Wasser haben sie allerdings beim Aufbau geschwitzt. „Da sah der Waggon plötzlich sehr viel größer aus als gedacht. Wir hatten richtig Angst, als der 90 Tonnen schwere Kran den Waggon in unseren Garten bugsieren musste“, erinnern sich Helga Peylo. Der Platz zur Hausseite war plötzlich ganz schön knapp.

Straßenbahn ist ein beliebtes Fotomotiv geworden

In Lauenburg kennt inzwischen fast jeder den Waggon. Schmunzeln muss Peylo aber immer noch. „Wenn ich das Fenster geöffnet habe, höre ich oft Passanten, die vermuten, dass das hier eine Kita ist. Ortsunkundige bremsen schon mal scharf, wenn sie das ungewöhnliche Gefährt sehen und natürlich ist es auch ein beliebtes Fotomotiv für Touristen geworden“, so Peylo.