Rechenzentrum

Im kleinen Gudow schlägt das Homeoffice-Herz

Stephan Rakowski vor seinem hochmodernen Rechenzentrum in einer alten Landarbeiter-Kate im Gudower Ortsteil Kehrsen.

Stephan Rakowski vor seinem hochmodernen Rechenzentrum in einer alten Landarbeiter-Kate im Gudower Ortsteil Kehrsen.

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Stephan Rakowski hat in einer alten Landarbeiter-Kate ein modernes Rechenzentrum eingerichtet. In Coronazeiten besonders hilfreich.

Gudow/Lauenburg. Zwei Datenstränge mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von zehn Gigabit pro Sekunde verbinden Arztpraxen, Handwerksbetriebe und Rechtsanwaltskanzleien aus ganz Deutschland mit einem Rechenzentrum im Gudower Ortsteil Kehrsen. Mit jeweils rund der hundertfachen Geschwindigkeit eines schnellen Hausanschlusses sorgen sie dafür, dass die Unternehmen auch in Zeiten von Corona arbeitsfähig bleiben. Sie erlauben, was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien: Viele Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus, führen Videokonferenzen und greifen auf Programme zu, die gar nicht auf dem Computer installiert sind, sondern über das Internet zur Verfügung gestellt werden.

Möglich macht das Stephan Rakowski, Gründer und Inhaber der Firma CSN-Solutions. Der 44-jährige ITler kam nach beruflichen Stationen in Hamburg, Brasilien und China 2011 in seinen Heimatort zurück. Er baute dort, wo zwischen zart hügeligen Feldern und Bauernhäusern bis vor 30 Jahren die innerdeutsche Grenze verlief, in einer alten Landarbeiter-Kate ein hochmodernes Rechenzentrum. „Die Kunden sind happy, dass sie jetzt auch von zu Hause aus arbeiten können“, sagt Rakowski. Und die, die das noch nicht können, wollen das möglichst schnell ändern. Rund 30 Prozent mehr Anfragen verzeichnet die Firma nach eigenen Angaben im Moment. Gesteuert wird die Technik aus einem nüchtern eingerichteten Büro im Vorderteil des Gebäudes, hier überwacht der gelernte Büroinformationselektroniker auf drei Monitoren die Funktion seiner Server.

Anfragen verteilen sich stärker über den Tag

Die Konfiguration zusätzlicher Rechner und der gestiegene Beratungsbedarf der Kunden bedeuten dabei viel Arbeit für Rakowski und sein inzwischen zwölfköpfiges Team, zu dem auch drei Auszubildende gehören. „Hinzu kommt noch, dass sich die Anfragen viel stärker über den Tag verteilen“, sagt er. Denn die viele Kunden und deren Angestellte arbeiteten im Homeoffice noch nach dem Zubettgehen der Kinder. Rakowski hofft, dass sich der Aufwand lohnt. Denn unter seinen gut 140 Kunden sind auch solche, die Kurzarbeit anmelden oder wie Gaststätten über Wochen schließen mussten.

„Auf Nachfrage können wir zum Beispiel die Anzahl der Computer-Accounts reduzieren und so die Kosten verringern“, sagt er. Sein Unternehmen sei jedoch so breit aufgestellt, dass dies die eigene Wirtschaftlichkeit nicht gefährde. Unterm Strich würden sich An- und Abmeldungen die Waage halten, schätzt er. Doch Rakowski ist ein positiv denkender Mensch, hat erst im vergangenen Jahr die Serverkapazitäten erweitert und neue Mitarbeiter eingestellt. „So kann ich jetzt auf den gestiegenen Bedarf reagieren.“ Die Bedingungen dafür seien in Gudow ideal. Hier habe er den Platz, ein privates und berufliches Netzwerk und die Arbeitskräfte, sagt er beim Gang über den Hof.

Ein Rack kostet 30.000 Euro

Nur wenige Schritte entfernt befindet sich das Herzstück des Rechenzentrums auf der anderen Seite des Gebäudes. Drei jeweils rund 60 Quadratmeter großen Serverräume sind durch zwei Stahltüren hermetisch von der Außenwelt abgetrennt. Zusammen stehen hier 30 Serverschränke, Racks genannt. Lüfter surren, blaues Dämmerlicht erhellt den vorderen Teil des Raumes, in den gekühlte Frischluft geblasen wird. Pro Rack können bis zu 42 bunt blinkende Server – nur zigarettenschachteldicke Computer – untergebracht werden. „Jeder kostet 30.000 Euro und bleibt etwa fünf Jahre in Betrieb.“

Prozessoren, Festplatten, Netzteil, alles ist in den Geräten mindestens doppelt ausgeführt. „Zur Sicherheit“, sagt Rakowski, damit seine Kunden Tag und Nacht auf Schreibprogramm, Tabellenkalkulation oder Patientendaten zugreifen können. Durch eine Tür getrennt geht es in den rückwärtigen, rot beleuchteten Teil, des Raums. Hier verlässt die warme Abluft die Rechner, es riecht ein bisschen nach Büro. Stromleitungen und Netzwerkkabel laufen in die Server. Letztere sehen aus wie Kabel zum heimischen Internet-Router. „Das sind aber Glasfaserkabel, die 40mal leistungsfähiger sind“, erklärt Rakowski. Logisch, sind sie es doch, die Gudow mit dem Rest der Welt verbinden.

Schnelles Internet in Lauenburg: In Lauenburg haben sich mittlerweile 18 Prozent (Stand: 4. August) aller Haushalter des ersten Bauabschnitts für einen Glasfaseranschluss entschieden. 35 Prozent sind allerdings nötig, damit die Versorgungsbetriebe Elbe mit ihrem Tochterunternehmen Elbe Media GmbH wirtschaftlich auch in Lauenburg starten. Torsten Möller, Prokurist der Elbe Media GmbH sagt: „Eigentlich ist die Anmeldefrist vorbei, aber aufgrund der besonderen Umstände verlängern wir bis auf unbestimmte Zeit das Angebot.“ Die Bewohner des neuen Wohngebietes Birnbaumkamp und der umliegenden Straßen können sich also noch entscheiden. Möller: „Wir wollen dort nach den Sommerferien noch einmal ein Infomobil aufstellen. Interessierte können vorbeikommen und unter freiem Himmel Fragen zu dem Angebot stellen.“