Lauenburg

Sönke Ellerbrock schickt täglich musikalische Grüße

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Elke Richel
Sönke Ellerbrock (links) und sein musikalischer Weggefährte Peter Bittdinger senden einen musikalischen Gruß an die Facebook-Gemeinde.

Sönke Ellerbrock (links) und sein musikalischer Weggefährte Peter Bittdinger senden einen musikalischen Gruß an die Facebook-Gemeinde.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Der Wirt aus dem Schifferhaus in Lauenburg postet täglich einen Song auf Facebook. Ein virtueller Gruß für die Lauenburger.

Lauenburg.  „Komm doch, süße Kleine, sei die meine“, singt Peter Bitdinger mit einem Augenzwinkern und dem unverkennbaren Schmelz von Hans Albers in der Stimme. Nach ein paar Tönen hat Peter – so nennen ihn in Lauenburg alle – das Facebook-Publikum auf seiner Seite. Der Wirt vom Alten Schifferhaus, Sönke Ellerbrock, schlägt auf der Hammondorgel die Takte des Refrains an: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ – und schon drücken die Fans vor den Smartphones den „Gefällt-mit“-Button. Auch Herzen fliegen den beiden musikalischen Urgesteinen zu.

Sönke Ellerbrock postet jeden Morgen einen musikalischen Beitrag auf seiner Facebook-Seite. Meist singt er allein, oft hat er aber auch einen Gast eingeladen. Den Song nimmt er am Abend zuvor auf. Wenn er nachts wieder mal nicht schlafen kann, bereitet er die Aufnahme für das soziale Netzwerk vor. Für viele Lauenburger ist sein virtueller Gruß mittlerweile ein liebgewordener Start in den Tag.

Idee der Minikonzerte entstand während Corona-Pandemie

Die Idee der täglichen Minikonzerte entstand, als die Corona-Pandemie dem Wirt des Schifferhauses fast den Boden unter den Füßen wegzog: geschlossenes Lokal, keine Einnahmen, keine Gäste. Und vor allem: Zum ersten Mal seit 30 Jahren musste der traditionelle Maibockanstich im Schifferhaus ausfallen. Für den Wirt eine Tatsache, an der er zu knabbern hatte. Schließlich sind mit der Traditionsveranstaltung auch seine Stammgäste in die Jahre gekommen.

„Meine Frau sagte: Mensch, roste doch nicht ein. Mach’ Musik! Da hatte sie recht. Also habe ich mich in mein ,Kapitänszimmer’ zurückgezogen, Mikrofon und meine Orgel aufgebaut“, erzählt der 62-Jährige. Irgendwann sei er auf die Idee gekommen, das Ganze mit der auf einem Stativ befestigten Handykamera aufzunehmen. „Ich habe mich dann einfach mal getraut, die Aufnahme zu veröffentlichen und war überrascht, wie positiv die Leute reagiert haben“, freut er sich.

Das Repertoire von Sönke Ellerbrock reicht von Rock über Coun­try bis zu Pop und Schlager. Mittlerweile pegeln sich die täglichen Zugriffe auf die Beiträge auf 300 bis 5000 ein – auch abhängig davon, ob und welche musikalischen Gäste er hat. „Was mich besonders freut: Alle Stilrichtungen haben ihre Liebhaber, aber nie gibt es blöde Kommentare, auch wenn es nicht der persönliche Musikgeschmack ist.“

Alte Lauenburger Weggefährten und neue musikalische Pläne

Musik gemacht hat Sönke Ellerbrock schon seit er denken kann. Richtig ernst wurde es aber Anfang der 1980er-Jahre mit der legendären Zentnerband. „Da hatte ich gerade Peter Bitdinger kennengelernt und fragte ich ihn, ob er mitmachen würde“, erinnert sich das Lauenburger Urgestein. Klar, wollte sein Kumpel und brachte zur ersten Probe auch gleich Ingo Bielenberg mit. Damit war die Runde komplett und die „Zentnerband“ geboren.

Mittlerweile gibt es die Band offiziell zwar nicht mehr, doch ab und zu treffen sich die Vollblutmusiker eben doch noch – und sei es, um gemeinsam einen Song für Facebook aufzunehmen. Sönke Ellerbrock weiß allerdings, dass viele der ehemaligen Fans der Zentnerband nicht in den sozialen Netzwerken zu Hause sind. Deshalb hat er einige der Songs auf einen Stick geladen. „Ich will daran kein Geld verdienen und gebe den gern gegen eine Schutzgebühr ab“, sagt der Schifferhaus-Wirt. Außerdem plant er gerade ein kleines Livekonzert der besten Facebook-Auftritte. Die soll es natürlich weiter geben.

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