Kinderbetreuung

Verein Wabe will dritte Kita in Lauenburg errichten

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Hier gibt es kein elektronisches Spielzeug. Naturmaterialien wie hier in der Waldkita Wentorf dienen als Beschäftigungsmaterial.

Hier gibt es kein elektronisches Spielzeug. Naturmaterialien wie hier in der Waldkita Wentorf dienen als Beschäftigungsmaterial.

Foto: BGZ

Verein Wabe will einen Waldkindergarten errichten und damit seine dritte Kita in Lauenburg. Standort im Schulwald am Buchhorster Weg.

Lauenburg. Über Äste balancieren, Ameisenvölker beobachten, mit Matsch spielen und sich den Wind um die Nase pusten lassen – das hört sich an, wie ein großes Abenteuer ohne Regeln. Doch auch für einen Waldkindergarten gibt es feste Vorgaben. Diese Hürde hat der Verein Wabe offenbar genommen. „Wir erwarten den Bauantrag bis zum 10. August“, sagt der Amtsleiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg.

Einen Standort für die neue Waldkita ist auch schon gefunden: Der Schulwald der Albinus-Gemeinschaftsschule am Buchhorster Weg. In zwei Gruppen sollen hier bis zu 30 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren bei Wind und Wetter im Freien toben können. Es wird aber auch einen Rückzugsort geben. Zwischen 24 und 100 Quadratmeter wird die Waldhütte groß sein, die den Kindern bei extrem schlechtem Wetter Schutz bietet.

Es ist nicht das einzige Vorhaben, das der Verein Wabe in nächster Zeit realisieren möchte. Am Glüsinger Weg will er fünf Millionen Euro ebenfalls in einen Kita-Neubau investieren. Hier sollen 180 Plätze entstehen (wir berichteten). Mit der bereits bestehenden Kita Wabe am Birnenweg ist der geplante Waldkindergarten dann die dritte Einrichtung des Trägers in Lauenburg.

In der Wabe stellen die Kinder die meisten Regeln auf

Das offene Konzept der Wabe räumt den Kindern viel eigenen Gestaltungsspielraum ein, hier stellen sie die meisten Regeln selbst auf. Sie entscheiden, wann sie essen oder schlafen möchten, wer sie trösten oder mit ihnen Geburtstag feiern darf, wann sie draußen toben oder lieber singen wollen. Für dieses Konzept kam die Kita Wabe im Juni bei der Verleihung des Deutschen Kita-Preises auf den zweiten Platz.

Doch wenn sich die Eltern für diesen pädagogischen Ansatz nicht begeistern können, bleibt ihnen künftig nur, auf einen Platz in der evangelischen Kindertagesstätte zu hoffen. Wie berichtet, muss die vom Deutschen Roten Kreuz getragene Elbkita nach Kündigung der Räumlichkeiten wahrscheinlich zum Jahresende schließen. Eine Lösung der Raumfrage für die Kinder der Elbkita gibt es bisher nicht. 40 Jungen und Mädchen sowie ihre Eltern wären von der Schließung ab Dezember betroffen.

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Idee des Waldkindergartens stammt aus Skandinavien

Ella Flatau aus dem dänischen Sölleröd gründete in den 1950er-Jahren den ersten Waldkindergarten, nachdem sie zunächst mit ihren eigenen und mit Nachbarskindern häufig in den Wald gegangen war. Diese Form der Kinderbetreuung rief bei anderen Eltern großes Interesse hervor. Sie schlossen sich zusammen und gründeten eine Initiative für einen Waldkindergarten – eine Idee, die sich im skandinavischen Raum immer weiter ausbreitete.

Der erste Wald- und Naturkindergarten in Deutschland entstand bereits 1968 in Wiesbaden. Dieser erhielt vom Jugendamt nie eine offizielle Genehmigung. Die Bewegung fand in Deutschland erst in den 1990er-Jahren größeren Anklang. Der erste anerkannte Waldkindergarten startete am 3. Mai 1993 in Flensburg. Heute gibt es weit über 1500 derartige Kitas in Deutschland. Im Waldkindergarten wird in der Regel auf handelsübliches Spielzeug verzichtet. Die Kinder spielen mit Naturgegenständen, die sie in ihrer Umgebung finden. Finanziell trägt sich ein Waldkindergarten meist durch staatliche Zuschüsse, Spenden und Elternbeiträge.

Über das Vorhaben des Vereins Wabe in Lauenburg einen Waldkindergarten zu errichten, berät der Ausschuss für Bürgerangelegenheiten, Soziales, Jugend und Sport während der Sitzung am Dienstag, 16. August, 19 Uhr im Haus der Begegnung, Fürstengarten 29.

( er )

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