Lauenburg

Neue Fassade für ehemaliges Hotel „Zum Posthof“

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Elke Richel
Das Hotel „Zum Posthof“ in den 1960er-Jahren mit Außengastronomie und dem benachbarten Kino.

Das Hotel „Zum Posthof“ in den 1960er-Jahren mit Außengastronomie und dem benachbarten Kino.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Das historisches Gebäude von 1869 steht nicht auf der Denkmalliste des Landes. Eigentümer haben freie Hand bei der Umgestaltung.

Lauenburg. Eines der prägendsten Gebäude in der Lauenburger Innenstadt ist derzeit eingerüstet und verhüllt. Das ehemalige Hotel „Zum Posthof“ soll eine neue Fassade bekommen. Die Eigentümer Pande und Lidija Hristov haben sich vorgenommen, das historische Gebäude aus dem Jahr 1869 auch äußerlich so umzugestalten, dass es an die Glanzzeiten des Traditionshauses erinnert. Dabei haben sie allerdings relativ freie Hand, denn das Gebäude steht weder auf der Liste der Kulturdenkmäler des
Landes, noch gibt es bisher eine Gestaltungssatzung für die Lauenburger Innenstadt.

Frische Salate, selbst gemachtes Eis und natürlich Pizza – das sind die Aushängeschilder der Pizzeria Vita Nova am Fürstengarten. Den Namen hatten Pande und Lidija Hristov nicht zufällig gewählt. Schließlich heißt Vita Nova auf Deutsch „Neues Leben“ – und das sollte endlich in das ehemalige Hotel „Zum Posthof“ einziehen, als die beiden Gastronomen vor fünf Jahren den Kaufvertrag für das Gebäude unterschrieben. Eigentlich wollte Projektentwickler Frank Kiefaber den Posthof sanieren. Er plante ursprünglich ein Ladengeschäft und zwei bis vier Wohnungen in dem Gebäude einzurichten. Doch das Projekt platzte, so wie alle anderen Pläne, die Kiefaber in Lauenburg verwirklichen wollte.

Sanierung mit Eingriff in die historische Gebäudesubstanz

Doch Pande Hristov und seine Frau, die vor 28 Jahren aus Mazedonien nach Deutschland kamen, legten los. Dabei hatten auch sie zunächst nicht viel Glück bei ihrem Vorhaben: Gleich am Anfang machte ihnen die Pleite eines Bauunternehmers einen Strich durch die Rechnung. Und als der Flachbau der neben dem Posthof liegenden Disco Oxxo abgerissen wurde, hatten sich Risse an einem Nachbarhaus gebildet. Ein Baustopp war die Folge. „Die Sache hat sich erledigt“, munkelte man hinter vorgehaltener Hand.

Doch die beiden haben sich von den Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Selbst dann nicht, als im Januar 2019 ein Wasserschaden dazu führte, dass die Pizzeria für über ein Jahr schließen musste. Wieder stand eine Grundsanierung an und schon da hatte sich das Paar vorgenommen, auch die Fassade zu sanieren. Denn die ist mittlerweile alles andere als ein Aushängeschild. Putz blättert an allen Ecken und Enden des Hauses ab.

Paar investierte 500.000 Euro in den Umbau

Doch nicht nur das ist vielen Lauenburgern mittlerweile ein Dorn im Auge. Hristov hatte vor der Eröffnung der Pizzeria neue, große Fenster einbauen lassen. Ursprünglich gab es kleine Sprossenfenster in dem Gebäude. Dass diese nun verschwunden sind, ist der Tatsache geschuldet, dass der historische Posthof nicht auf der Denkmalschutzliste des Landes steht. „Sonst hätte ich die Finger davon gelassen“, sagt der Eigentümer.

Auch so sei der Umbau kein Schnäppchen gewesen – rund 500.000 Euro investierte das Paar in seinen Traum. Der Eingriff in die historische Gebäudestruktur traf bei der Politik auf Kritik. „Wenn ich mir das historische Gebäude des Alten Posthofes nach der Sanierung anschaue, kann ich mich nur wundern, dass die riesigen Fenster genehmigt wurden“, monierte Stadtvertreter Christian Stockfisch (CDU) und forderte in diesem Zusammenhang eine übergreifende Bauplanung für die Innenstadt, die sowohl die großen als auch die privaten Bauvorhaben einbezieht.

Welchen Farbanstrich das ehemalige Hotel „Zum Posthof“ erhalten soll, weiß Hristov noch nicht. Vorgaben der Stadt gäbe es nicht, wohl aber die Bitte von Bürgermeister Andreas Thiede, sich diesbezüglich an den Nachbargebäuden zu orientieren. Vorerst plagen Pande Hristov aber andere Sorgen: Zwar steht das Gerüst mittlerweile, aber sonst tut sich nichts. „Die Auftragsbücher der Fassadenbaufirmen sind bis auf Weiteres voll“, bedauert er.

Infos zum Hotel „ Zum Posthof“: Überliefert ist, dass im Jahre 1709 an der Stelle, wo heute der „Alte Posthof“ steht, ein Gasthof „Weißes Roß“ errichtet wurde. Bald gelangte das Haus in den Besitz der Familie Körting, die es über Generationen als Wirtshaus führte. Diese Ära ging durch einen Brand im Jahre 1869 zu Ende, das Haus wurde komplett zerstört. Noch im gleichen Jahr erwarb Gastwirt Wilhelm Schack das Anwesen und baute das Hotel „Zum Posthof“ auf. Nach Kriegsende diente das Gebäude den britischen Truppen als Unterkunft. Im Jahre 1946 brannte es wieder in der nun englischen Truppenunterkunft. Ab 1951 zeigte das benachbarte Kino Schauburg dort die neuesten Filme. Für das Hotel „Zum Posthof“, das bis 1989 als solches geführt wurde, begannen ruhigere Zeiten. Noch 1999 gab’s im Haus ein Restaurant mit Bowling-Center. 2003 brannte es erneut, sechs Personen wurden verletzt

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