Lauenburg

Mehr Platz soll Wirten mehr Umsatz bringen

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Elke Richel
Nur an Veranstaltungstagen darf normalerweise der hintere Bereich des Ruferplatzes gastronomisch genutzt werden. Das könnte sich jetzt ändern.

Nur an Veranstaltungstagen darf normalerweise der hintere Bereich des Ruferplatzes gastronomisch genutzt werden. Das könnte sich jetzt ändern.

Foto: BGZ

Politiker sind sich einig: Gastronomen erhalten Spielraum, den Außenbereich zu erweitern. Doch nur wenigen Wirten ist das möglich.

Lauenburg.  Erst komplette Schließung, dann strenge Auflagen – Gastronomen sind durch die Corona-Krise besonders gebeutelt. Mittlerweile haben sich bundesweit immer mehr Kommunen entschlossen, großzügig zu sein, wenn es um die Sondernutzung von Flächen im Außenbereich geht. In Lauenburg hatten die Grünen während der Hauptausschusssitzung vor zwei Wochen einen Antrag eingebracht, der ebenfalls in diese Richtung ging. Am vergangenen Montag lag der Antrag den Stadtvertretern vor, die über die Gebührenbefreiung für die Erweiterung der Außengastronomie entscheiden musste.

Um es vorweg zu nehmen: Großen Diskussionsbedarf gab es in dieser Frage nicht. Fraktionsübergreifend war man sich einig, dass auch in Lauenburg möglich sein sollte, was mittlerweile in vielen Städten gang und gäbe ist: Wer in dieser Sommersaison einen Antrag auf Erweiterung von Flächen der Außengastronomie stellt, kann ohne zusätzliche Gebühren mit Genehmigung rechnen. Gleiches gilt für Gewerbetreibende, die ihren Kunden Sitzmöglichkeiten auf öffentliche Flächen stellen möchten, wenn dieser aufgrund der Coronabeschränkungen zum Warten vor dem Geschäft gezwungen sind.

Gastronomen können nicht jede Fläche belegen

„Wir sind Gastronomen wohlgesonnen, wenn es um Erweiterung der Außenbereiche geht“, versicherte der Leiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg. Allerdings könne nicht jede Fläche belegt werden. „Wenn dort jetzt ein Parkverbotsschild steht, können wir nicht Tische und Stühle hinstellen“, erläuterte er. An diesem Punkt hakte auch Lauenburgs Behindertenbeauftragter, Siegfried Betge ein und verwies darauf, dass vielerorts in Lauenburg die Gehwege deutlich schmaler seien, als vorgeschrieben. „Das können dann nicht noch Stühle vor den Geschäften stehen“, mahnte er an. Unter der Voraussetzung, dass in jedem Falle vor der Genehmigung die Verkehrssicherheit Vorrang hätte, stimmten die Stadtvertreter einstimmig für den Vorschlag der Grünen.

Resonanz der Lauenburger Gastronomen ist zwiegespalten

Lauenburgs Gastronomen sind sich nicht einig, ob die neue Regelung mehr Gäste und damit mehr Umsatz bringt. Begeistert ist Amar Farizan, Chef des Rufers auf dem Platz, der dem Restaurant seinen Namen gab. „Das ist eine ganz hervorragende Entscheidung. Natürlich werde ich beantragen, den Außenbereich auf dem Ruferplatz zu erweitern“, sagt er. Sorge, dass ihm für einen größeren Außenbereich die Servicekräfte fehlen könnten, habe habe er nicht. „Da sind wir flexibel“, versichert er. Für Karsten Neugebauer aus dem Restaurant Schifferbörse ist der Beschluss dagegen eine „Katastrophe“. Wie die meisten Wirte in der Altstadt hat er keinen Außenbereich in Richtung Elbstraße, den er erweitern könnte. „Das hilft nur wenigen Gastronomen“, ärgert er sich.

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Lauenburger Gastronomen zwischen Hoffnung und Skepsis

Henrik Schmidt aus dem Café von Herzen ist skeptisch, dass mehr Plätze den Lauenburger Gastronomen automatisch mehr Gäste bringen würden. „Bei uns musste bisher kaum ein Gast warten, weil alle Tische besetzt waren, trotz der Abstandsregeln“, sagt er. Michael Hennigsen vom benachbarten Eiscafé Lucias Genusseria hatte schon im Vorfeld des Stadtvertreterbeschlusses angekündigt, dass er gern mehr Tische aufstellen würde, vorzugsweise an der begrünten Wand des Elbschifffahrtsmuseums. Doch dieser Idee hatte Reinhard Nieberg schon während der Stadtvertretersitzung eine Absage erteilt.

Gastronomen in Geesthacht nutzen das Angebot kaum

In Geesthacht hatte die Ratsversammlung bereits Mitte Juni beschlossen, dass die Gastronomen ihren Außenflächen bis Jahresende kostenlos vergrößern dürfen. Doch es zeigte sich: Nur wenige Restaurant und Cafés machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Abgesehen davon, dass derzeit die Plätze selten knapp werden, stellte sich noch ein anderes Problem: Nach jedem Gast müssen Tische und Stühle desinfiziert werden. Wegen der angespannten finanziellen Situation können die meisten Gastronomen aber kein zusätzliches Personal beschäftigen. Der Aufwand durch die Hygienevorschriften sei bei mehr Tischen nicht zu bewältigen, so die mehrheitliche Meinung.

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