Dan Tobacco

Lauenburgs Hafenstraße 30 – Mekka für Pfeifenliebhaber

| Lesedauer: 4 Minuten
Pfeifenmacher Holmer Knudsen arbeitet in seiner Werkstatt gerade an einem neuen Pfeifenmundstück. Seit 2004 ist er mit seiner Firma in der Hafenstraße ansässig.

Pfeifenmacher Holmer Knudsen arbeitet in seiner Werkstatt gerade an einem neuen Pfeifenmundstück. Seit 2004 ist er mit seiner Firma in der Hafenstraße ansässig.

Foto: Isabella Sauer

Das Gebäude in der Hafenstraße gibt es seit 135 Jahren. Mittlerweile sind dort vier Firmen unter einem Dach. Grund zum Feiern.

Lauenburg. Während in den meisten Kneipen und Restaurants sowie an öffentlichen Plätzen das Rauchen strikt verboten ist, ist hier das Qualmen ausdrücklich erwünscht: Im kleinen Ladengeschäft der Firma Dan Tobacco Manufacturing GmbH in der Hafenstraße 30 in Lauenburg.

Auf der rechten Seite des Tabakstübchens lädt eine kleine Sitzgarnitur zum Verweilen ein. Geradeaus ist eine riesige, alte Apotheken-Schrankwand aus massivem Mahagoni-Holz zu finden. Anstatt mit Medikamenten sind die Regale mit Tabak, handgefertigten Pfeifen und Accessoires wie Aschenbecher und Mundstücke gefüllt. Es ist ein Einkaufsort mit echter Nostalgie. Der Gedanke, Sherlock Holmes könnte gleich hereinspazieren und seinen Tabak kaufen, erscheint inmitten des Ladens nicht abwegig. Der eher angenehm süßlich
riechende Tabakduft tut sein Übriges.

Tabak- und Pfeifenlieferungen in die USA, Russland und China

Die Firma Dan Pipe wurde 1972 von Heiko Behrens in Hamburg gegründet. Während anfangs handgemachte Pfeifen und Tabak von dänischen Pfeifenmachern ins Katalogsortiment aufgenommen wurden, kam später eine Pfeifen- und Reparaturwerkstatt hinzu. In den 1980er-Jahren reifte dann der Gedanke, eine eigene Tabakproduktion aufzubauen. In Lauenburg fand sich schließlich ein geeignetes Gebäude. Sales-Koordinatorin Maryke Litty führt die Historie weiter aus: „Im Jahr 1990 ist dann die Schwesterfirma DTM Dan Tobacco ins Leben gerufen worden.“ Heute stellt diese verschiedenste Tabakmixturen her, die als Eigenmarken über Dan Pipe vertrieben werden. Unter anderem in die USA, nach Russland und Japan.

Im Jahr 2001 kam Dan Pipe ebenfalls in die Elbstadt. Der Grund: Ein Feuer hatte das historische Reetdachhaus aus dem 18. Jahrhundert in Curslack zerstört. „Somit zog Firma Nummer zwei in die Hafenstraße“, sagt Litty, die durch das Tabakstübchen hindurch zur Exportpackerei geht. Hier werden große Mengen an Tabak per Hand verpackt: rund 60.000 Kilogramm im Jahr.

Auch die Firma Holmer Knudsen Pipes hat seinen Platz in dem alten Massivsteingebäude gefunden. Seit 2004 fertigt Holmer Knudsen (59), der gebürtig aus Husum kommt, Pfeifen an. „Bis zu zwei Tage sitze ich an einem Exemplar“, sagt er, schweift mit seinem Blick durch die Werkstatt und arbeitet mit aller Akribie an einem Mundstück weiter.

Mike Klapp eröffnet im April seine Firma Elbmade

Je nach Holzart können die Pfeifen zwischen 80 und weit über mehrere Hundert Euro kosten. Die meisten Abnehmer hat Knudsen in China. Warum? „Dort gibt es viele reiche Menschen, die Luxusartikel wie Pfeifen sammeln.“ Einmal im Jahr fliegt Holmer Knudsen selbst ins Reich der Mitte, besucht dort die „International Pipe Art Show“. Aufgrund des Coronavirus sei die aber für dieses Jahr abgesagt.

Ganz unten im Gebäude in der Hafenstraße hat Mike Klapp (44) seit diesem Monat seine Firma Elbmade untergebracht. „Meine Gruft“, sagt er, lacht und zeigt auf einen noch leeren Raum. „Hier muss ich noch ein bisschen renovieren.“ Und dann will er mit seiner bildenden Kunst aus Metall loslegen. Accessoires für Raucher sollen entstehen, aber auch Fahrräder oder andere Dinge. Seiner Kreativität seien keine Grenzen gesetzt.

Gebäude in der Hafenstraße war einst eine Malzfabrik

Nun planen alle Bewohner des Hauses am Sonnabend, 18. April, einen Tag der offenen Tür. Elbmade und Mike Klapp feiern Eröffnung und auch das bis dahin sanierte Ladengeschäft wartet auf seine Kunden.

Doch damit ist es des Anlasses nicht genug: Das Gebäude in der Hafenstraße wird 135 Jahre alt. Es wurde einst als Malzfabrik errichtet. 1919 kam es zum Umbau der Fabrik durch Chemische Werke Wagner-Rösgen und 1946 fand die Holzverarbeitung von A. Schütze & Stock dort ihre Heimat.

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