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Sozialverband streicht Sprechstunde in Lauenburg

Die Kreisvorsitzende des Sozialverbandes, Astrid Kosiolek hält keine Sprechstunden mehr in Lauenburg ab.

Die Kreisvorsitzende des Sozialverbandes, Astrid Kosiolek hält keine Sprechstunden mehr in Lauenburg ab.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. Ab sofort hält der Sozialverband in Lauenburg keine Sprechstunden mehr ab. Wer Hilfe braucht, muss nach Geesthacht oder Mölln.

Lauenburg.  Rentenbescheide, Pflegegradanträge oder Schwerbeschädigtenausweise – das alles ist mit jeder Menge Papierkram verbunden. Dazu kommen immer wieder Gesetzesänderungen. Kaum jemand findet sich im Dschungel des Sozialrechts allein zurecht.

Der Sozialverband Deutschland vertritt die Interessen der gesetzlich Renten- und Krankenversicherten sowie der pflegebedürftigen und behinderten Menschen. In Lauenburg gab es bisher während der regelmäßigen Sprechstunden des Kreisverbandes Rat und Hilfe. Damit ist jetzt Schluss. Wer eine Auskunft braucht, muss ab sofort zur den Sprechzeiten bis nach Geesthacht fahren oder die Geschäftsstelle in Mölln aufsuchen.

„Das ist auf ehrenamtlicher Basis nicht mehr zu leisten“, sagt die Kreisvorsitzende Astrid Kosiolek. Sie ist 1976 dem Sozialverband beigetreten, wurde 1988 Ortsvorsitzende in Wentorf, wechselte dann 1996 nach Schwarzenbek. Später wurde die heute 74-Jährige ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht Lübeck. Ein Amt, das sie bis zu ihrem 70. Geburtstag bekleidete.

Innerhalb ihres Verbandes gilt die ehemalige kaufmännische Angestellte als Expertin auf dem Gebiet der Grundsicherung im Alter und hat auch maßgeblich bei den sozialpolitischen Grundlagen des Sozialverbandes mitgewirkt.

Manchmal kam auch niemand mehr zur Sprechstunde

Während der monatlichen Sprechstunden im Magistratssaal des Schlossgebäudes ist Astrid Kosiolek mit Betroffenen Antragsformulare durchgegangen oder hat Widersprüche formuliert. Später wurden die Vorgänge – jede Menge handbeschriebenes Papier – in der Möllner Geschäftsstelle im Computer erfasst. Manchmal sei aber auch niemand zur 90-minütigen Sprechstunde gekommen.

„Es tut mir leid, aber der Aufwand ist nicht mehr gerechtfertigt“, bedauert Kosiolek. Manchmal hätten die Sprechstunden auch abgesagt werden müssen. Bürgermeister Andreas Thiede hat Verständnis für die Einstellung der Sprechstunde in Lauenburg. „Es ist ja nicht so, dass die Leute keine Hilfe mehr benötigen. Doch die Informationswege sind einfach andere geworden“, sagt er.

450 Mitglieder gibt es in Lauenburg

Tatsächlich ist der Sozialverband in Lauenburg keineswegs abgeschrieben. 450 Mitglieder zählt der Ortsverband derzeit. „Wir haben natürlich auch diskutiert, was die Einstellung der Sprechstunde in Lauenburg bedeutet. Möglicherweise können Vorgänge jetzt sogar schneller bearbeitet werden. Weil sie ja im Computersystem in Mölln oder Geesthacht sofort erfasst werden und nicht erst nachgetragen werden müssen“, hofft die Vorsitzende des Ortsverbandes, Ursula Strube.

Lauenburger Ratsuchende, mit denen Astrid Kosiolek über einen längeren Zeitraum zu tun hatte, können auch weiterhin auf ihre Hilfe bauen. Ihnen habe sie bereits versprochen, sich weiter um ihre Angelegenheiten zu kümmern, sagt sie. Für alle anderen Mitglieder des Sozialverbandes ist ab sofort die Geschäftsstelle in Geesthacht im Gebäude des Arbeiter-Samariter-Bundes (Geesthachter Straße 82) zuständig. Wer Fragen hat, kann sich außerdem an die Kreisgeschäftsstelle in Mölln unter der Telefonnummer (0 45 42) 8 27 74 77 wenden.