Raddampfer

Auf dem „Kaiser Wilhelm“ bleibt nie die Küche kalt

Smutje Jan Freystatzky bekocht bis zu 200 Gäste auf dem "Kaiser Wilhelm".

Smutje Jan Freystatzky bekocht bis zu 200 Gäste auf dem "Kaiser Wilhelm".

Foto: Tomaszewski

Lauenburg. Gäste an Bord des „Kaiser Wilhelm“ erwartet nicht nur eine historische Schiffsfahrt. Sie werden auch kulinarisch verwöhnt.

„Koch, ich bin einfach nur Koch“, sagt Jan Freystatzky. Anders als etwa der Klempner, der jetzt Gas- und Wasserinstallateur heißt, ist es bei seiner kurzen Berufsbezeichnung immer geblieben. Auf einem Schiff heißt der Koch allerdings Smutje und das ist Freystatzky in seiner Freizeit auf dem Raddampfer „Kaiser Wilhelm“. Mit bis zu sieben Mitarbeitern, die wie er ehrenamtlich auf dem Schiff tätig sind, sorgt er für das leibliche Wohl der Fahrgäste.

Und da kann es in der Kombüse dann schon mal ziemlich eng werden: Viereinhalb Meter ist der Raddampfer maximal breit. Die Kombüse liegt direkt vor den Radkästen der Schaufelräder und wird vom Treppenabgang zum Salon durchschnitten. So bleibt ein schmaler, U-förmiger Raum, in dem das Essen vorbereitet, gekocht, ausgegeben und das schmutzige Geschirr angenommen und abgewaschen wird. „Wenn sich beim gemeinsamen Arbeiten vorne einer umdreht, muss der hinten sich mitdrehen“, flachst Freystatzky.

Für lange Touren fährt ein Versorgungsfahrzeug mit

Dazu kommt die Wärme des Kohleherdes und des Elektroherdes bei sommerlichen Temperaturen: „Ich weiß nicht, ob es bei uns in der Kombüse heißer ist oder bei den Heizern im Maschinenraum.“ sagt er schmunzelnd. Obwohl das Schiff zwölf Tonnen Kohle an Bord hat, wird der Herd mit eigener Braunkohle beheizt. „Die Steinkohle für die Maschine können wir nicht nehmen, die wird über 800 Grad heiß. Da glüht der Herd durch.“

Im Gegensatz zu früher buchen die Passagiere heute auch die Kurzfahrten im Voraus. Es gibt nur wenige spontane Fahrgäste an Bord. Dadurch ist das Essen besser planbar. Bei Mehrtagestouren fährt ein Versorgungsfahrzeug parallel zur Strecke und versorgt die Kombüse jeden Tag mit den frischen Zutaten.

„Auf kurzen Touren nach Bleckede oder Hamburg bieten wir immer ein wechselndes Tagesgericht an“, erzählt der Smutje. Das reicht von deftigem Labskaus mit Spiegelei über Tafelspitz mit Meerrettichsoße bis zum Hirschbraten. Es geht aber auch ausgefallener, etwa Currygeschnetzeltes mit gebackenen Glasnudeln. „Die Idee mit den Glasnudeln habe ich aus einem japanischen Kochbuch und dachte, ich probiere es mal aus“, sagt Jan Freystatzky.

Als ein Schweizer Passagier auf seine Nachfrage nach dem Essen die lakonische Antwort „Schwienschiet mit Dill!“ bekommt, meint der begeistert: „Ich esse alles, es ist so lecker, was Sie kochen.“ „Lob kriegen wir öfter mal zu hören“, freut sich der Smutje.

Bis zu 200 Essen werden an Bord serviert

Auf mehrtägigen Fahrten erwartet die Passagier jeden Tag ein Mittagessen und ein Kuchengedeck. Dafür muss die Küchenmannschaft Essen für bis zu zweihundert Personen herrichten – eine logistische Meisterleistung.

Beim traditionellen Schlemmerbuffet zum Ende der Saison wird es besonders heikel: „Da müssen wir einen Tag vorher mit den Vorbereitungen anfangen“, sagt der Smutje. Und manchmal muss die Crew auch improvisieren: Als sie in Havelberg einmal keine geschälten Kartoffeln geliefert bekommen, holen sie abends eben welche aus dem örtlichen Supermarkt.

„Einige Gäste haben sich spontan angeboten, beim Kartoffelschälen zu helfen. Aber um sechs Uhr morgens wollte keiner so recht. Sie hätten aus hygienerechtlichen Gründen sowieso nicht mitmachen dürfen“, sagt Freystatzky.

Wie jede gastronomische Einrichtung muss sich auch die Mannschaft in der Kombüse an gesetzliche Auflagen halten: Gesundheitszeugnisse, Temperatur- und Reinigungsprotokolle und das Ausweisen von Zusatzstoffen und Allergenen gehören dazu. „Nur die vorgeschriebene Deckenhöhe, die in der Gastronomie zwei Meter sechzig betragen muss, gilt für uns nicht, wir haben nur zwei Meter und fünf“, sagt der Koch grinsend.

2020 unternimmt der „Kaiser Wilhelm“ eine Jubiläumsfahrt zu seinem Ursprungsort an die Weser, dann liegt er genau 50 Jahre in Lauenburg vor Anker.

Heizer, Maschinisten und Deckspersonal gesucht

Bis 2040 müssen wir aber noch mindestens fahren. Dann fahren wir länger auf der Elbe als auf der Weser.“, erklärt der Smutje augenzwinkernd.

Wer am Bord mitarbeiten möchte, ist gern gesehen: Heizer, Maschinisten und Deckspersonal werden immer gesucht. Informationen rund um den Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ gibt es online auf der Seite www.raddampfer-kaiser -wilhelm.de. Offiziell beginnt die Saison am Sonntag, 28. April, am „Kurs Elbe.Tag“ in Lauenburg.