Einwandtanker

Funktionsfähige Schiffe, die nur noch Schrottwert haben

In Lauenburg reihen sich nicht mehr benötigte Binnenschiffe aneinander.

In Lauenburg reihen sich nicht mehr benötigte Binnenschiffe aneinander.

Foto: Timo Jann

Lauenburg. Am Lösch- und Ladeplatz reihen sich derzeit Frachtschiffe aneinander: Einwandtanker, denen geeignete Ladung fehlt.

Lauenburg.  Ein Problem sind die in Lauenburg liegenden Schiffe bisher nicht, es herrscht noch kein Platzmangel an den Liegestellen“, erklärt Tilman Treber, der Leiter des Lauenburger Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA). Es gibt aber zwei Bedingungen: Die dort liegenden Schiffe müssen müssen noch zugelassen sein. Außerdem müssten die Schiffe, die verkehren, bei Bedarf noch genügend Liegemöglichkeiten finden.

Wie berichtet wird auf der Hitzler-Werft gerade der frühere Einhüllentanker „Dettmer Tank 51“ zum 23,50 Meter langen Schub-Schlepper umgebaut. Das Mittelschiff mit den Tankkammern wurde zunächst von Bug und Heck getrennt, die beiden Enden neu zusammengesetzt. Für diese sinnvolle Nachnutzung eines Einhüllentankers, hat die Firma Rüdebusch die Hitzler-Werft beauftragt.

Andere ausrangierte Tanker dürften wohl demnächst bei Heiko Miersen landen. Der Hamburger Unternehmer betreibt in Deutschland die einzige Abwrackwerft. Mit den Verantwortlichen der Hitzler-Werft und der Firma Rüdebusch steht er in Kontakt. „Wir stehen da in engem Austausch. Wir suchen nach Lösungen, die teilweise noch gut erhaltenen Schiffe irgendwie vernünftig umnutzen zu können“, berichtet Miersen.

Aus für bis zu 150 Schiffe

Er ist im wahrsten Sinne des Wortes mit im Boot, weil er das Mittelschiff des alten „Dettmer Tank 51“ verwerten könnte. Sein Betriebsgelände in Hamburg befindet sich direkt neben dem Moorburger Kohlekraftwerk. „Wir liegen da an einem Kanal. Wenn der durch die Tide zweimal täglich trocken fällt, zerlegen wir dort Binnenschiffe“, berichtet Miersen. Er schätzt, dass das Aus für die Einhüllentanker 100 bis 150 Schiffe betrifft. Die meisten davon dürften noch in Nord- und Mitteldeutschland unterwegs sein, weil das Verbot zum Gefahrstofftransport für diese Schiffstypen auf dem Rhein schon längere Zeit gilt.

Etwa 300 Tonnen Stahl fallen bei einem gut 80 Meter langen Binnenschiff beim Abwracken an. Vor dem Zerlegen werden sämtliche Tanks und Leitungen gereinigt, um die Elbe nicht zu verschmutzen. Etwa eineinhalb bis zwei Wochen dauert es, so einen Frachter zu zerlegen. Der alte Stahl geht dann in die Stahlwerke nach Hamburg und Bremen oder in den Export und wird bei der Produktion neuen Stahls eingesetzt. „Wir schneiden das Material zum Großteil kalt“, erklärt Miersen. Er setzt dazu eine dicke Hydraulikschere ein. Eine Arbeit, die er sich auch in Lauenburg vorstellen könnte. „Mit der Werft hier arbeiten wir gut zusammen, das ist eine gute Partnerschaft. Da werden wir sicher noch einige neue Ideen entwickeln.

Reeder hoffen auf Wunder

Wir haben ja erst begonnen, unsere Kräfte zu bündeln“, meint Miersen. Voraussichtlich wird er den Rest des verkürzten „Dettmer Tank 51“ zerlegen, um auf dieser Grundlage eine genaue Kostenkalkulation für das gesamte Umbauprojekt des Einhüllentankers zu erstellen. Glücklicher Umstand: Derzeit gibt es einen guten Preis für für Schrott.

Derweil hoffen einige Reeder betroffener Schiffe noch auf kleine Wunder. Speiseöl etwa dürfte derzeit noch in Einhüllentrankern verschifft werden. Die Besatzungen der Binnenschiffe am Lösch- und Ladeplatz sind alle deutlich älter als 60 Jahre und fahren ohnehin nur noch sehr selten. Da die Liegeplätze gebührenfrei sind, kostet der Unterhalt der in Lauenburg stillliegenden Frachter nur wenig Geld. Und selbstständige Besatzungen, wie die der Frachter am Lösch- und Ladeplatz, haben neben dem Erlösausfall wenigstens keine teuren Lohnkosten.