Lauenburg/Lütau.

Einstige „Vernunftsehe“ feiert goldene Hochzeit

Verwaltungsgemeinschaft zwischen Lauenburg und dem Amt Lütau bewährt sich seit 50 Jahren

Lauenburg/Lütau.  Knapp 50 Zeilen widmete die Lauenburische Landeszeitung vor 50 Jahren einem Ereignis, dass heute noch immer eine große Bedeutung hat: Die Begründung
der Verwaltungsgemeinschaft zwischen der Stadt Lauenburg und dem Amt Lütau.

Vielleicht lag das daran, dass die Verbindung anfangs eher eine Zweckehe als eine Liebesheirat war. Im Jahre 1966 legte die Landesregierung von Schleswig-Holstein nämlich fest, dass Ämter künftig eine Mindestgröße von 5000 Einwohner haben mussten. Davon war das Amt Lütau mit damals nicht mal 3000 Einwohnern weit entfernt. Selbst heute wäre dieses Kriterium mit einer Einwohnerzahl von rund 4000 nicht erfüllt. „Für das Amt Lütau gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Zusammenlegung mit dem Amt Büchen oder die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Lauenburg“, schrieb die Lauenburgische Landeszeitung am 12. August 1968.

Was folgte, waren langwierige Diskussionen. Landrat Gerhard Wandschneider plädierte für eine Fusion mit dem Amt Büchen, Kreispräsident Gustav Drevs schlug vor, Gülzow und Witzeeze dem Amt Lütau „zuzuschlagen“. Auch in den Dörfern war man sich nicht einig: Dalldorf und Wangelau wollten zunächst nach Büchen. Erst als das Land auf eine Entscheidung drängte, gab man sich einen Ruck: Im September 1968 stimmte der Amtsausschuss einstimmig für die Fusion. Die Lauenburger Stadtvertreter segneten die „Vernunftsehe“ ebenfalls ab.

Damit war die Sache klar: Das Amt Lütau überträgt der Stadt Lauenburg zum Januar 1969 die Verwaltungsgeschäfte. „Lauenburg erhält als Entschädigung die persönlichen Kosten des Amtsinspektors Hochschildt sowie für zwei Verwaltungsangestellte, die übernommen werden. Ferner das Aufkommen für Verwaltungsgebühren, Zwangsgelder, Bußgeldern usw.“, schrieb die Zeitung.

Protest gegen drohende „Dreiecks-Beziehung“

Wie gut die einstige Zweckbeziehung dann doch funktionierte, zeigte sich, als im Jahr 2010 eine „Dreiecks-Beziehung“ drohte. Aufgrund der desolaten Haushaltslage der Stadt Lauenburg hatte das Land damals angeraten, eine Verwaltungsgemeinschaft mit Geesthacht einzugehen. „Ich befürchte die Zerschlagung der in mehr als 40 Jahren bewährten Gemeinschaft mit unserem Amt“, protestierte Amtsvorsteher Werner Schumacher und kündigte den „Widerstand der Dörfer“ an.

Die Befürchtung erfüllte sich nicht. Die Verwaltungsgemeinschaft zwischen Lauenburg und dem Amt Lütau feiert in diesem Monat goldene Hochzeit. Seit Juli 2018 lenkt Gerd Lüttge die Geschicke des Amtes Lütau. Sein Vorgänger Werner Schumacher feierte 2017 ein besonders Jubiläum: 30 Jahre als Amtsvorsteher.