Lauenburg.

Worlée glänzt beim UmweltschutzLeindotter

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Elke Richel

Responsible-Care-Preis Das Lauenburger Chemiewerk überzeugt auch bundesweit

Lauenburg.  Im Frühjahr dieses Jahres freute man sich beim Lauenburger Unternehmen Worlée über den Responsible-Care-Preis des Chemischen Industrie Landesverbands Nord (VCI Nord). Jetzt gibt es einen noch größeren Grund, stolz zu sein: Auch auf Bundesebene gehört Worlée zu den drei Empfängern des Responsible-Care-Preises 2018.

Das Projekt, für das Worlée ausgezeichnet wurde, hat auf den ersten Blick nicht viel mit Chemie zu tun: der nachhaltige Anbau von Leindotterpflanzen. Doch das Öl dieser Pflanzen eignet sich hervorragend zur Herstellung von Alkydharzen, die als Bindemittel in der Farb- und Lackindustrie eingesetzt werden.

In mehreren Testanbauflächen fanden Spezialisten des Unternehmens Wege heraus, die Pflanzen nachhaltig anzubauen – und zwar als Mischfrucht mit Erbsen. Das hat gleich mehrere Vorteile: In der Monokultur der Hülsenfrucht summt es eigentlich nicht, denn die Blüten sind selbstbestäubend und damit nicht auf Insekten angewiesen. Im Mischanbau mit Leindotter kommt ein zusätzliches Blütenangebot auf die Felder. Außerdem nimmt Leindotter Beikräutern durch sein schnelles Wachstum den Lebensraum. Nicht zuletzt dient Leindotter den Erbsenpflanzen als Rankhilfe. Da Leindotterpflanzen schnell wachsen, eignen sie sich außerdem optimal für den Zwischenfruchtanbau. Die Pflanzen werden dabei auf vorübergehend brachliegenden Ackerflächen, wie es sie beispielsweise zwischen dem Anbau von Sommer- und Wintergetreide gibt, angebaut. Doch das sind nicht die einzigen Pluspunkte der optisch unscheinbaren Pflanze: Leindotteröl kann viele Rohstoffe bei der Herstellung von Lasuren, Holzöle und Lacken nachhaltig ersetzen.

Das Leindotteröl wird bei Worlée zu einem Bindemittel veredelt, welches der Baufarbenhersteller Deutsche Amphibolinwerke zur Herstellung umweltfreundlicher Holzveredelungsprodukte wie Lasuren, Holzöle und Lacke benötigt. „Die von uns verwendeten Leindotterpflanzen benötigen keine zusätzlichen Ackerflächen und stehen daher nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelherstellung“, erklärt Dr. Toine Biemans, Leiter Forschung und Entwicklung bei Worlée.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium über einen Zeitraum von 2018 bis 2022. Es umfasst die Lieferkette vom Feld bis hin zum Endprodukt, sodass der gewonnene Leindotter letztendlich als Rohstoff für nachhaltige Holzveredelungsprodukte und Lacke verwendet werden kann. Neben Worlée und den Deutschen Amphibolinwerken sind regionale Landwirte in das Projekt eingebunden. Neben der Forschung zum optimalen Anbau der Pflanzen organisiert Worlée die Trennung von Erbsen und Leindotter nach der Ernte, die Ölpressung und die Vermarktung des wertvollen Leindotter-Presskuchens zur Futterverwertung.

Leindotter (Camelina sativa) gehört zu der Familie der Kreuzblütler. Die Nutzung hat eine lange Geschichte. Seit der keltischen Besiedlung ist die gelbblühende Pflanze als Nahrungspflanze bekannt. Leindotter ist relativ anspruchslos, hat Standortvorteile auf trockenen Böden und zeigt zudem die positive Eigenart, sich im Mischanbau an die Hauptfrucht anzupassen und als „Kavalierspflanze“ zu dienen. Dazu kommen ökologische Vorteile durch die rasche Bodendeckung, die das Aufkommen anderer Beikräuter unterdrückt, und das Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten in der Zeit der sommerlichen Trachtlücke. Leindotter ist daher auch in einigen Imkerblühmischungen enthalten.

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