Abenteuer

Eine Weltreise führt durch Lauenburg

| Lesedauer: 4 Minuten
Elke Richel
Sabrina Chinelato und Henrique Fonseca vor ihrem Land Rover.

Sabrina Chinelato und Henrique Fonseca vor ihrem Land Rover.

Foto: Ele Richel / privat / BGZ

Lauenburg. Sabrina Chinelato und Henrique Fonseca aus Brasilien wollen alle Kontinente erleben. Ihre Reise führt auch nach Lauenburg.

Sie wirken wie ein hübsches Paar aus einer Fernsehserie: Die 25-jährige Sabrina Chinelato ist dezent geschminkt, ihr sieben Jahre älterer Freund Henrique Fonseca trägt einen gepflegten, kurzen Bart, wie er jetzt modern ist. Wer die beiden Brasilianer sieht, kommt nicht auf den Gedanken, dass sie schon seit eineinhalb Jahren unterwegs sind und Nacht für Nacht in dem Klappzelt auf ihrem Land Rover schlafen. 21 Länder haben sie bereits besucht, seit sie am 9. Oktober 2016 in einem kleinen Ort Ostbrasiliens gestartet sind. Wir haben sie in Lauenburg getroffen.

Kontakte über soziale Netzwerke

In Brasilien sei es üblich, sich nur beim Vornamen zu nennen, stellen sie gleich am Anfang klar. Überhaupt wirken die beiden erfrischend unkompliziert. Über die Frage, wie sie ausgerechnet nach Lauenburg kommen, müssen sie lachen: „Es ist doch eine hübsche Stadt“, sagt Sabrina. Doch natürlich hat ihr Besuch hier einen anderen Grund – und es ist nicht der, der auf der Homepage der beiden zu lesen ist: Sie wollen in dreieinhalb Jahren die entlegensten Orte auf allen fünf Kontinenten kennenlernen.

In Wirklichkeit sind es oft die sozialen Netzwerke, die ihren Weg bestimmen. Über Instagram verfolgte eine junge Brasilianerin, die in Lüneburg lebt, die Reise der beiden Landsleute. „Kommt doch mal nach Norddeutschland“, lud sie die Weltenbummler ein. Da Sabrina und Henrique als nächstes ohnehin nach Europa wollten, war das nicht besonders abwegig. Und weil die Lüneburgerin die beste Freundin der geborenen Brasilianerin Debora Timm aus Lauenburg ist, lag es nahe, auch einen Abstecher hierher zu machen.

Neugier auf Länder und Menschen

Wo auch immer sie sind, versuchen Sabrina und Henrique mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Meist werden sie dann gefragt: Wie kommt man auf die Idee, auf eine lange Reise zu gehen, und wie finanziert man dieses Vorhaben überhaupt? Bereitwillig erzählt das Paar dann seine Geschichte. „Als wir uns vor sechs Jahren trafen, war klar, wir sind seelenverwandt. Wir träumten von einem anderen Leben, wollten an unsere Grenzen gehen und einem anderen Weg folgen“, erzählt Henrique. Dieser unruhige Geist hat beide zunächst auf eine 15 000 Kilometer lange Reise quer durch Brasilien geführt. Doch nach der Rückkehr war da wieder die Gewissheit, so vieles auf der Welt noch nicht gesehen zu haben. „Wir mussten eine Entscheidung treffen. Entweder wir konzentrieren uns jetzt auf berufliche Ziele oder wir folgen unserem Herzen“, sagt Sabrina.

In ein neues Leben aufgebrochen

Doch die Frage war längst entschieden. Der jungen Journalistin war klar: Schreiben kann sie überall. Henrique verkaufte seine kleine Textilfabrik und legte sich eine gute Kameraausrüstung zu. Überhaupt machten sie alles zu Geld, was sich verkaufen ließ. Sie erstanden einen alten, aber robusten Land Rover, der eine komplett neue Ausstattung erhielt, einschließlich einer Solaranlage zur Stromerzeugung.

Inzwischen haben Henrique und Sabrina keine Geldprobleme mehr. In den eineinhalb Jahren, die sie jetzt unterwegs sind, haben sie zwei Bücher veröffentlicht. Außerdem entwickelten sie ein Portal für Weltreisende. Südamerika, Mittelamerika und Nordamerika haben sie komplett durchquert. Schottland und Island waren die ersten Länder in Europa, die sie gesehen haben. Ihre Visa für die Schengenstaaten laufen in den nächsten Tagen aus. „Mal sehen, wo wir dann landen“, sagt Sabrina. Über das Ende ihrer Reise denken sie noch nicht nach. Und die Frage nach den bisher schönsten Erlebnissen erstaunt beide sichtlich. Offenbar gehört alles dazu: die Polarlichter in Alaska ebenso wie in Lauenburg der Platz im Kaffeegarten des Bellevue mit Blick auf die Elbe.

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