Barrierefreiheit

Lauenburgs Ecken und Kanten verschwinden

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Ute Dürkop und Elke Richel
Martina Schröter ist Sprecherin der Interessengemeinschaft Behinderte Menschen in Lauenburg. Die Absenkung der Bordsteine am Zob ist für sie ein wichtiges Signal

Martina Schröter ist Sprecherin der Interessengemeinschaft Behinderte Menschen in Lauenburg. Die Absenkung der Bordsteine am Zob ist für sie ein wichtiges Signal

Foto: Dürkop / BGZ

Lauenburg. Die Interessengemeinschaft „Behinderte Menschen in Lauenburg“ (IGBML) hat eine Absenkung der Bordsteinkanten am ZOB erreicht.

„Das ist zumindest ein Anfang“, sagt Martina Schröter. Zum ersten Mal kann die Rollstuhlfahrerin problemlos die Bordsteinkante des Bürgersteigs südlich vom ZOB passieren. Doch die Anschlussabsenkung an der
Warteinsel fehlt noch immer. „Der Bauhof wird die den Fußwegen gegenüberliegenden Bordsteine ebenfalls absenken“, verspricht Christian Fengler vom Bauamt.

Ínteressengemeinschaft hat Mängelliste aufgestellt

Martina Schröter gehört zum Sprecher-Team der Interessengemeinschaft „Behinderte Menschen in Lauenburg“ (IGBML). Mit der Absenkung der Bordsteinkanten am ZOB können die Mitglieder den ersten großen Haken auf ihrer Mängelliste machen, die sie der Stadt im vergangenen Jahr übergeben hatten. Vorausgegangen waren zwei spektakuläre Aktionen im vergangenen Jahr: Aus der ungewohnten Perspektive eines Rollstuhlfahrers konnten Interessierte im wahrsten Sinne des Wortes erfahren, wo in Lauenburg Gehbehinderten und Menschen im Rollstuhl das Leben schwer gemacht wird. An dem Experiment hatte sich außer einigen Stadtvertretern auch Bürgermeister Andreas Thiede beteiligt. Die Ergebnisse der Rolli-Touren fassten die Interessenvertreter der behinderten Lauenburger schließlich in einer mehrseitigen Fotodokumentation zusammen: Defekte Gehwegplatten, falsch platzierte Blumenkübel oder hohe Bordsteinkanten – die lange Mängelliste brachte an den Tag, wie weit Lauenburg von Barrierefreiheit noch entfernt ist.

Stadt nimmt erste Schritte in Angriff

Dass dann diese Zusammenstellung aus Kostengründen lange Zeit in der Schublade schmorte, stieß auf wenig Verständnis bei den Betroffenen. „Die schwierige Haushaltslage der Stadt ist bekannt, aber nach dem großen Interesse der Politiker an dem Rolli-Experiment wäre es ein fatales Signal, wenn dies keine Folgen hätte“, hatte Susanne Salamon von der IGBML im März gegenüber unserer Zeitung gesagt. Jetzt, ein halbes Jahr später, nun endlich das ersehnte Signal: Nach den Arbeiten am ZOB sollen weitere Bordsteinkanten am Askanierring und in der Nähe des Fürstengartens vorgenommen werden. Auf einen konkreten Zeitraum will sich die Stadt aber bisher nicht festlegen lassen.

Kampf um Barrierefreiheit in Lauenburg geht weiter

Für Martina Schröter sind diese Maßnahmen ein wichtiger Schritt, dass Lauenburg auch für Rollstuhlfahrer lebenswert ist. Ohnehin sieht sie ihre Behinderung nicht als Krankheit, sondern als eine andere Form des Lebens an. Deshalb ärgert sich auch darüber, wenn sie durch für andere kaum wahrnehmbare Hindernisse daran gehindert wird, ein für sie ganz normales Leben zu führen – so selbstständig wie möglich. „Die vermeintliche Hilfsbereitschaft vieler Menschen kann auch ziemlich anstrengend sein“, sagt Martina Schröter. Deshalb will sie sich weiter in der Interessengemeinschaft engagieren, damit der erste Schritt in Sachen Barrierefreiheit in Lauenburg nicht der letzte bleibt.

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