"Schoko-Flut" schwappt in den Bahnhof

Von Elke Richel

Lauenburg.
"Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt", sagt Rita Hansen lachend. Hätte ihr jemand vor zwei Jahren gesagt, dass sie und Lebensgefährte Fritz Hock einmal ein Hotel führen würden - sie hätte denjenigen wahrscheinlich für verrückt erklärt. Doch jetzt starten die beiden Betreiber der "Schoko-Flut" an der Elbstraße noch einmal so richtig durch: Im nächsten Monat wollen sie nicht nur das ehemalige Restaurant ZugSpitze am Bahnhof wieder eröffnen, sondern auch das dazugehörige Hotel mit zehn Zimmern. Auch der Bahnhofskiosk soll dann die Reisenden wieder mit Snacks, Zeitungen und anderen Kleinigkeiten versorgen.

Dass in den vergangenen Jahren die Betreiber der ZugSpitze mehrmals gewechselt haben und auch das vegetarische Restaurant sich schließlich nicht durchsetzen konnte, kann Rita Hansen und Fritz Hock nicht schrecken. Als sie vor zwei Jahren das Café Schoko-Flut eröffneten, hatten zunächst auch nur enge Freunde an ihren Erfolg geglaubt. Damals war nämlich nicht nur die Gastronomie Neuland für die beiden. Sie mussten sich mit den Hürden der Existenzgründung ebenso herumschlagen wie mit Lebensmittel-Verordnungen und anderen Vorschriften.

Aber Rita Hansen hatte damals einen großen Traum: ein kleines Café mit zwei oder drei Tischen, Kuchen und freundlichen Gästen, die sie mit ihren raffinierten Pralinen-Kreationen verwöhnen kann. Diese Idee kam schließlich so gut an, dass die beiden Betreiber ihr Angebot erweiterten: Inzwischen gibt es in der "Schoko-Flut" auch herzhafte Kleinigkeiten, die Koch Broder Lindvall in der Küche zaubert. "Erst als kleine Backstube gedacht, erweist sich jetzt die Küche als zu klein, und auch mit den Plätzen im Gastraum kommen wir schon lange nicht mehr aus", sagt Rita Hansen.

Doch dann spielte ihnen der Zufall einen Ball zu: "Wir erfuhren, dass das Restaurant am Bahnhof neu verpachtet werden soll. Das war die Gelegenheit, und innerhalb von fünf Tagen war die Sache klar", sagt Fritz Hock. Weil die beiden keine halben Sachen machen, zögerten sie nicht lange, auch den Pachtvertrag für das Hotel und den Kiosk mit zu unterschreiben.

Bei ihrem bewährten Konzept wollen die beiden Gastronomen bleiben. Broder Lindvall mussten sie nicht lange überzeugen, mit ihnen den Neuanfang zu wagen. Wie lässt sich das Speisenangebot am besten beschreiben? "Bayerisch-mediterran trifft es wohl am besten", sagt der Koch augenzwinkernd. So werden Salate in allen Varianten ebenso auf der Speisekarte stehen wie selbst gebackenes Gewürzbrot, Käsenocken, eine deftige Brotzeit oder süße Dampfnudeln. Natürlich müssen die Gäste auch auf die hausgemachten Torten nicht verzichten, für die die "Schoko-Flut" bekannt ist.

Rita Hansen und Fritz Hock sprühen vor Ideen, was ihr neues Projekt betrifft. Einen Biergarten wollen sie neben den Gleisen betreiben, in dem auch im Winter ausgeschenkt wird. "So gehört sich das", sagen sie. Schließlich kenne man das in ihrer bayerischen Heimat nicht anders.

Das Café an der Elbstraße werden sie aufgeben - mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Nur den Namen nehmen sie mit. Doch wie erklärt man Gästen, denen man eine Brotzeit serviert, den Namen Schoko-Flut? "Das kleine Café war der Beginn unseres Traums. Die Geschichte werden wir unseren Gästen erzählen, wenn sie die hören wollen", sagt Fritz Hock. Miteinander ins Gespräch kommen sei sowieso das Wichtigste.