Statt Wassermelonen ist heißer Kaffee gefragt

Lauenburg
(er).
"Norddeutsches Schmuddelwetter ist das eine, aber die nasse Kälte, die wir jetzt hier haben, ist auch für unsere Breiten nicht normal", sagt Gemüsehändler Hasan Südan. Recht hat er: Mit elf Grad war es gestern Mittag in Lauenburg so kalt wie Heiligabend im vergangenen Jahr. Normalerweise reißen die Kunden Südan um diese Jahreszeit erfrischende Wassermelonen aus den Händen, jetzt bleibt er darauf sitzen. "Zum Glück haben wir gerade Saison für Erdbeeren und Kirschen, darauf freuen sich die Leute das ganze Jahr", sagt der 48-Jährige, der bei solchem Wetter immer besonders viel Sehnsucht nach seiner Heimat an der türkischen Mittelmeerküste hat.

Eisverkäuferin Jutta la Prova schüttelt auf die Frage nach dem Wetter nur mit dem Kopf. "Die Leute reden über nichts anderes mehr. Heißer Kaffee geht zurzeit besser als Eis", sagt sie. Es gibt Tage, da sagt sie ihren Aushilfskräften ab - manchmal eine Fehlentscheidung. "Ich denke morgens, es lohnt sich nicht. Plötzlich kommt mittags für eine halbe Stunde die Sonne raus, und die Leute stehen Schlange, als hätten sie nur darauf gewartet", hat sie festgestellt.

Im Geschäft von Udo Schumacher liegen in der Auslage marinierte Steaks neben Bratwürsten und Fleischspießen - so wie zur besten Saison. "Kein Problem, norddeutsche Griller kennen kein Schietwetter", sagt der Fleischermeister. Zwar blieben spontane Käufe für den Feierabend eher aus, aber geplante Gartenpartys würden durchgezogen, egal ob es wie aus Eimern gießt oder für einen Moment die Sonne hinter Wolken hervorkommt. "Zur Not tut es auch ein Elektrogrill in der Küche", so der Tipp vom Fleischermeister.

Ganz so wetterfest scheinen die Touristen nicht zu sein, die sich in diesem Jahr einen Tagestrip nach Lauenburg vorgenommen hatten. "Wir spüren deutlich, dass weniger Tagesbesucher zu uns kommen als in den Jahren mit schönem Frühsommerwetter", sagt Tourismusmanagerin Ulrike Sindermann. Aber wie so viele Dinge hat auch das schlechte Wetter eine Kehrseite: "Die Besucherzahlen im Elbschifffahrtsmuseum steigen ordentlich an, wenn es draußen ungemütlich wird", freut sich die Fachfrau.

Laut Wetterprognose dürften sich demnach die Besucher des Museums auch in den nächsten Tagen noch die Klinke in die Hand geben. Zwar sollen deutschlandweit die Temperaturen deutlich ansteigen, für Lauenburg prognostizieren die Wetterfrösche zumindest bis Dienstag nächster Woche kräftige Regenschauer und nur ab und zu ein wenig Sonne.