Rückblick

Silvester anno dazumal

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Elke Richel

Lauenburg. Dass die Lauenburger gern feiern, ist kein Geheimnis. Das war schon vor hundert Jahren so, auch wenn es ein paar Unterschiede gab. Da selbst alteingesessene Lauenburger sich daran nicht mehr genau erinnern können, haben wir mal in alten Archiven gestöbert.

Es war ein kalter und windiger letzter Tag des Jahres 1885, als die wohlhabenden Bauern des Landkreises mit ihren Frauen im Zweispänner im Lauenburger Hotel "Zum weißen Schwan" eintrafen, um dort den Jahreswechsel zu begehen. Die Kutschen fanden in den geräumigen Remisen Platz, wo auch die Pferde vom Hausknecht versorgt wurden. Die Damen hatten sich im Hotel ein Zimmer gemietet, denn sie mussten sich ja umkleiden. Zuvor aber trafen sie sich zum nachweihnachtlichen "Shoppen" in der Elbstraße, die damals über die Stadtgrenzen hinaus als Einkaufsparadies bekannt war. Im Laden von Friseurmeister Bollhorn klapperten vom frühen Morgen an die Brennscheren und auch die Kaufleute in der Elbstraße hatten gut zu tun, die anspruchsvollen Damen zu bedienen. Die Frau des Bürgermeisters aus Krukow kaufte bei "Wedeerin" ein neues Schlittengeläut. Wenn die Landstraßen verschneit waren, mussten die Pferde ja vor die Schlitten gespannt werden. Bei Konditor Murjahn an der Ecke zur Fährtreppe wurden "Stuten und Semmeln" aus Marzipan gekauft, denn die Weihnachtsvorräte waren inzwischen längst aufgenascht. Sich von der "Shopping-Meile" Elbstraße zu trennen vermochten die Damen nur in Vorfreude auf den bevorstehenden Ball.

Festlich gekleidet begaben sich die Paare auf ihre Plätze. Es spielte die Kapelle des II. Hannoveranischen Dragoner-Regiments aus Lüneburg. Nur feinste Speisen kamen auf die Tafel und das war für die Bauern damals "Karpfen blau", denn genügend Fleisch hatten sie selbst auf dem Hof. Der anschließende Ball war dann der festliche Abschluss des arbeitsreichen Jahres.

Die alten Lauenburger feierten also kaum anders als wir den Beginn des neuen Jahres - mal abgesehen von der Einkaufstour vor dem Fest durch die Elbstraße.

(Wir danken dem Heimatbund und Geschichtsverein Lauenburg für die Mitarbeit)

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