Geesthacht

Neuer Corona-Test in Form einer Mundwasserspülung

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Dirk Palapies
Das Mundspültestset besteht aus einem Auffangbecher mit Transfereinheit, einer Monovette und der Kochsalzlösung.

Das Mundspültestset besteht aus einem Auffangbecher mit Transfereinheit, einer Monovette und der Kochsalzlösung.

Foto: LADR

Nun gibt es eine Alternative zum Nasenabstrich. Das LADR-Labor in Geesthacht bietet den neuen Corona-Test an. Analyse im Labor.

Geesthacht. Der Geesthachter Laborverbund Dr. Kramer und Kollegen LADR stellt ab sofort eine sanftere als die bisher üblichen Methoden zur Verfügung, um mittels einer PCR-Diagnostik Klarheit über eine Corona-Infektion zu erlangen. Der neue Test für den molekularbiologischen Nachweis erfolgt mit Mundspülwasser.

Zielgruppe sind alle, die viel getestet werden müssen, etwa wegen ihres Berufes in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhaus. „Vor allem diejenigen, die das Abstreichen nicht mehr ertragen können“, sagt Professor Ralf Bialek. Der Mediziner ist unter anderem Kinderarzt, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und bei LADR Ansprechpartner für PCR-Infektionsdiagnostik, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene.

Neuer Corona-Test ist so einfach wie Zähneputzen

Das Herumgestochere mit dem Stäbchen in Rachenraum und Nase wie beim Nasopharyngealabstrich, dem Goldstandard in der Corona-Diagnostik, entfällt beim neuen Verfahren mit dem Mundwasser. Auch der Aufwand für den Probennehmer – der sich hierbei nicht mit Schutzbrille, -kleidung und Maske vor einer Ansteckung schützen muss – wird deutlich geringer. Zudem ist die Lagerung des Testmaterials unproblematisch. „Die Haltbarkeit beträgt Monate“, erklärt Prof. Bialek. „Es muss auch nicht besonders gekühlt werden.“

Die Viren werden im Falle einer Infektion auf der Schleimhaut im Mund-Rachenraum, im Speichel und in Speicheldrüsen gefunden. Speichel wurde zwar als Alternative für die Diagnostik erfolgreich getestet, kann aber so zähflüssig sein, dass er manchmal schwer zu gewinnen ist und zudem im Labor verflüssigt werden muss. Die Pipetten der Laborgeräte könnten verstopfen, was zu Fehlern bei der Testung führen könnte.

Ein Schnelltest ist die Spülung nicht, die Analyse erfolgt im Labor

Ein Schnelltest ist es aber nicht. Die Analyse der Probe erfolgt im Labor. Auch steht der Kauf nicht der Allgemeinheit zur Verfügung, die Abgabe erfolgt in Arztpraxen oder Einrichtungen mit ärztlicher Aufsicht. „Der Test ist praktisch und allein durchführbar“, erklärt Prof. Bialek. „Wer Zähneputzen kann, kann auch den Test machen.“ Die Jüngsten, die getestet wurden, waren fünf Jahre alt.

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Fünf Milliliter einer 0,9 prozentigen Kochsalzlösung werden 20- bis 30-mal im Mund hin und her bewegt und dann in einen Becher gespuckt. Von Gurgeln rät Prof. Bialek ab: „Gurgeln produziert gefährliche Aerosole, danach ist Stoßlüften angeraten.“ Nach Schließen des Bechers wird der verflüssigte Speichel per Unterdruck in ein Röhrchen gesogen. Das reduziert das Infektionsrisiko der Praxismitarbeiter.

Röhrchen können ohne weitere Bearbeitung aufs PCR-Gerät gestellt werden

Dieses Röhrchen wird dann – zwecks Identifikation – mit einem Barcode-Etikett versehen und ans Labor geschickt. Das Testergebnis ließe sich später auch per QR-Code über mein-laborergebnis.de abrufen. Während die Abstrichproben von Stäbchen erst für die Weiterverarbeitung im Laborgerät durch Einrühren in eine Lösung aufbereitet werden müssen, können die Röhrchen ohne weitere Bearbeitung direkt auf ein PCR-Gerät gestellt werden. Das spart Zeit. Bereits nach vier Stunden im Labor liegt ein Ergebnis vor, sonst kann es bis zu sechs Stunden dauern.

Weitere Vorteile: Wegen des Barcodes wird eine Probenverwechselung im Labor wie auch eine mögliche Kontamination bei der Bearbeitung ausgeschlossen. Und: Es gibt keine falsch-positiven Ergebnisse wie beim vergleichbaren sensitiven Antigentest – damit entfällt die Überprüfung positiver Tests. Mutationen werden ebenfalls erfasst.

In Tests wurde die Zuverlässigkeit der Spülung ermittelt

Eine Einschränkung gibt es. Die Untersuchungsmethodik wurde fürs LADR ausschließlich für das dort im Einsatz stehende „Cobas 8800 System“ der Firma Roche Diagnostics evaluiert.

In Tests wurden die Zuverlässigkeit bestätigt. „95 Prozent der nach der RKI-Definition kontagiösen Probanden wurden zuverlässig ermittelt, lediglich jene mit bereits abklingender oder beginnender Infektion, von denen keine Infektionsgefahr zum Zeitpunkt der Untersuchung ausging, wurden nicht sicher erkannt“, teilt LADR mit.

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