Geesthacht

Das Dilemma der beliebten Museumslok "Karoline"

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Dirk Palapies
Sie steht endlich wieder im heimischen Lokschuppen: „Karoline“ ist zurück von der Reparatur, Hermann Scharping (li.) und Gerhard Rösler von der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn freuen sich.

Sie steht endlich wieder im heimischen Lokschuppen: „Karoline“ ist zurück von der Reparatur, Hermann Scharping (li.) und Gerhard Rösler von der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn freuen sich.

Foto: Dirk Palapies

Die historische Dampflok war nach einem Unfall fast ein Jahr zur Reparatur – und wäre jetzt wieder startklar. Eigentlich.

Geesthacht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Als nächste Termine für Ausfahrten sind immer noch der 2. und 3. April auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn aufgeführt. Zu Ostern wäre das. Abhängig von den Corona-Auflagen, folgt als Vermerk. Und das ist der Knackpunkt. Es ist zu ärgerlich. Publikumsliebling Lok „Karoline“ ist gesund zurück von ihrer Reparatur, aber das Covid-19-Virus macht weiterhin Menschen krank.

So glaubt niemand mehr im Verein, dass es etwas wird mit der Frühlingstour. „Es ist unmöglich, die Hygienebedingungen erfüllen zu können“, bedauert der 1. Vorsitzende Hermann Scharping.

Nach Unfall: Museumslok "Karoline" wieder in Geesthacht

Am Dienstag war die historische Dampflok „Karoline“ nach zehn Monaten aus der Werkstatt in Bleckede zurückgekehrt. Zu Ostern wäre die erste Ausfahrt gewesen seit dem Unfall im Juni 2019, als ein VW Up der Lok am Düneberger Bahnübergang seitlich gegen die Räder fuhr. „Wir hoffen im Verlauf des Jahres auf Lockerungen und sehen dann bei anderen Ausfahrten, ob wir den Zug vernünftig besetzen können“, sagt Scharping.

„Wenn nur 50 Leute kommen können, brauchen wir gar nicht erst losfahren.“ Die dem AKN gehörende Trasse kostet pro gefahrenem Kilometer Entgelt, Betriebsstoffe bis hin zu Zusätzen für das Kesselwasser müssen bezahlt werden. „Das rechnet sich nur, wenn wir die Züge auch gut besetzen können.“ Normal sind bei den Fahrten 229 Plätze zu vergeben.

"Karoline" fährt normalerweise an sechs Wochenenden im Jahr

Üblicherweise fährt „Karoline“ an sechs Wochenenden im Jahr. Zu Ostern, Pfingsten, im Juni oder Juli, September, Oktober und zu Weihnachten, zudem sind privat buchbare Sonderfahrten möglich. Kurzfristige Lockerungen in der Landesverordnung zu Corona müssen nicht zwingend nützen. Drei bis vier Wochen Vorlauf wird benötigt, um eine Ausfahrt zu stemmen. Das Hauptproblem ist die Vermarktung des Ticketverkaufs.

Es war eigentlich nicht viel kaputtgegangen. Die linke Treibstange verzog sich durch den Aufprall um zwei Zentimeter. Aber die nötige Reparatur zog weitere Arbeiten an der 1945 gebauten Lokomotive nach sich. „Die Achsen sind samt und sonders auf der Drehbank gewesen“, berichtet Hermann Scharping. Auch die Stoßfedern wurden ausgebaut und zu einer speziellen Werkstatt nach Sachsen-Anhalt weitergereicht. „Federn sind eine Wissenschaft für sich“, weiß Hermann Scharping. Die Lager sind zum Teil neu ausgegossen worden, und natürlich ist die verbogene Stange gerichtet. Die Kosten trägt die Versicherung.

Pause wegen des Ausfalls und Corona setzt Vereinskasse unter Druck

Durch die Reparaturdauer waren auch alle Kesselfristen des TÜV abgelaufen. Es gibt drei Stufen. Eine Sichtkontrolle mit Leeren des Kessels und Reinschauen. Dann wird Wasser aufgefüllt und der Druck geprüft. Und drittens wird der Kessel angeheizt, um den Druck auch warm zu checken. Die gute Nachricht: „Der Kessel ist okay“, sagt Scharping. Der pensionierte Industriemeister in der Metallverarbeitung ist seit der Vereinsgründung vor 45 Jahren 1. Vorsitzender.

Die Pause wegen des Ausfalls und nun wegen Corona setzt auch die Vereinskasse unter Druck. „Bis zu 40.000 Euro im Jahr kommen durch die Fahrten herein. Die einzige Einnahme lag 2020 im dreistelligen Bereich für eine gebuchte Fotofahrt mit 15 Gästen“, sagt Scharping. Bereits 2019 hatte es einen Knick bei den Einnahmen gegeben, die Weihnachtsfahrten liefen nicht wie sonst. Die statt „Karoline“ eingesetzte alte Diesellok zog nicht wie gewohnt die Mitreisenden an.

Von der Stadt Geesthacht hat es einen Zuschuss für die "Karoline" gegeben

„Die Leute wollen Dampf“, hat Hermann Scharping festgestellt. „Es wird höchste Zeit, dass wir wieder starten können, denn die Unkosten laufen weiter. Von der Stadt hat es einen Zuschuss gegeben, über diese Zusammenarbeit können wir uns nicht beschweren. Aber sonst war in Sachen Corona-Hilfen nichts zu kriegen, der Dachverband der Museumsbahnen hat es versucht.“

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Immerhin konnte zumindest bei einigen bereits eine „Karoline“-Begeisterung festgestellt werden. „Ein Ehepaar aus Escheburg hat sie bei sich am Grundstück vorbeifahren sehen und ist sofort aufgebrochen. Unmittelbar nach Ankunft der Lok trafen sie beim Schuppen ein“, erzählt Hermann Scharping.

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