Kernkrafwerk

Lieferprobleme bei Castor-Behältern - Rückbau verzögert sich

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Timo Jann

Krümmel. Der Beschluss der Bundesregierung, das AKW Krümmel und die sieben ältesten deutschen Atommeiler für immer stillzulegen, stellt die Branche jetzt vor ein unerwartetes Problem: Es gibt zu wenig Castor-Behälter zur Einlagerung der Brennelemente aus den Kraftwerken.

„Es gibt Lieferprobleme“, sagt Stefan Kleimeier von Vattenfall Europe in Hamburg, dem Betreiber Kraftwerks. Für Krümmel bedeutet das: Der Rückbau des größten Siedewasserreaktors der Welt wird sich verzögern.

25 Castor-Behälter vom Typ „V/52“ sind allein in Krümmel nötig, um alle Brennelemente, die im komplett beladenen Reaktorkern und im Lagerbecken liegen, zu sammeln. Ähnliche Kapazitäten benötigen auch die anderen sieben stillgelegten Atommeiler und die neun Kernkraftwerke, die noch in Betrieb sind. Problem dabei: Die Firma GNS aus Hanau, die die Castoren fertigt, hat eine Jahreskapazität von 80 Stück. Weil die Produktionsanforderungen streng sind, lässt sich die Produktion nicht einfach erweitern. GNS ist führend beim Bau der Behälter.

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es eine interne Vereinbarung der deutschen Energiekonzerne, nach der die Kraftwerke, die noch in Betrieb sind, bei der Versorgung mit Castor-Behältern Vorrang haben sollen. Hintergrund: Es soll nicht ein weiterer Atommeiler seine Produktion einstellen müssen, weil kein Tausch ausgenutzter Brennelemente mangels Lagerbehälter mehr möglich ist. In der Folge werden die stillgelegten Kraftwerke erst mit Castoren beliefert, wenn Exemplare wieder am Markt sind. Solange müssen die Brennelemente in den Lagerbecken bleiben. „Dort sind sie sicher“, betont Kleimeier. Eigentlich gibt es Planungen für den Bedarf von Castoren, die über Jahre ausgelegt sind. Das plötzliche Aus für die acht Kernkraftwerke sorgt nun für einige Probleme beim Rückbau.

Der Transport- und Lagerbehälter der Bauart „V/52“ besteht aus einem dickwandigen zylindrischen Behälterkörper, der mit einem Doppeldeckeldichtsystem ausgestattet ist. Dieses besteht aus zwei hintereinander angeordneten Deckeln, die jeweils mit dem Behälterkörper eine dichte Umschließung bilden. Die Genehmigung für den Betrieb des Standortzwischenlagers in Krümmel sieht vor, dass Arbeiten an den Primärdeckeln nur innerhalb des Reaktorgebäudes durchgeführt werden dürfen. Und solange im Kraftwerk selbst noch Brennelemente gelagert sind, kann dort kein Rückbau beginnen. Für das 88 Meter lange, 23 Meter hohe und 27 Meter breite Zwischenlager östlich des eigentlichen Kraftwerks gelten zudem auch Vorschriften, wie stark die Brennelemente noch strahlen dürfen und wie weit sie abgebrannt sein dürfen und müssen. Eine Kapazität von insgesamt 80 Behältern reicht für die Brennelemente des Standortes aus. Offen ist, was mit kontaminierten Bauteilen im Zuge des Rückbaus passieren wird.

Durch die Castor-Problematik und die zunächst notwendige Entfernung der Brennelemente aus dem Kraftwerk ist offen, wann in Krümmel der Rückbau beginnen kann. Zu überraschend kam das Aus für den Betrieb der acht Anlagen, mit dem die Bundesregierung auf das Atomunglück im japanischen Fukushima reagiert hatte.

Zurzeit erarbeitet Betreiber Vattenfall einen Plan, wie der Rückbau des AKW Krümmel realisiert werden kann. Der Zeitrahmen wird etwa 15 bis 20 Jahre umfassen. Unklar ist der konkrete zeitliche Verzug, den der Castor-Engpass bedeutet.

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