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Radschnellwege – der lange Weg zum Radlerglück

| Lesedauer: 5 Minuten
Axel Tiedemann
In Kopenhagen ist der Traum von radelnden Berufspendlern schon länger Realität. Radschnellwege führen aus dem Umland in die dänische Hauptstadt

In Kopenhagen ist der Traum von radelnden Berufspendlern schon länger Realität. Radschnellwege führen aus dem Umland in die dänische Hauptstadt

Foto: Axel Tiedemann

Der überörtliche Radverkehr in der Metropolregion soll ausgebaut werden. Doch die Planung ist nicht ganz einfach.

Das breite Asphaltband des Radweges zieht sich abseits der Straßen in sanften Schleifen über Wiesen und durch Vorortsiedlungen. An den Ampeln sind kleine Geländer mit Fußstützen für ein bequemes Warten aufgebaut und wenn eine breite Straße kreuzt, führt der Weg durch einen Tunnel einfach unten durch.

Luftpumpenstationen alle paar Kilometer und Papierkörbe, die so schräg aufgestellt sind, dass man sie beim Vorbeiradeln nutzen kann, machen die Sache perfekt. Das alles klingt nach einem schönen Traum eines Radfahrers, der sich derzeit jeden Tag auf selbst ausgetüftelten Routen aus dem Hamburger Umland ins Zentrum aufmacht. Es ist aber Realität – in Kopenhagen.

Die Superradwege heißen Cykelsupstier

Die Superradwege heißen Cykelsupstier und lassen sich von neidischen Besuchern aus Hamburg weit besser fahren als aussprechen.

Seit 2012 führen sie weit ins Umland der dänischen Hauptstadt. Speziell angelegt für Berufspendler, um zu Vorortbahnen und dem umweltbelastenden Autoverkehr eine sportliche Alternative zu bieten.

Deutschland holt auf. Im Ruhrgebiet, in Frankfurt und anderen Regionen gibt es erste Radschnellweg-Projekte, die unterschiedlich weit vorangeschritten sind. Eines der größten ist für Hamburg und sein Umland in der Planung, wo täglich rund 500.000 Berufspendler unterwegs sind.

„Wir arbeiten an einem ganzen Radschnellweg-Netz“, sagt Susanne Elfferding, die das Projekt beim länderübergreifenden Planungsverbund „Metropolregion Hamburg“ leitet. Aber es ist offenbar ein langer Weg, bevor die Radschnellwege tatsächlich fertig sind. Erste Teilstücke, so vermutet sie, würden erst 2025 freigegeben werden, womöglich im Landkreis Pinneberg, der in dieser Sache besonders engagiert sei.

30 mögliche Varianten

Konkret politisch gefordert wurden Radwege bereits 2015 im rot-grünen Koalitionsvertrag der Hansestadt. Wenig später gab es mit beteiligten Kommunen eine erste Tagung dazu. 2017 dann ermittelte die TU Hamburg mit einer Potenzial-Analyse, wo denn überhaupt solche schnellen Radverbindungen Sinn machen können.

Also, wo es gute Verknüpfungspunkte mit Bussen oder Bahnen gibt und genügend Menschen davon profitieren könnten. Aus zunächst mehr als 30 möglichen Varianten wurden dann für Hamburg und sein Umland sieben sogenannte Suchkorridore ermittelt, wo solche Radschnellwege verlaufen könnten.

Derzeit lässt die Metropolregion von immerhin zehn Planerbüros mit einer Machbarkeitsstudie untersuchen, welche genauen Trassen sich daraus entwickeln lassen. Dazu gab es bereits Online-Befragungen der Bürger und jetzt auch spezielle Workshops vor Ort.

Die Detailplanung trifft auf zahlreiche Hürden

Je weiter die Planung voranschreitet, desto deutlicher wird, wieviel schwieriger es ist, einen solchen Radweg konkret zu planen, als ihn einfach mal in eine Karte zu zeichnen. Immerhin vier Meter breit muss er werden, um als Schnellweg zu gelten, wo Gegenverkehr und das Überholen möglich sein müssen.

Hinzu kommt ein etwa 2,50 Meter breiter Fußgängerbereich, der ebenfalls gefordert ist. Da zeigt sich in der Detailplanung dann etwa, dass ein solcher Weg aus Platzgründen gar nicht in einer Ortschaft zu bauen ist, die Alternative auf Feld und Wiese dann aber schützenswerte Natur berührt.

Parallel zu solchen Detailfragen soll es eine Art Gestaltungshandbuch geben. Etliche Gemeinden und Kreise sind an dem Projekt beteiligt, doch das ganze Radschnellwegnetz soll möglichst aus einem Guss erscheinen, heißt es bei der Metropolregion.

Ein Kilometer Radweg kann schon mal 1,5 Millionen Euro kosten

Beschilderung, Logos und das optische Erscheinungsbild sollen möglichst gleich sein. Elfferding: „Wir wollen als ein Netz wahrgenommen werden, so wie der HVV.“

Doch bis es so weit ist, steht den Radwegplanern noch eine weitere Hürde bevor: die Finanzierung. Erfahrungen aus anderen Regionen hätten gezeigt, dass der Bau von nur einem Kilometer Radweg schon einmal 1,5 Millionen Euro kosten kann, heißt es in einer Broschüre der Metropolregion.

Wenn lediglich schon vorhandene Wege ausgebaut werden, würde die Investition auf etwa 260.000 Euro pro Kilometer sinken.

So oder so: Bei dem insgesamt rund 275 Kilometer langen Radschnellwegenetz rund um Hamburg kommen in den nächsten Jahren ganz ordentliche Beträge zusammen. Jedenfalls mehr, als die 25 Millionen Euro, die der Bund bisher insgesamt an Fördermitteln zugesagt hat. Für Radschnellwege in ganz Deutschland allerdings.

Zum Radschnellweg Lüneburg-Hamburg gibt es zwei Bürgerworkshops: Donnerstag, 5.9., um 18 Uhr im Marstall, Schloßplatz 11 in Winsen und Freitag, 6.9., im Bezirksamt Harburg, Mehrzwecksaal im SDZ, Harburger Rathausforum 1

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